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Das Kichern der Ratten...wen interessierts?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
RATS ANIMAL TEST
Portland Press Herald via Getty Images
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...wen interessierts, dass Ratten liebevolle Tiere sind, die lebenslange Freundschaften eingehen?

...wen interessierts, dass sie schlau und erfinderisch sind und dass sie kichern, wenn sie Spaß haben?

...wen interessierts, dass Ratten genau wie Hunde und Katzen gute Mütter sind und jederzeit ihre eigene Sicherheit für den Nachwuchs aufs Spiel setzen?

...wen interessierts, dass Ratten auf angebotene Leckerbissen verzichten und lieber zu Hilfe eilen, wenn ein Artgenosse in Gefahr ist?

...wen interessierts, dass Ratten sogar Mimik erkennen können?

Sensible und hochintelligente Tiere



Die sensiblen und hochintelligenten Tiere werden als derart unwichtig erachtet, dass sie in vielen Ländern durch keinerlei Gesetze geschützt sind. Selbst innerhalb der europäischen Union ist es noch immer legal, sie zu vergiften, zu verbrühen, zu verstümmeln, sie unsäglichem Leid auszusetzen. Warum? Weil es leider niemanden interessiert.

Wer sich ein wenig mit dieser Spezies beschäftigt weiß, dass die kleinen Nager unglaublich intelligent, sozial und sensibel sind, weit entfernt von ihrem Image als Ekeltier, das ihnen hartnäckig anhaftet.

Ratten gehören zu den intelligentesten Heimtieren, sie werden rasch zahm und sind sehr menschenbezogen. Sie verfügen über ein hoch entwickeltes Sozialsystem und ein breites Repertoire an Lautäußerungen (für Menschen nicht hörbar). Der unbehaarte Schwanz unterstützt die Regelung der Körpertemperatur und dient beim Klettern zur Balance.

Zusammenhalt und Familienleben

Ratten sehen nicht besonders gut, dafür sind Tast-, Geruchs- und Gehörsinn hervorragend ausgebildet. Sogenannte „Tasthaare" an der Schnauze und über den Augen ermöglichen eine ausgezeichnete Orientierung, auch im Dunkeln. Das feine Näschen ortet Nahrung über große Entfernungen. Auch Rudelmitglieder erkennen sich am Geruch und das eigene Revier wird mit Duftspuren markiert. Ratten können mit ihren beweglichen Ohren selbst noch Töne hören, die im Ultraschallbereich liegen.

Am glücklichsten fühlen sich die sozialen Nager in der Gruppe, denn Ratten haben einen ausgeprägten Sinn für Zusammenhalt und Familienleben. Einzelhaltung ist daher nicht artgerecht. Untereinander herrscht eine strenge hierarchische Ordnung. Um Konflikte zu lösen oder schon im Vorfeld zu vermeiden, verfügen Ratten über ein reichhaltiges Repertoire an Verhaltensformen und Lautäußerungen. Der Nachwuchs wird gemeinsam großgezogen und Gruppenkuscheln und die hingebungsvolle Fellpflege untereinander, ist eine der beliebtesten Beschäftigungen.

Ratten lachen

Ratten können sogar lachen. Wenn sie als junge Tiere miteinander spielen, dann stoßen sie in schneller Folge hohe Pfeiftöne aus. Ihr Lachen signalisiert Artgenossen, dass es sich um ein Spiel handelt. Neben Primaten sind Ratten die einzigen Tiere, bei denen Lachen nachgewiesen worden ist. Die Nager lassen sich von vertrauten Menschen sogar gern spielerisch kitzeln, und auch dann piepsen sie freudig in 50-kHz-Tönen.

Werden die sensiblen Nager jedoch in Käfige gesetzt und für Tierversuche missbraucht, können sie sich einsam fühlen, Angst haben und depressiv werden.

Genau wie Menschen und alle anderen Tiere spüren auch Ratten Schmerz. Etwas 90 Prozent aller Tiere, die weltweit zu invasiven Tierversuchen missbraucht werden, sind Mäuse und Ratten. Das bedeutet, dass Millionen von ihnen aufgeschnitten werden oder grausame Operationen ohne Schmerzmittel erleiden müssen.

„Ideales" Testobjekt

Da Ratten unfähig sind sich zu erbrechen, gelten sie als „ideales" Testobjekt für giftige und ätzende Substanzen. Sie werden skrupellos benutzt, um an ihren Körpern und Organen zu experimentieren. Ratten werden bei grausamen Versuchen und Sicherheitsprüfungen als Messinstrumente missbraucht oder zur Aus- und Weiterbildung sinnlos gequält und getötet.

Meist erhalten sie keinerlei tierärztliche Versorgung und man lässt sie dann in überfüllten, dreckigen Laborkäfigen elend dahinvegetieren und sterben.

Es ist längst bekannt und wissenschaftlich erwiesen, dass Ratten Schmerz, Angst, Einsamkeit und Freude empfinden können, genau wie wir Menschen. Die sozialen Tiere haben je nach Gefühlslage verschiedene Gesichtsausdrücke und kommunizieren über Laute, die das menschliche Ohr nicht hören kann.

Doch obwohl sie Schmerz spüren und genau wie Hunde oder Katzen leiden, erwiesenermaßen intelligent und mitfühlend sind, werden sie am häufigsten für Tierversuche eingesetzt. Sie sind ein billiges „Abfallprodukt" und bei Tierversuchen das Lebewesen der ersten Wahl, wenn es um „medizinischen Fortschritt" oder Entwicklung von kosmetischen Produkten geht.

Übrigens erkennen die Ratten dann sogar den Schmerz ihrer Artgenossen an deren Mimik. Aber wen interessierts?

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