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Hör auf, dich für dein Mann-Sein zu schämen!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SOFT GUY FILTER
Mikolette via Getty Images
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Du bist ein Mann. Du bist als männliches Wesen geboren und wirst als Mann sterben. Das ist eine grundlegende Tatsache, die viele Männer nicht wahrhaben wollen und deren Tragweite viele Männer nicht erkennen.

Die feministische Bewegung und der sogenannte „Gender Mainstream" leugnen alle geschlechtsspezifischen Unterschiede und versuchen Männer und Frauen zu geschlechtsneutralen, im Grunde aber eher femininen Wesen zu machen. Wer unter einseitigem weiblichen Einfluss aufgewachsen ist, der hat wahrscheinlich mit seiner geschlechtlichen Identität als Mann Probleme. Er versucht wie Klaus seine Männlichkeit zu verstecken und passt sich den Wünschen der Frauen an:

Der ewige Mr. Nice Guy

Klaus, Mitte 30, schildert in einer Beratungsstunde bei mir: „Mir gelingt es einfach nicht, eine dauerhafte Beziehung mit einer Frau aufzubauen. Ich hatte ein paar Affären und zweimal eine Partnerschaft, die aber beide schon nach wenigen Monaten wieder auseinandergingen." Auf meine Vermutung hin bestätigte er, dass es fast immer die Frau war, die sich von ihm getrennt hat, mehrfach sich einen anderen Mann gesucht hat.

Klaus ist ein attraktiver und gebildeter Mann, der von seiner körperlichen Erscheinung her durchaus anziehend auf Frauen wirken könnte. Aber Klaus ist ein typischer „nice guy", ein Mann, der überaus freundlich, höflich und stets lächelnd erscheint. Mit ihm könnte man sich keinen Streit vorstellen. Auf Provokationen reagiert er stets defensiv und geht in die Verteidigung.

Er ist zu weich und konturlos und ist schnell zu verunsichern. Als Klaus mir schilderte, wie die Frauenkontakte zustandekamen, erklärte er damit auch gleichzeitig sein Problem: Meist war es die Frau, die ihm zu verstehen gab, dass sie ihn kennenlernen wollte, manchmal hatte sie auch den ersten Schritt der Kontaktaufnahme gemacht. Klaus ist stets überaus bemüht um die Frau, macht Komplimente, Geschenke und lädt sie ein, obwohl er sie kaum kennt.

Er ist derjenige, der sich zuerst verliebt und sich nach kurzer Zeit von der Frau emotional abhängig macht. Er „klebt" sich emotional bedürftig und ausgehungert schnell wie eine Klette an die Frau und kontaktiert sie ständig. Gleichzeitig hält er sich mit Körperkontakt und sexueller Annäherung zurück, um sie nicht zu „bedrängen" wie er sagt. Kommt es dann auf Initiative oder zumindest einer „Steilvorlage" der Frau zum Sex, ist er dabei auch stets einfühlsam und sanft.

Die Frauen erleben ihn als lieben Freund und das sagen sie ihm dann auch: Den Vorschlag „Können wir nicht Freunde sein?" hat er schon öfter gehört. Für Abenteuer, Spannung und Erotik suchen die Frauen sich lieber einen maskulinen Mann als den eher geschlechtsneutral wirkenden Klaus.

Ohne jede Aggression und ohne Risikobereitschaft, wird er keine sexuelle Anziehung auf Frauen ausüben

Klaus hat noch einen weiten Weg vor sich, um seine Männlichkeit zu entwickeln und zu genießen. Doch Schritte in diese Richtung sind dringend notwendig - nicht nur, um sein erklärtes Ziel einer langfristigen Partnerschaft zu erreichen. Er muss auch mehr Selbstsicherheit und innere Stärke als Mann entwickeln. Dafür muss Klaus erst einmal lernen, Kontakt zu seiner Männlichkeit aufzunehmen: Willenskraft, Aggression, Mut und Konfliktbereitschaft sind gefragt.

Denn als ein Frauenversteher ohne jede Aggression und ohne Risikobereitschaft wird er keine sexuelle Anziehung auf eine Frau ausüben und keine Frau dauerhaft für sich interessieren können und auch keinen Respekt erleben.

