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Dating auf dem amerikanischen Campus

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DATING CAMPUS
Renphoto via Getty Images
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Die USA gelten bis heute als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Land in dem Tellerwäscher zu Millionären wurden und es nur eine Marschrichtung gibt - höher, weiter, schneller. Es ist das Land der Superlative, des Glamours und der Freiheit. Ich selbst habe bis zu meinem 13. Lebensjahr in den USA gelebt und pflege bis heute engen Kontakt zu meinen alten Schulfreundinnen. Seit mittlerweile sieben Jahren lebe ich nun in Deutschland und kenne die Unterschiede im jugendlichen Leben nur zu gut. Mindestens ein mal im Jahr reise ich in die USA und treffe meine alten Freundinnen. Dann bringen wir uns gegenseitig auf den neusten Stand und so habe ich auch in ihrem Leben nie den Anschluss verloren.

Bevor ich anfange muss ich zwei Begriffe definieren. Man unterscheidet umgangssprachlich zwischen einem "Hook-up" und "Dating". Ein Hook-up bedeutet so viel wie etwas mit jemandem haben. Belanglos, spontan, und oftmals von beiden Seiten rein körperlich. Also Küssen und meist auch Sex ohne über Gefühle zu reden. Dating ist dagegen formeller und beschreibt eine Beziehung. Sprich, wenn man sich öfter getroffen hat und offiziell ein Paar ist.

Eine Freundin auf einer renommierten Boarding High School erzählte mir schon in der 10. Klasse, was die Hook-up Kultur für Abenteuer mit sich bringt. Man sieht sich ein paar mal auf dem Campus, bekommt die Nummer von der Person und verabredet sich zum Sex. Allerdings ist in den USA die Schule als Erziehungsanstalt deutlich strenger als in Deutschland. Mädchen dürfen nicht zu Jungs in die Schlafzimmer, und das wird aufmerksam kontrolliert. Statt dem Zimmer wird man auf dem Campus kreativ. Klassenzimmer und Büros von Advisors, also akademischen Beratern der Schüler, werden als Sexlocation missbraucht. Autos eignen sich auch gut, und im Sommer bietet sich sogar der benachbarte Wald an.

Die Hook-up Kultur auf Parties, die wir aus Deutschland eher kennen, gibt es auch an der High School. Häufiger findet man das aber im College. An vielen Colleges gibt es Fraternities und Sororities, Studentenverbindungen die nach Geschlechtern getrennt und griechischen Buchstaben benannt sind. Neben gemeinsamen Wohnhäusern und Connections für das spätere Leben veranstalten sie die berüchtigten "Frat" Parties. Zwei Freundinnen erzählten mir, dass bei diesen Frats fast alle nach einem Hook-up suchen. Als Mädchen muss man einen Typen eigentlich nur antippen oder sich kurz vorstellen. Dann führt schon das eine zum anderen.

Wegen den strengen Alkoholgesetzen und höherer Altersgrenze für Alkoholkonsum (21 Jahre) gibt es das erst im Freshman Year. In diesem ersten College Jahr wird noch einmal viel experimentiert. Fast jeder hat einen "Fake", also einen gefälschten Ausweis, der einen als 21 Jahre alt ausweist. Der Fake ist Schlüssel für den Liquor Shop, die ersten Club-Erfahrungen und gemütliche Abende in Bars.

Ich habe deutlich gespürt, dass sich viele über die Kultur des schnellen Partnerwechsels beklagen. Viele meiner Freundinnen suchen eigentlich nach einer Beziehung und im Freundeskreis ist es ein wichtiges Diskussionsthema. Trotzdem wollen sich viele junge Leute nicht durch eine Beziehung binden, vor allem Jungs. Nach ein paar Hook-ups muss erstmal geklärt werden, ob man überhaupt "exclusive" ist, sprich ob man noch mit weiteren Partnern schläft. Man muss unbedingt darüber reden, sonst kann es gut sein, dass dein Partner nebenbei einen anderen Fuckbuddy hat. Exclusive ist aber keine Beziehung, sondern ein etabliertes Freundschaft Plus. Sex, ja - aber bloß keine Gefühle oder Verantwortung für die andere Person übernehmen!

Die Erfahrungen die ich geschildert habe sind authentisch, aber trotzdem nicht das Einzige, was es gibt. Kennzeichnend an der amerikanischen College Erfahrung ist, dass fast jeder seine Nische findet und es somit natürlich auch andere Beziehungsstrukturen gibt.

Ich habe aus diesen Einblicken mitgenommen, dass sich jeder entscheiden muss in wie weit man sich bei der Hook-up Kultur beteiligen will. Sex außerhalb von Beziehungen ist vollkommen in Ordnung. Man kann es ja ausprobieren. Achtet aber immer auf eure emotionale und körperliche Gesundheit.

Do what you want. Do it with love, respect and condoms.

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