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Wie ich mein Herz an Nepal verlor

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EVEREST
DanielPrudek via Getty Images
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Nepal - eine Liebeserklärung

Ein land voller positiver Energie

Ich muss zugeben, ich bin eigentlich kein Freund von Kälte. Ich hasse die Kälte. Zwar mag ich kalte Regionen wie Norwegen oder die Antarktis - die Landschaft dort ist beeindruckend. Aber lange aufhalten mag ich mich in der Kälte nicht.

Kurz vor der Reise nach Nepal machte ich den Fehler und gab in der Wetter-App das Mount Everest Basecamp ein. MINUS 21 Grad spuckte die App aus. Erst dachte ich an einen schlechten Witz. Doch es würde sich bewahrheiten, dass es in Nepal durchaus übelst kalt werden kann. Aber dazu später. Manch einer wird sich fragen: wenn sie jetzt über das Wetter motzt, warum schreibt sie dann etwas von Herz verloren. Dazu komme ich nun.

Mit gemischten Gefühlen nach Kathmandu

Natürlich war ich vor diesem langen Hiking-Trip doch etwas aufgeregt. Werde ich es packen, auf über 5000 Meter zu gehen? Werde ich es ins Mount Everest Base Camp schaffen? Werden mir bei der Kälte die Zehen abfrieren (ein Freund hatte erzählt, dass in seiner Gruppe einem Mann die Finger fast abgefroren waren)?

Diese Frage ist also nicht unbegründet. Und plötzlich landeten wir in Kathmandu bei milden 18 Grad am Abend. Und was dann passierte, hört sich jetzt vielleicht wie eine romantische Liebesgeschichte an. Aber was soll ich sagen, ich habe mein Herz verloren. Verloren an eine chaotische Stadt, verloren an ein Land, das sich von seiner schönsten Seite gezeigt hat. Ein Land, das mich einfach verzaubert hat.

Kathmandu - ein Melting Pot aus Chaos, Hitze, Staub und lächelnden Gesichtern

Meine ersten Eindrücke aus Kathmandu waren berauschend. Noch nie war ich in einem Land, das so verstaubte Dreckslöcher Straße nennt, das solch einen chaotischen Verkehr hat und auch sonst ein wirklich armes Entwicklungsland ist. Aber noch nie hat mich eine Kultur - ein Gemisch aus Hinduismus und Buddhismus - so geflasht wie die nepalische. Inmitten des Lärms, Staubs und dem Gedränge an Menschen durchquert man einen Torbogen und befindet sich augenblicklich an einem ruhigen Ort, der aufgeladen ist von religiöser Energie.

Die Tempel in Kathmandu, die versteckt etwas abseits liegen, sind wunderschön und strahlen eine Aura von Ruhe, Besinnung und Frieden aus. Der unwiderstehliche Geruch von Räucherstäbchen, die rote Farbe, mit der die Segnungen erfolgen. Die orangen Blumenblüten, die auf dem Boden versträut liegen, das Feuer, das angezündet wird. Und von all dem Lärm und Staub ist plötzlich nichts mehr zu spüren. Man kann kurz inne halten, den neuen Duft einsaugen und in sich hinein hören - und die Schönheit der Tempelbauten einfach nur für sich genießen.

Straßenszene Kathmandu

Selfie Kathmandu

Händler in Kathmandu

Garden of Dreams Kathmandu Der Garden of Dreams in Kathmandu ist eine Oase der Ruhe

Ein Lächeln weit und breit

Dann tritt man zurück auf die Straßen. Es hupt hinter mir, ich muss aufpassen, nicht gleich überfahren zu werden, sonst ist es vorbei mit meinem Spirit. Der Staub dringt in jede Pore und macht mir das Atmen schwer. Natürlich sieht man überall auf den Straßen auch Armut. Das Erdbeben von 2015 hat seine Spuren hinterlassen. Tempel sind eingestürzt, Leute wurden obdachlos und müssen sich noch härter durchs Leben schlagen als zuvor schon.

