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Liebe Eltern, es wundert mich gar nicht, dass eure Kinder zu Weicheiern werden

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Liebe Eltern,

Eigentlich wollte ich neulich nur meine Nichte von der Grundschule abholen. Doch dann sah ich euch. Und das hat mich ratlos gemacht.

Vor dem Schultor standet ihr, aufgereiht wie Teenager, die auf ihren Star warten. Eure Gel├Ąndew├Ągen habt ihr auf dem Gehweg geparkt. Damit Max und Sophie auch blo├č keinen Schritt zu viel gehen m├╝ssen. Immerhin sa├čen eure Kinder sechs Stunden in der Schule.

F├╝r Kinder, die allein nach Hause gehen mussten, hattet ihr nur einen mitleidigen Blick ├╝brig. Denn euer Max oder eure Sophie m├╝ssten nie zu Fu├č nach Hause geben. NIEMALS.

Im Video oben: So verziehen Eltern ihre Kinder

Vielleicht sind diese Kinder ihren Eltern aber auch egal, habt ihr gemutma├čt. Wieso sonst sollte man seinem Nachwuchs etwas derart Schreckliches antun?

Und sollte euer Kind doch mal zu Fu├č in die Schule gehen m├╝ssen - weil ihr zum Yoga m├╝sst - dann gibt es doch auch andere M├Âglichkeiten. Anstatt das Kind mutterseelenalleine loszuschicken.

Zum Beispiel einen Schulwegbegleiter. Der sitzt an Bushaltestellen, holt euren Nachwuchs ab und bringt ihn in die Schule. Und Retour. Was f├╝r ein Service! Und das Beste: ihr m├╝sst daf├╝r nicht einmal etwas bezahlen, denn Schulwegbegleiter werden oft von der Schule finanziert.

Geld, das auch in die Bildung eurer Kinder h├Ątte investiert werden k├Ânnen.

Viele von euch werden sich jetzt auch denken: "Ich will doch nicht, dass ein Fremder mein Kind begleitet. Was da alles passieren kann."

Aber auch f├╝r diese unter euch gibt es eine Option: den Schulwegplaner. Dort k├Ânnt ihr eurem Kind den sichersten Weg erstellen - ganz leicht online. Und sollte es dennoch mal in eine gef├Ąhrliche Situation kommen, kann es in einem Gesch├Ąft, das auf dem Schulweg liegt, Schutz suchen.

Allerdings nur in Gesch├Ąften, die einen Notinsel-Aufkleber vor dem Eingang haben. Ist ja eh klar. Ansonsten k├Ânnte euer Nachwuchs ja einfach so in einen Laden gehen und der ahnungslose Mitarbeiter m├╝sste sich darum k├╝mmern. In einer Notsituation. Das macht ja keiner gerne.

Ihr merkt selbst, wie l├Ącherlich das ist, oder?

Sogar die Polizei und der ADAC haben euch schon gewarnt. Denn: Oft seid sogar ihr es, die die Sicherheit vor den Schulen massiv beeintr├Ąchtigen. "Je mehr Eltern ihre Kinder zum Unterricht fahren, desto mehr leidet auch die Verkehrssicherheit vor der Schule", schreibt der ADAC in einer Pressemitteilung. Ihr sollt Schulbusse blockieren und oftmals gef├Ąhrliche Wendeman├Âver starten.

Die Bochumer Polizei hat die Eltern, "die ihre Kinder am liebsten ins Klassenzimmer fahren w├╝rden", kritisiert. Und ihnen die Frage gestellt: Wollt ihr eure Kinder sp├Ąter auch an die Uni fahren?

Das w├╝rdet ihr wahrscheinlich am liebsten machen. Zu gro├č ist eure Angst, dass euer Kind ohne euch nicht klarkommt.

Mathias Voelchert, der Gr├╝nder der Familienseite familylab.de, hat diese Entwicklung bei Eltern ebenfalls beobachtet. Und steht ihr kritisch gegen├╝ber.

Liebe ist nicht gleich Kontrolle

"Immer mehr Eltern trauen ihren Kindern immer weniger zu", sagt Voelchert: Das kann die Entwicklung eines Kindes negativ beeinflussen. "Von den Eltern ist es gut gemeint, es f├╝hrt aber nicht dazu, dass Kinder selbstst├Ąndig werden".

Liebe werde zu oft mit Kontrolle verwechselt. Auch Eltern k├Ânnen unter ihrer eigenen Erziehungsmethode dauerhaft leiden: "Ich denke nicht, dass Kontrolle der richtige Weg ist. Das tut auch den Eltern nicht gut", erkl├Ąrt Voelchert.

Voelchert betont aber: "All das ist nat├╝rlich nicht zu pauschalisieren. Es gibt Kinder, die brauchen mehr Betreuung auf dem Schulweg, andere nicht."

Aber, liebe Eltern, woher wollt ihr wissen, was euer Kind alles kann? Wenn ihr ihm nie etwas zutraut. Es mit eurer F├╝rsorge erstickt.

Ich wei├č, was meine Nichten k├Ânnen. Das wird mir jeden Tag bewusst, an dem ich sie sehe. Wie damals an der Schule, als ich sie abgeholt habe.

Wisst ihr, was eure Kinder k├Ânnen?

Ich w├╝nsche mir, dass sie meine Nichten keine Angst vor allt├Ąglichen Dingen haben. Dass sie einmal alleine in die Uni oder ins Kino gehen k├Ânnen. Weil ich mir w├╝nsche, dass sie zu selbstbewussten, starken Frauen heranwachsen.

Die sich selbst etwas zutrauen.

Selbst wenn sie einmal hinfallen, werden sie dann auch wieder aufstehen. Sie werden sich selbst ausprobieren.

Meine Schwester hat den Grundstein gelegt.

Euch w├╝nsche ich, dass ihr das selbe tut. Damit eure Kinder nicht zu Weicheiern werden. Denn derzeit sieht es schlecht f├╝r sie aus.

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