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An die asoziale Frau in der Tankstelle: Du solltest dich schämen!

06/12/2017 10:54 CET | Aktualisiert 06/12/2017 14:11 CET

Du solltest dich wirklich schämen! Deinen Auftritt, den du diese Woche in einer Münchner Aral-Tankstelle hattest, werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Er hat mir gezeigt, wie asozial viele Menschen sind.

Du bist einer von diesen Menschen.

Es war ein Montag gegen 20.30 Uhr, ich war gerade auf dem Heimweg von der Arbeit. Wie immer kam ich auch an diesem Tag an der Aral-Tankstelle vorbei. Ich wollte mir noch schnell eine Packung Kaugummi und eine Cola kaufen.

Oben im Video: Die Autorin schildert ihre Erinnerungen an den Abend

Aber das EC-Gerät an der einzigen geöffneten Kasse war anscheinend defekt. Die Mitarbeiterin der Tankstelle gab ihr Bestes - obwohl hinter dem aktuellen Kunden, der nur mit Karte zahlen konnte, mittlerweile acht andere Menschen in der Schlange standen. Die Laune der Wartenden war schlecht. Auch bei mir.

Mir war kalt, ich fühlte mich nicht gut, nichts ging voran und ich wollte einfach nur nach Hause. Ich dachte, schlimmer kann es echt nicht mehr werden. Dann kamst du.

Du stiegst mit deinen hohen Schuhen und deinem Täschchen aus deinem Taxi aus, gingst in die Tankstelle und direkt den Gang zu den Getränken durch.

Sogar dein Begleiter schämte sich für dich

Auf einmal knirschte es unter deinen Füßen, die wartende Menge drehte sich in deine Richtung. und dein großer Auftritt begann.

Wütend schriest du in die Menge: "Was ist das hier für ein Dreck?! Wieso macht hier niemand die Scherben weg? Ich hätte mich verletzen können!"

Wir, die anderen Besucher der Tankstelle, schauten uns ratlos an. Nicht sicher, was wir tun, wie wir auf deine Wut reagieren sollten. Die Mitarbeiterin kämpfte noch mit dem EC-Terminal. Sie ahnte nicht, dass sie dein nächstes Ziel sein wird.

"Bist du behindert, du dumme Schlampe?", fragtest du sie. "Warum machst du den Mist hier nicht weg?"

Dann schaltete sich dein Begleiter ein, der bislang still hinter dir stand. Er schämte sich für dich, du schienst das aber nicht zu bemerken. Sein Blick, der durch die Menge ging, war eindeutig: Er sollte deutlich machen, dass du das nicht so meinst. Wirklich glauben konnte ich das nicht.

Die anderen schauten beschämt auf den Boden.

Wir anderen blieben ratlos zurück

Irgendwann zogst du wütend ab, ohne etwas gekauft zu haben. Du stiegst wieder in dein Taxi, das auf dich gewartet hatte und warst weg. Wir anderen blieben ratlos zurück.

Ich hätte gerne noch mit dir geredet. Dich gefragt, wieso du so wütend bist auf dich und die ganze Welt. Ich hätte dir gerne gesagt, wie asozial dein Verhalten war. Dass es keinerlei Rechtfertigung dafür gibt, die arme Tankstellen-Mitarbeiterin so fertigzumachen.

Ich habe schon oft mit der Mitarbeiterin an der Tankstelle gesprochen. Nicht nur einmal ist mir in den Gesprächen klargeworden, was sie Tag für Tag über sich ergehen lassen muss.

Sie arbeitet zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie muss sich oft anfeinden lassen: Von betrunkenen Jugendlichen, die es cool finden, andere Menschen dumm anzureden. Von Autofahrern, die ihre Wut auf den Spritpreis an ihr auslassen und von Kunden, deren Bargeld nicht ausreicht. Als wäre all das die Schuld einer Arbeitskraft.

Obwohl sie selbst nicht viel verdient, gibt sie dem Obdachlosen aus der Seitenstraße oft eine Breze und einen Kaffee, wenn er in die Tankstelle kommt. Natürlich von ihrem eigenen Gehalt.

Und du hast nichts Besseres zu tun, also so eine Frau so fertig zu machen und mit Beleidigungen um dich zu schmeißen?

Natürlich wusstest du nicht, wie viel sie arbeitet und wie sozial sie ihrem Umfeld gegenüber ist. Bei keinem Fremden kannst du wissen, wie seine Lebensumstände sind.

Trotzdem solltest du jeden mit Respekt behandeln. Vor allem, wenn es so einfach ist wie in der Tankstelle am Montagabend: Du hättest einfach nur nach einem Besen fragen und den Dreck entfernen können. Anstatt dich wie ein Arschloch aufzuführen.

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(jds)

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