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Schmerzfreie Zahnbehandlung ohne Betäubung?

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DENTIST
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Schätzungen zufolge leidet jeder zehnte Deutsche unter einer Zahnbehandlungsphobie. Weitaus mehr Patienten haben ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube, wenn die Wurzelbehandlung oder die Zahn-OP näher rückt. Das wäre vielleicht anders, wenn sie wüssten, dass die Zahnbehandlung sogar ohne Betäubung schmerzfrei sein kann - wenn Hypnose im Spiel ist.

Die Hypnose ist längst in der Medizin angekommen: Ohne ihre Patienten in Vollnarkose zu versetzen, entfernen Chirurgen Schilddrüsen, behandeln Brustkrebs oder implantieren Hirnschrittmacher. Vor allem Frankreich und Belgien sind Vorreiter auf diesem Gebiet. In Deutschland sind es die Zahnarztpraxen, die immer häufiger mit wissenschaftlich fundierter Hypnose arbeiten.

Hypnose in der Zahnmedizin

Vor allem Patienten mit Zahnbehandlungsangst profitieren von der Hypnose, denn so machen viele Betroffene erstmals positive Erfahrungen auf dem Zahnarztstuhl. Aber auch Patienten, die eine lange Behandlung angenehmer gestalten möchten oder zu Würgereiz neigen, entscheiden sich immer häufiger für die Hypnose. Sie führt bei 90 Prozent der Patienten zum Erfolg.

Wie Hypnose funktioniert

Hypnose hat nichts mit Hokuspokus zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um ein in der Zahnmedizin anerkanntes Verfahren, das bereits mehr als 3000 deutsche Zahnärzte zum Wohl ihrer Patienten einsetzen.

Dieses Verfahren funktioniert vor allem deshalb, weil jeder Mensch über die zwei wesentlichen Voraussetzung verfügt, um in Trance zu gehen: tiefe Atmung und Phantasie.

Ablauf einer Hypnosesitzung

Zahnärztliche Hypnose kommt ganz ohne Pendel aus. In einem fast beiläufigen Gespräch hilft der Zahnarzt seinem Patienten dabei, in einen anderen Bewusstseinszustand zu wechseln. Tranceartige Zustände kennt jeder, der sich schon einmal beim Tanzen, Fußballschauen oder bei der Lektüre eines spannenden Romans selbst vergessen hat.

Tief zu atmen, hilft dem Patienten, sich zu entspannen und seine Konzentration nach innen zu richten. Dann schickt ihn der Zahnarzt auf eine Phantasiereise: Der Patient lässt schöne Bilder vor seinem inneren Auge entstehen und begibt sich an einen Wohlfühlort, an dem er sich gut entspannen kann. Welche Suggestionen der Zahnarzt wählt, hängt von den Vorlieben des Patienten ab. Nach und nach verblasst die Außenwelt, bis der Patient schließlich einen Zustand tiefer Trance erreicht.

Drei Stufen der Trance

In leichter Trance werden Pulsschlag und Atmung langsamer, der Patient fühlt sich schläfrig. Bei der mittleren Trance geht der Patient ganz in seiner Phantasie auf und bemerkt kaum noch, was um ihn herum geschieht. Die dritte Stufe der Trance dagegen ist wie ein tiefer Schlaf, in dem der Patient keine Schmerzen mehr wahrnimmt.

Wie tief die Trance letztlich ist, hängt vor allem davon ab, wie gut sich der Patient fallen lassen kann. Viele Patienten erzählen, dass die Zeit wie im Flug verging, und fragen ganz überrascht, ob die Behandlung schon zu Ende sei.

Hypnose statt Narkose?

In tiefer Trance ist eine Anästhesie nicht oder nur reduziert notwendig. Manche Patienten berichten davon, überhaupt keine Schmerzen gespürt zu haben, andere nehmen entsprechende Reize zwar wahr, fühlen sich dadurch aber nicht gestört. Für eine sichere Schmerzausschaltung rein über die Hypnose gibt es die sogenannte Hypnoanästhesie. Der Verzicht auf eine Lokalanästhesie ermöglicht es zum Beispiel, Zahnbehandlungen auch in der Schwangerschaft durchzuführen, ohne dem Ungeborenen zu schaden.

In vielen Fällen ist die Trance allerdings nicht tief genug, um den Schmerz ganz auszublenden. Auch um auf Nummer Sicher zu gehen, betäuben die meisten Zahnärzte den Mund ihrer Patienten leicht.

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