Die Entscheidung von einem lieben, geschlechtsneutralen Jungen, der sich für sein Mann-Sein schämt, zu einem Mann zu werden, der seine Männlichkeit bejaht und genießt, steht für Klaus an. Marius Müller-Westernhagen hat ein Lied geschrieben, das genau zu meiner Situationsbeschreibung von Klaus' Leben passt. Den Link zum Song findest du auf der Website zu meinem Buch.

Zieh dir bloß die Schuhe aus!

Klaus Mutter sagte stets: „Zieh dir bloß die Schuhe aus!"
Und sein Lehrer sagte ihm, er lerne fürs Leben. Doch das Leben blieb ihm stets fern.
Das Arbeitsamt sagte ihm, welchen Beruf er wählen solle.
Und seine Eltern suchten ihm seine Ehefrau aus. Wann endlich wachst du auf Klaus?
Wann endlich wehrst du dich mal? Du träumtest doch einmal davon, dein eigener Herr zu sein!

(frei nach Marius Müller-Westernhagen)

Wach auf, Mann, und befrei dich von den Fesseln, die du dir um deinen Kopf, dein Herz und deinen Penis hast wickeln lassen! Fange an, deine Männlichkeit in ihrer Freiheit, Wildheit und Unberechenbarkeit zu leben. Im Folgenden beschreibe ich den Weg, wie du vom Opfer zum Schöpfer deines Lebens wirst, indem du die Regeln festlegst und dies nicht anderen überlässt, schon gar nicht einer Frau, die über dich bestimmt.

Hör auf, dich für dein Mann-Sein zu schämen!

Der erste Schritt dazu ist, zu deinem Mann-Sein zu stehen und dich der Welt nicht als geschlechtsloses Neutrum zu präsentieren. In welchen Situationen schämst du dich für deine Männlichkeit? Wann distanzierst du dich von anderen Männern und versuchst Frauen zu zeigen, dass du „ganz anders" bist als die anderen Männer? Hast du schon als Kind versucht, deiner Mutter zu beweisen, dass du sie besser verstehst und mehr liebst als dein Vater?

Eine dir unbekannte Frau zieht dich sexuell an und du schaust ihr auf den Busen. Sie bemerkt es und macht eine fiese Bemerkung darüber, was dir sehr peinlich ist. Eine laut grölende Truppe Männer zieht pöbelnd durch die Stadt und du distanzierst dich angewidert. Deine Partnerin macht dir eine Szene, weil du über das Wochenende mit einem Freund wegwillst - du sagst ihm ab „aus Rücksicht auf sie". Kennst du solche Situationen?

Der Ursprung für dieses Verhalten ist vermutlich deine Mutter. Wenn du ihr emotional oder auch körperlich zu nah warst und vielleicht sogar von ihr als Partnerersatz für deinen nicht anwesenden oder ungeliebten Vater missbraucht wurdest, dann hast du vermutlich gelernt die Welt mit „ihren Augen" zu sehen.

Was sie an Männern und speziell an deinem Vater ablehnte, hast du tagtäglich gehört und gespürt. Und du hast beschlossen, dich anders als diese Männer zu verhalten, weil du für deine Mutter der „bessere Mann" sein wolltest. Je nachdem welche männlichen Verhaltensweisen deine Mutter bei Männern abgelehnt hat, hast du intensiv versucht dich von diesen Aspekten der Männlichkeit abzugrenzen, um von ihr geliebt zu werden.

Wenn deine Mutter also über die Unzuverlässigkeit von Männern schimpfte, dann hast du dich bemüht, immer pünktlich und verbindlich zu sein. Wenn sie dir vermittelte, dass Männer Lügner seien, dann hast du dir angewöhnt, deine Mutter niemals anzulügen und keine Geheimnisse vor ihr zu haben. Wenn sie sich durch lautstarkes und aggressiver Verhalten von Männern bedroht fühlte, hast du versucht leise und lieb zu sein.

Das Ganze ließe sich durch unzählige Beispiele bis ins kleinste Alltagsverhalten hinein fortsetzen. Sogar bestimmte emotionale Muster, Denkweisen, Werte und deine Körperhaltung lassen sich auf eine unbewusste Orientierung an den Werten der eigenen Mutter zurückführen.

