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Jetzt wieder im Angebot : "Gratis Sauna Wochen" bei der Deutschen Bahn AG !

04/07/2015 13:24 CEST | Aktualisiert 04/07/2016 11:12 CEST
roboriginal via Getty Images

Bereits am späten Vormittag zeigte das Thermometer heute in München 31 Grad. Ich war erst auf die letzte Minute zum Zug gekommen und daher erleichtert, dass noch eine große Menschentraube vor dem Intercity wartete. Beim Näherkommen sah ich, dass sich die Passagiere an den Türen zu schaffen machten, je nach Temperament zögerlich oder wütend, aber keine der beiden Varianten war von Erfolg gekrönt. Keine der Türen ließ sich öffnen und deshalb standen alle Fahrgäste noch am Bahnsteig, obwohl laut Fahrplan bereits in einer Minute Abfahrt sein sollte.

Wie so oft bei der Bahn war niemand zur Stelle, der Auskunft geben konnte. Ansage hatte es auch keine gegeben, jedenfalls hatten weder ich noch die anderen Reisenden eine gehört und so standen wir ratlos in der Gluthitze, lasen zum zigsten mal den Text der Anzeige, die den Zug als den Richtigen auswies und diskutierten die kundenorientierte Organisation der Bahn.

Ziemlich zeitgleich mit der Entdeckung, dass winzig klein auf der Anzeigentafel ein neues Gleis angeschrieben stand, erschien eine sichtlich gestresste Bahnmitarbeiterin und winkte die Wartenden zum Nachbargleis, wo ein neuer Zug bereit stehen sollte.

Dort war gerade Schichtwechsel bei den Zugbegleitern, die ihre Kollegen mit den Worten "na dann viel Spaß heute" verabschiedeten. Irgendetwas an der Art, wie sie "viel Spass" wünschten, irritierte mich, aber ich vergaß es gleich wieder, denn ich freute mich auf ein kühles Glas Wasser, auf eine geruhsame Rückreise und vor allem auf die Klimaanlage.

Im Zug war es brütend heiß, die Luft verbraucht und stickig und in kürzester Zeit war nicht nur ich schweißgebadet. Ein Blick auf die anderen Passagiere ließ vermuten, dass es allen so erging. Aus der Klimaanlage pustete nur ein warmes Lüftchen, die Fenster waren nicht zu öffnen und so langsam dämmerte mir, was die Zugbegleiter mit ihrer Bemerkung bei der Übergabe gemeint haben könnten.

Bei der Fahrkartenkontrolle fragte ich die Zugbegleiterin, ob der Lokführer wüsste, wie heiß es in den Abteilen ist. "Ja", war die kurzangebundene Antwort und damit war das Thema erschöpfend behandelt. Sie verschwand ohne jede weitere Erläuterung und ich war zu verdutzt um nachzuhaken. Dann war lange Zeit niemand mehr vom Personal zu sehen.

Die Hitze wurde beständig unerträglicher. Kinder weinten, manche Passagiere schliefen erschöpft, die meisten sahen aus, als wären sie auf einer Schaumparty gewesen, einer ziemlich lausigen allerdings, so desolat wie sie alle in den Sitzen hingen. Langsam bekam ich Atemprobleme, aber vor allem war ich wütend.

Als das nächste Mal ein Zugbegleiter vorbeikam, fragte ich ihn, wo ein Thermometer sei, weil ich gerne genau wüßte, bei wieviel Grad wir gerade durchgegart werden. Er überhörte die Ironie und antwortete : " 25 Grad ". "25 Grad ?" Ich fühlte mich veralbert, rollte nur mit den Augen, wischte demonstrativ eine Schweißperle von der Wange und deutete wortlos auf das Gebläse über uns, aus dem nur warme Luft kam, ungefähr wie ein Föhn auf Mittelstufe, nicht so viel Luft aber so heiß .

Er setzte nach : "...jedenfalls speist die Klimaanlage 25 Grad ein. Hier ist es natürlich etwas wärmer. Die Klimaanlagen sind nur auf Außentemperaturen bis 32 Grad eingerichtet, mehr schaffen sie nicht".

"Mehr schaffen sie nicht ? Soll das ein Witz sein ? Gerade dann, wenn man eine Klimaanlage braucht müssen die Leute bei geschlossenen Fenstern die Bullen Hitze aushalten, oder wie ist das gedacht?" mischte sich nun der Fahrgast neben mir ärgerlich in die Unterhaltung ein, ein Geschäftsmann mit hochrotem Kopf, der bereits Krawatte und Hemd abgelegt hatte und der offen gesagt nicht mehr so aussah, als könnte er heute noch zu einem Geschäftstermin antreten.