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Doch eines fällt auf: die Leute lächeln. Egal, wie schwer die Last ist, die sie tragen, egal wie weit der Weg noch ist, den sie damit laufen müssen. Egal wie schwer sich die Pedale der ausrangierten Rickscha treten lassen und egal, ob der Touri nur nach dem Weg fragen will, anstatt an der Auslage interessiert ist: die Nepali haben immer ein Lächeln übrig. Sie sind trotz ihres harten Lebens und der Umstände, in denen sie leben, glücklich. Man kann auf offener Straße durch kleine Seitengassen laufen, mit der Kamera um den Hals - Gewalt oder Verbrechen gibt es hier kaum, so zumindest der erste Eindruck. Und das, obwohl die Menschen hier so wenig haben. Aber sie haben das Leben und das zeigen sie auch. Mit einer äußerst positiven Aussstrahlung.

Kleines Mädchen

Natur, die zu Tränen rührt

Doch nicht nur die Menschen und die Stadt reizen mich an Nepal. Es ist vor allem die wunderschöne Natur. Als wir in Lukla ankommen und zu unserer Tour ins Mount Everest Base Camp aufbrechen, werden wir flankiert von blühenden Rhododendronbäumen, von einem türkisfarbenen Fluss und Yak-Herden, die ihre Ware ins Everest-Basislager tragen.

Diese ersten Eindrücke der Natur rauben einem schier den Atem. Ständig werden wir auf unserer Tour anhalten müssen und wieder den Auslöser der Kamera betätigen. Denn an jeder Ecke warten neue Motive, die entdeckt und festgehalten werden wollen. Nie zuvor war ich auf 5000 Metern Höhe und um mich herum bilden sich Monster an Bergmassiven ab. Es sind die höchsten Berge der Welt. Und ich darf sie bestaunen. Fast zum Greifen nah. Als ich das erste Mal Mount Everest, Lhotse und Ama Dablam in ihrer vollen Pracht sehe, treibt es mir die Tränen in die Augen. Diesen Anblick, die Erhabenheit der Bergmassive - das werde ich nie wieder vergessen.

Yaks in Nepal

Das Mount Everest Base Camp als Highlight

Natürlich bin ich stolz, dass ich es bis ins Mount Everest Base Camp geschafft habe. Ohne Probleme mit der Höhe, ohne krank zu werden und ohne große Beschwerlichkeiten. Doch noch viel beeindruckender sind die Eindrücke, die davon zurückbleiben. Sowohl in meinem Herzen, als auch in meinen Bildern. Einem der größten Gletscher der Welt so nah zu kommen.

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Die Zeltstadt der Everest-Besteiger aus nächster Nähe betrachten zu können. Und das alles bei schönstem Sonnenschein am Morgen - was will man mehr. Die Erfahrung dort angekommen zu sein, kann ich immer noch nicht so recht verdauen. Ich glaube, das muss erstmal langsam sacken. Ich war schließlich an einem Ort, den bekannte Menschen wie Reinhold Messner bisher betreten haben. Sie haben unglaubliches geleistet, als sie auf den Gipfel gingen. Die Bilder werden für immer auf meiner Synapsen-Festplatte gespeichert sein. Die Eindrücke von Natur, Kälte und Leuten vor Ort lässt mein Herz schon wieder höher schlagen, wenn ich dran denke. Nepal hat mich wirklich überrascht.

Everest Base Camp

Überraschung Nepal

Dass ein Land so schöne Wege, Berge und den dazu passenden Spirit scheinbar mühelos kombiniert, hat mich wirklich überrascht. Natürlich hat mich die bittere Kälte jeden Abend genervt - wobei uns die Guides versichert haben, dass wir Glück und einen sehr milden März erwischt hatten. Dennoch ist dieses Land so besonders, einzigartig und wertvoll, dass das sicherlich nicht meine letzte Reise war. Im Flur in München hängen schon die Gebetsfahnen aus Kathmandu und die erstandene Yak-Glocke ziert die Küche. Wir haben uns ein paar Stücke aus Nepal mitgebracht, damit wir die tolle Stimmung, die wir erfahren durften, noch länger im Herzen und vor allem im Kopf bewahren. Nepal, du hast mich verzaubert. Einfach so. Danke!

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