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#BTW17: Diesel-Deutschland oder El-Norwegen

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BUNDESTAGSWAHL
Achim Thomae via Getty Images
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Die wahre Alternative für Deutschland ist nicht Hellblau-Rot eingefärbt, sondern skandinavisch bunt: die fundamentalen Wirtschafts-Daten wie höhere Real-Einkommen; bessere, soziale Absicherung und ein fairer Arbeitsmarkt ohne verbreitet Niedriglöhne; höheres Vermögen wie Wohneigentum und sichere Renten, sind nur einige, wesentliche Vorzüge der 5Nordics Schweden, Dänemark, Finnland, Island und Norwegen.

Die IKT-Revolution: #BTW17 bis 2055

Der technologische Wandel ist nicht nur ein wenig Industrie 4.0 oder Digitalisierung, wie die CDU gerne verbreitet, es ist die IKT-Revolution seit dem ersten Intel Mikrochip 1971, die gerade die deutsche wie alle anderen, fortschrittlichen Volkswirtschaften komplett neu aufstellt: völlig neue Wirtschaftsstrukturen mit Robotern und in Zukunft praktisch Vollautomatisierung aller Produktionsprozesse und damit Verlust der wertvollsten Arbeitsplätze im deutschen, Produzierenden Gewerbe.

Und es ist die Revolution sozialer Beziehungen, das „Soziale" im Begriff soziale Marktwirtschaft.

Wer diese IKT-Revolution wirtschaftlich meistert wie die soziale Revolution - sie ist allerdings ein friedlicher Wandel - ist künftig wettbewerbsfähiger und zukunftsfähiger, wenn wir weit über die nächste Legislaturperiode hinausblicken, eher Richtung das Jahr 2055.

Europäischer Niedergang oder Skandinavisches Modell?

Noch wählen die Deutschen vorzugsweise CDU/CSU und FDP, sichern dadurch Angela Merkel eine neue Amtszeit und beschließen dadurch den fortgesetzten Niedergang des Westens (Niall Ferguson), wirtschaftlich wie sozial.

Mehr denn je ist Deutschland ein besonders wichtiger Teil Europas, der EU und erst recht der Eurozone sowieso. Noch erwirtschaftet Deutschland hohe Exporte und ergattert höhere Weltmarktanteile auf Kosten dieser europäischen Nachbarn.

Lassen Sie sich jedoch nicht von vermeintlich steigendem Wachstum und höheren Einkommen in die Irre führen: die realen Wachstumsraten hierzulande sinken - schon seit Jahrzehnten! Obwohl noch nie mehr Deutsche gearbeitet haben und die Exportquoten noch nie größer war.

Bitte Soziale Marktwirtschaft, nicht Schuldenwirtschaft

Politiker & Manager gleichermaßen, verwechseln (gerne) Unternehmenszahlen mit denen der Volkswirtschaft: niedrige Arbeitslosigkeit; hohe Umsätze und steigende Gewinne können zwar kurzfristig, aber nicht langfristig über das fallende, reale (!) Wachstum bei Wertschöpfung, Investitionen und Löhnen hinwegtäuschen.

Zudem ist dies alles mit immer neuen Schulden erkauft, in Deutschland wie global. Gemäß der Bank for International Settlements beträgt die globale Schuldenquote zum Bruttoinlandsprodukt +400%!

Was freilich die steigenden Aktienkurse, Vermögen und vermeintlich steigenden Löhne mehr als hervorragend, volkswirtschaftlich erklärt! In Wahrheit, wenn Sie einkaufen gehen, sind die Preise für Waren & Dienstleistungen im Vergleich zu Ihrem wahren, realen Nettolohn, völlig überteuert (inflationiert)!

Investoren, Börsenunternehmen und Makler mögen sich auch noch so sehr in ihren steigenden Aktienkursen sonnen, sie sind am Ende nur inflationierte Wunschwerte. Mit der Realität von deutschen Familien, Durchschnittsverdienern, Handwerkern, Rentnern und sozial Ausgegrenzten, hat dieser Selbstbetrug leider, auch in den Statistiken von Destatis.de, immer weniger zu tun.

Und ist m.E. die gute Erklärung für die kognitive Dissonanz bei deutschen Geschäftsleuten, Bundesregierung, den vielen Protestwählern und noch mehr bei jenen knapp 30 Prozent der Bürger, die nicht mehr zur Wahl gehen.

Sozial gerecht ist was das reale Wachstum fördert

Wenn künftig Arbeitsplätze vielfach fehlen, die Produktion automatisiert, IKT und Roboter allenthalben die meisten Arbeitsroutinen übernommen haben, was bleibt dann noch vom deutschen Standort? Und den Deutschen überhaupt, nachdem die Unternehmen und die wohlhabendsten 10 Prozent der Familien heute mehr als die Hälfte aller Einkommen gemäß Destatis.de (VGR) beanspruchen, was ist in Zukunft?

Auf diese Zukunfts-Frage könnten die Deutschen wie die SPD mit „mehr Gerechtigkeit" antworten. Das allein macht aber keine IKT-Revolution!

Was jedoch eine Revolution ausmacht, ist die stetige Zunahme der realen Produktivität der deutschen Unternehmen wie der Volkswirtschaft, wenn gezielter in die soziale Entwicklung sowie gleichzeitig in neue, produktivere Technologien (IKT) investiert wird!

Musste der deutsche Arbeiter im Schnitt 1974 für seinen ersten Golf I 1.199 Stunden schuften, hat er im letzten Jahr für den neuen Golf VII immer noch 1.098 Stunden arbeiten müssen, obwohl in diesen Jahrzehnten die reale Produktivität der deutschen Wirtschaft um fast 100 Prozent stieg - nur ist beim gemeinen Arbeiter davon praktisch nichts angekommen!

Er wurde um genau 42 Prozent seiner Arbeitsleistung oder 461 Stunden - sagen wir, betrogen?!

Besser hatten es in der Vergangenheit die 5Nordics Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland und Island. Mit nachweislich größerem Wirtschafts-Erfolg, gemäß dem Britischen Prosperity Index sind sie nämlich durchgehend „more prosperous," und damit zukunftsfähiger aufgestellt als Deutschland, Großbritannien, die USA und alle anderen, „großen" Exportnationen.

Höhere Median Einkommen, Renten und Vermögen erwirtschaften sie gemäß Eurostat und OECD allemal, sind gemäß dem Better Life Index eben bessere Standorte, was auch der Best Countries for Business Index des US-Magazins Forbes bestätigt.

#BTW17: wæhlen Sie riktig!

Die medial und politisch vorherrschende, kognitive Dissonanz wenige Tage vor der Bundestagswahl, versperrt den Deutschen wie ihren europäischen Nachbarn den wirklichen, produktiveren und sozial gerechteren Weg in eine auch wirtschaftlich bessere Zukunft!

Die OECD berechnet das reale (!) Wachstum in jenen fünf skandinavischen Volkswirtschaften bis 2055 um 75 Prozent höher (!) als in Deutschland. Glauben Sie, das ist purer Zufall?

Warum dann die gut 70 Prozent deutschen Wähler zu fast 50% CDU, CSU oder FDP wählen, bleibt jedem Skandinavier ein ewiges Rätsel.

Zukunftsweisend ist es gewiss nicht: während in Norwegen 2017 Elektroautos weiterhin steuerlich begünstigt und ihr Anteil an den Neuzulassungen 20 Prozent beträgt, hadert Diesel-Deutschland arg mit dieser IKT-Zukunft!

Gute Wahl - wæhlen Sie aber riktig!

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Lesenswert:

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