"Mehr kann ich jetzt auch nicht tun" murmelte der sichtlich überforderte Zugbegleiter und verschwand Richtung Zugbegleiter-Abteil. Fast tat er mir ein bisschen leid, aber nur fast, denn es wäre nun einmal sein Job gewesen, die Reisenden angemessen aufzuklären, warum sie gerade bei lebendigem Leib gegrillt wurden, darauf aufmerksam zu machen, daß die Fenster über Sonnenschutz verfügen, Getränke zu verteilen und die Türen der Abteile für etwas Durchzug zu öffnen.

Ich folgte dem Beispiel der anderen, legte an Kleidung ab, was irgendwie entbehrlich war und um die Atemprobleme etwas zu mildern, versuchte ich es mit Meditation.

Aber zwischen die Bilder von kalten Gletschern und eisigen Seen drängten sich hartnäckig Gedanken an all die gepeinigten Tiere, die jeden Tag zu Tausenden in den Viehtransportern über die Autobahn rollen, auch heute, bei glühender Hitze. Ohne Wasser, das sie auch auf langen Strecken nicht erhalten, eingepfercht, angekettet und schrecklich durstig. Fast meinte ich, das Wimmern der Tiere aus den Waggons zu hören, aber es waren die beiden Kleinkinder im Abteil, die sich von ihren Müttern kaum noch beruhigen ließen, was ich ihnen gut nachfühlen konnte. Ich hätte am liebsten eine Runde mitgeweint , so unerträglich war die Hitze.

Zur Ablenkung fischte ich mein Handy aus der Tasche und suchte die Seite der Deutschen Bahn AG auf Facebook. Dort gibt es zur Zeit einen Wettbewerb unter dem Motto "Zukunft ativ gestalten".

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..Heute startet die DB Innovation Challenge, ein Innovationswettbewerb für Großunternehmen, den Mittelstand und kleine Unternehmen sowie Start-ups und die Wissenschaft. Dabei suchen wir nach Ideen, die die Bahnwelt verändern, etwa zur Verbesserung der Instandhaltung von Zügen oder der technischen Anlagen in unseren Stationen...

Meine aktuelle Bahnwelt hätte ich nur zu gern verbessert. Also schrieb ich grimmig:

"Bei einer Temperatur in den Abteilen weit über 30 Grad und stickiger Luft zum kollabieren, erinnert der Komfort doch ein wenig an Viehtransport.... dazu genervte und unfreundliche Mitarbeiter! Fahrt einfach mal selbst mit Euren Zügen, dann kommen die Ideen für nötige Innovationen von ganz alleine. Versprochen!

Während ich den Facebook Beitrag verfasste, teilte eine Zugbegleiterin kommentarlos lauwarme 0.25 l Tetrapacks Wasser an die Passagiere aus. Nach wie vor kein Wort der Entschuldigung über das Versagen der Klimaanlage, keine Ansage des Zugführers. Dafür aber eine überaus freundliche und schnelle Antwort der Bahn AG auf Facebook:

"... wir verstehen, dass Sie sich darüber ärgern. Das ist auch mehr als verständlich. Bei diesen Temperaturen ist eine Fahrt mit nicht funktionierender Klimaanlage wahrlich kein Vergnügen - ganz im Gegenteil. Ich kann Ihnen versichern, dass unsere Kollegen in den Werken und an Bord der Züge alles tun, um die die Anlagen schnellstmöglich wieder instand zu setzen.

Denn es kann trotz aller Maßnahmen, die wir in den letzten Jahren ergriffen haben, um die Klimaanlagen zu stabilisieren, zum Ausfall von zwei bis drei Prozent kommen. Das gilt übrigens genauso für andere Verkehrsträger. Offenbar haben Sie das Pech, in einem Zug zu sitzen, in dem das passiert ist. Wir bedauern das wirklich sehr und entschuldigen uns, dass Ihre Fahrt so verlaufen ist. Beste Grüße!

Offensichtlich funktioniert bei der Bahn einzig die Public Relations Abteilung einwandfrei. Sollten sie es jemals schaffen, auch den Service, die Wartung, die Personalschulung und die Einhaltung der Fahrpläne in den Griff zu bekommen, könnte man tatsächlich erwägen, wieder einmal mit der Bahn zu reisen...also notfalls ;-)

Als ich nach zwei Stunden endlich aussteigen konnte , zwei Stunden, die mir vorkamen wie zwei Jahre, fühlten sich die 35 Grad am heimischen Bahnhof an, wie eine frische Brise und die eisige Luft der Klimaanlage im Auto, wie ein Geschenk des Himmels

. ...Thank you for travelling, liebe Deutsche Bahn AG, aber : Gemischte Sauna war noch nie mein Ding und den nächsten Kreislauf Belastungstest würde ich dann doch lieber wieder unter Aufsicht eines Arztes durchführen und nicht im zur Sauna gewordenen Abteil eines ICE´s.


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