Das Problem ist, dass dies den meisten Männern nicht bewusst ist und sie ihre Ansichten und ihr Verhalten als selbstgewählt und selbstbestimmt betrachten. Zugleich übertragen sie das muttergeprägte Verhalten auf den Umgang mit ihrer Partnerin, die dadurch in eine Mutterrolle gerät. „Muttersöhnchen" ist die Bezeichnung für diese Art von Männern.

Einmal Muttersöhnchen, immer Muttersöhnchen?

Ein Muttersöhnchen lehnt zahlreiche Aspekte des Mann-Seins ab - vor allem diejenigen, die seine Mutter und andere Frauen in seinem Leben nicht mögen. Um bei den obigen Beispielen zu bleiben: Er schämt sich für unzuverlässige, laute und aggressive Männer, die ihre Geheimnisse haben. Und er zeigt jeder Frau: „Schau her, ich gehöre nicht in ‚diese' Männerwelt. Ich bin ein Mann, der zuverlässig, immer gutmütig und leise ist und der keine Geheimnisse hat."

Das finden viele Frauen auf den ersten Blick auch angenehm, sie bemerken aber schnell, dass sie es mit einer „Mogelpackung" zu tun haben. In dem Männerkörper steckt nämlich gar kein Mann, sondern ein Muttersöhnchen, also ein Junge, der sich als Mann noch gar nicht gefunden hat und stattdessen immer noch versucht, nach Mutters Regeln zu leben, um von ihr geliebt zu werden. Wenn Frauen dies erkennen, verlieren sie den Respekt, machen sich lustig oder provozieren ihr Gegenüber, um den Mann aus ihm herauszukitzeln.

Bei dem Mann im obigen Beispiel spürt die Frau seine ungelösten „Mutterthemen" und reagiert instinktiv darauf: Sie kommt nicht oder viel zu spät zur Verabredung und lügt ihn offensichtlich mit einer fadenscheinigen Begründung an. Danach provoziert sie den Mann, der auf sie gewartet hatte, wegen einer Kleinigkeit mit lautstarken Szenen in der Öffentlichkeit.

Wenn sie ihn auch dann noch nicht aus der Reserve gelockt hat und er immer noch verständnisvoll und freundlich bleibt, verliert sie entweder das Interesse an ihm oder fährt noch stärkere Geschütze auf, etwa indem sie vor seinen Augen mit einem anderen Mann flirtet oder ihn lautstark beleidigt. Sie will dadurch - meist unbewusst - den Mann in dem Muttersöhnchen hervorlocken.

Wo wohnst du? Auf dem Mars oder auf der Venus?

Wenn dir das bekannt vorkommt, dann solltest du daran etwas ändern. Beobachte zunächst, welches Verhalten du bei anderen Männern ablehnst. Vor welchen Männern fürchtest du dich? Welches Verhalten von Männern findest du peinlich? Schreibe es auf. Und dann überlege einmal, ob es Zusammenhänge gibt mit dem, was deine Mutter an Männern ablehnte.

Männer, die zu feminin aufgezogen wurden und im Innern noch immer Muttersöhnchen sind, leben „auf der Venus". Sie identifizieren sich mit Frauen, ihren Gefühlen, Werten und Verhaltensweisen und lehnen andere Männer ab.

Das geht dann bis hin zu einer krankhaften Abneigung gegen jeglichen Körperkontakt mit Männern - Homophobie genannt. Vielleicht hast du schon als Junge immer „zu Mama gehalten" und sie gegen Papa (oder andere Männer) verteidigt oder beschützt.

Vielleicht glaubst du sogar bis bist und vermutlich immer noch als Fürsprecher, Verteidiger und Retter der Frauenwelt gegen die Männer antrittst. Doch so wirst du niemals ein echter Mann werden, egal wie alt du bist. Lerne die Männerwelt „auf dem Mars" kennen und identifiziere dich mit ihr.

