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Warum du dich nicht labeln musst, aber es kannst

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Peter Beavis via Getty Images
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Wir leben mittlerweile in einer Gesellschaft, in der Sexualitäten neben der Heterosexualität halbwegs bekannt und toleriert sind. Sicher, am Ende sind wir noch nicht, dennoch sind wir so weit fortgeschritten, dass wir uns schon Gedanken darüber machen, ob wir uns überhaupt labeln müssen.

„Ich bin nicht schwul, ich verliebe mich auch in Frauen."

Auf die Nachfrage, ob ich nun bisexuell bin, hab ich eine Weile lang gesagt, dass ich mich nicht label. Wozu auch? Meine Sexualität ist mir selbst ja noch nicht mal richtig klar und eigentlich muss sie auch keiner benennen können. Hauptsache ich weiß, was ich will.

Mittlerweile definiere ich mich als pansexuell, was mir die Möglichkeit gibt, zu sagen, ich könne mich in jede/-n verlieben, wenn er/sie eben die eine Person ist. Dabei ist das Geschlecht für mich nämlich vollkommen unwichtig. Die Persönlichkeit zählt (neben einigen anderen Faktoren).

Doch woher kommt der Drang, andere Menschen in Schubladen zu stecken? Einfache Antwort: Evolution. Vor einer sehr langen Zeit mussten Menschen besonders schnell reagieren können und ankommende Gefahren, wie Raubtiere, schnell als Risiko ausmachen.

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Die Gefahr droht uns heute zum Glück nicht mehr, der Wille, andere Dinge und Lebewesen zu kategorisieren, ist uns aber bis heute geblieben. Deswegen haben wir es auch so eilig damit, unsere Sexualität eindeutig definieren zu können.

Das Kategorisieren und Labeln dient allerdings nicht mehr als Gefahrenerkennung und -bekämpfung, sondern als Hilfe zur Entwicklung von Handlungsstrategien. Wie trete ich einem Menschen gegenüber?

Was kann ich sagen, was kommt falsch an? Das sind nur zwei Beispiele für Fragen, die während einem Kennenlernen oft unbewusst im Gehirn aufkommen und kontrolliert werden. Das ist übrigens auch ein Grund, warum bestimmte Menschen ihre Sexualität offen leben und sie fast schon als Ausrede benutzen.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs

Das Denken wird fortschrittlicher, das Labeln immer unnötiger. Doch ist es deswegen verkehrt, sich zu labeln?

Das kann man so auch nicht sagen. Trotz aller Fortschrittlichkeit sind wir noch nicht am Ende angekommen. Es gibt noch viele Menschen, die Heterosexualität als Norm sehen, der es nicht zu widersprechen gilt.

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Auch Heterosexualität ist ein Label. Fangen wir nun an, den heterosexuellen Menschen, welche fest an dieser Sexualität glauben, ihr Label abzusprechen, sprechen wir ihnen damit ein Stück ihrer Identität ab. Und wer sind wir, das zu können?

Fortschritt ist eine schöne Sache, solange er nicht erzwungen wird und alle mitgenommen werden.

Do what you want. Do it with love, respect and condoms.
#dowhatyouwant #love #respect #condoms #labels #sexualitaeten

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