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Die Obdachlosenheime platzen aus allen Nähten: Selbst reiche Städte wie München geraten ans Limit

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BAHNHOFSMISSION
Fabrizio Bensch / Reuters
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Wer an München denkt, hat das Bild einer reichen und schicken Stadt vor Augen. Das entspricht auch Realität - zumindest an der Oberfläche.

Darunter liegen Armut, überfüllte Notunterkünfte und extreme Wohnungsnot. München wächst - und damit wachsen auch die Probleme. In meiner Arbeit bei der Bahnhofsmission bekomme ich das hautnah mit.

Alle wollen in die reiche Stadt und viele landen auf der Straße

Auf der Suche nach Arbeit strömen immer mehr Menschen in unsere Stadt, die in den vergangenen Jahren so unverhältnismäßig teuer geworden ist.

Damit sich diese Menschen eine vernünftige Wohnung leisten können, müssen sie schon einen festen und gut bezahlten Job haben.

Menschen, die aufgrund persönlicher Lebensumstände nicht die nötige Energie aufbringen können, weniger gebildet sind, oder einfach keinen so gut bezahlten Job finden, bleiben zurück.

Mehr zum Thema: Frau aus Erfurt spricht Obdachlosen an - dann sagt er etwas, das uns allen zu denken geben sollte

Außer uns kümmert sich in der reichen Stadt kaum jemand um sie. Wir versuchen, in akuten Notlagen zu helfen, wenn die Menschen zu uns kommen.

Viele Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, wenig verdienen und oftmals noch um ihren Lohn geprellt warden, haben keine Ansprüche im städtischen Hilfssystem.

Wenn die Heime voll sind, müssen die Obdachlosen in Pensionen

Oft müssen wir die Bedürftigen wieder wegschicken, ohne ihnen einen Schlafplatz geben zu können.

Die Bahnhofsmission bietet seit ihrer Gründung einen Schutzraum für Frauen mit Kindern. Bis zu acht Frauen schlafen jede Nacht bei uns.

Frauen und Kinder schicken wir niemals weg. Schließlich sind sie auf der Straße noch viel hilfsbedürftiger als Männer.

Manchmal gehen wir dazu in Vorkasse und mieten den Frauen ein Zimmer in einer Pension. Finanziert wird das oftmals aus Spendengeldern. Sie wissen: Dort steht die Türe 24 Stunden offen.

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Miethaie nutzen die Situation der Hilfbedürftigen aus

Im Kontakt mit den Bedürftigen bekommen wir mit, was gerade so in der Stadt passiert. Aus den Gesprächen weiß ich: Auf dem Münchner Wohnungsmarkt läuft einiges sehr falsch.

Mehr zum Thema: Ich hatte einen Job und eine Familie - dann verlor ich alles und landete auf der Straße

Miethaie bieten renovierungsbedürftige Wohnungen an, in denen man nicht mehr leben kann, ohne gesundheitliche Schäden davon zu tragen.

Ihnen das Handwerk zu legen, ist die Aufgabe der Politik.

Auch die Ärmsten verdienen einen Schlafplatz

Wir von der Bahnhofsmission versuchen derweilen, uns um die Opfer der Wohnungssituation zu kümmern.

Wir sind gut vernetzt, arbeiten mit Notunterkünften und sozialen Einrichtungen zusammen und versuchen so, eine Auffangnetz zu bilden, durch das selbst die Schwächsten unserer Gesellschaft nicht hindurch rutschen.

Denn wir glauben: In einer so reichen Stadt, müssen auch die Armen wenigstens einen Schlafplatz haben.

Das Gespräch wurde von Franziska Kiefl aufgezeichnet.

So ist die Situation der Obdachlosen in deutschen Großstädten

Der Verband der Wohnsitzlosen geht davon aus, dass 2017 400.000 Menschen in Deutschland ohne Obdach sind- im Jahr 2010 waren es noch halb so viele

Die Bundesregierung spricht von 29.000 Kindern unter den Obdachlosen

Die Häufigsten Gründe für Obdachlosigkeit sind laut Wohnungslosenverbandes unter anderem Arbeitslosigkeit, Finanzprobleme, Trennungen, häusliche Gewalt, Krankheit, Mieterhöhungen, psychische Probleme oder der Tod naher Angehöriger

Allein in München hat sich die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht.

Aktuell gelten dort 7500 Menschen als wohnungslos. 500 von ihnen schlafen auf der Straße.

Die Stadt hat in den vergangenen Jahren auch die Zahl der Betten in Notunterkünften auf 5500 verdoppelt.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der HuffPost zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.

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(rn)