Lerne deinen Vater und seine Beweggründe verstehen, entwickle Verständnis für andere Männer. Das ist dann auch die Grundlage für echte und tiefe Männerfreundschaften. Setz dich mit dem Verhalten von Männern auseinander, die dich beschämen oder vor denen du Angst hast. Du kannst dabei viel darüber lernen, was du an deiner Männlichkeit ablehnst.

Was bedeutet das konkret? Beobachte Männer einmal genauer, deren Verhalten oder „Macho-Gehabe" du ablehnst. Gehe in Kontakt mit ihnen, um sie besser kennen zu lernen und zu verstehen.

Ich selbst habe mich beispielsweise schon mal von einigen Hells Angels auf ein Bier einladen lassen. Nicht, dass sie meine besten Freunde geworden wären, aber die Begegnung mit ihnen war dennoch sehr spannend. Genauso interessant war für mich der Besuch einer Gay-Sauna - die Schwierigkeit dabei war allerdings, einen Freund für die Idee zu gewinnen, mich zu begleiten, damit wir uns in der Sauna als Pärchen ausgeben könnten.

Nach wie vor bevorzuge ich gemischte Saunen. Dennoch hatte ich auch bei diesem Saunabesuch viel Freude, führte angeregte Gespräche und erhielt Einblick in eine für mich bis dahin unbekannte Welt. Auch auf meinen vielen Reisen habe ich schon manche skurrilen Männer kennen- und manchmal auch schätzen gelernt, um die ich normalerweise einen weiten Bogen mache.

Lerne also Männer, gegenüber denen du Vorurteile hegst, unvoreingenommen kennen. Häufig hat die Ablehnung eines bestimmten männlichen Verhaltens mit einer alten Beschämung deiner Männlichkeit zu tun, so dass du diesen Aspekt nun bei dir und anderen Männern ablehnst. Heute den Worten deiner Mutter mehr als denen deines Vaters.

So wird aus dir nie ein Mann!

Das ist ein sicheres Indiz dafür, dass du noch ein Muttersöhnchen bist und vermutlich immer noch als Fürsprecher, Verteidiger und Retter der Frauenwelt gegen die Männer antrittst. Doch so wirst du niemals ein echter Mann werden, egal wie alt du bist. Lerne die Männerwelt „auf dem Mars" kennen und identifiziere dich mit ihr.

Lerne deinen Vater und seine Beweggründe verstehen, entwickle Verständnis für andere Männer. Das ist dann auch die Grundlage für echte und tiefe Männerfreundschaften. Setz dich mit dem Verhalten von Männern auseinander, die dich beschämen oder vor denen du Angst hast. Du kannst dabei viel darüber lernen, was du an deiner Männlichkeit ablehnst.

Was bedeutet das konkret? Beobachte Männer einmal genauer, deren Verhalten oder „Macho Gehabe" du ablehnst. Gehe in Kontakt mit ihnen, um sie besser kennen zu lernen und zu verstehen. Ich selbst habe mich beispielsweise schon mal von einigen Hells Angels auf ein Bier einladen lassen.

Nicht, dass sie meine besten Freunde geworden wären, aber die Begegnung mit ihnen war dennoch sehr spannend. Genauso interessant war für mich der Besuch einer Gay-Sauna - die Schwierigkeit dabei war allerdings, einen Freund für die Idee zu gewinnen, mich zu begleiten, damit wir uns in der Sauna als Pärchen ausgeben könnten. Nach wie vor bevorzuge ich gemischte Saunen.

Dennoch hatte ich auch bei diesem Saunabesuch viel Freude, führte angeregte Gespräche und erhielt Einblick in eine für mich bis dahin unbekannte Welt. Auch auf meinen vielen Reisen habe ich schon manche skurrilen Männer kennen- und manchmal auch schätzen gelernt, um die ich normalerweise einen weiten Bogen mache.

Lerne also Männer, gegenüber denen du Vorurteile hegst, unvoreingenommen kennen. Häufig hat die Ablehnung eines bestimmten männlichen Verhaltens mit einer alten Beschämung deiner Männlichkeit zu tun, so dass du diesen Aspekt nun bei dir und anderen Männern ablehnst.

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Der Beitrag ist ein Auszug aus Männlichkeit genießen! von Bjørn Thorsten Leimbach

Hier könnt ihr das Buch kaufen.

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