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Das Märchen von der verteufelten Pflanze

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MARIHUANA KING
Marc Piscotty via Getty Images
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In einem fernen Land, wo die Menschen gerne glaubten, was ihnen Lobbyisten und Marktschreier erzählten, wuchs einst eine magische Pflanze. Diese Pflanze verfügte über Heilkräfte, schier unerschöpfliche Nutzungsmöglichkeiten und ihr Genuss schenkte den Menschen Entspannung.

Ihre Vielseitigkeit war so beeindruckend, dass die mächtigen Kaufleute des Reiches fürchteten, ihre eigenen Waren in Konkurrenz mit diesem günstigen Rohstoff nicht mehr vermarkten zu können, zumal es kein Patent für diese Pflanze gab und sie jedermann zur Verfügung stand.

Verknöcherte Moralapostel

Zusammen mit den verknöcherten Moralaposteln des Rates, die dem einfachen Volk keinen verantwortungsbewussten Umgang mit der Pflanze zutrauten, und den Apothekern, die lieber ihre eigenen Drogen verkaufen wollten, beschwerten sie sich beim König, flüsterten ihm allerlei Lügen ein und der Anbau und Besitz der magischen Pflanze wurde schließlich verboten und streng bestraft.

Alle Güter, die einst aus ihr hergestellt worden waren, weil sie schnell wuchs und kostengünstig zu kultivieren war, wurden nun aus anderen Rohstoffen gefertigt, zum Beispiel aus Papier, was für die Wälder des Reiches sehr schlimme Folgen hatte.

Die Kranken, die mit den Blüten der Pflanze ihre Schmerzen gelindert hatten, wurden bestraft und eingesperrt, wenn sie trotzdem heimlich versuchten, ihr Leid damit zu erleichtern.

Die weisen Männer des Reiches durften nicht mehr darüber forschen, bei welchen Krankheiten die Pflanze heilsame Wirkung zeigen könnte, obwohl sie bereits segensreiche Erfolge bei vielen Krankheitsbildern bewiesen hatte und noch unendliches Potential in ihren Blättern und Blüten schlummerte, Potential, das die Heilkunst revolutionieren könnte.

Gefährliche Einstiegsdroge

Um die Untertanen zu blenden, ließ man verbreiten, dass diese Pflanze eine gefährliche Einstiegsdroge wäre, und sehr schädlich. Jeder, der damit ertappt wurde, kam ins Gefängnis oder wurde an den Pranger gestellt. Um seine Untertanen ruhig zu stellen, war der König dafür sehr nachsichtig wenn es um andere Drogen im Reich ging, wie Braugetränke oder Tabakblätter,

Bald gab es einen zwielichtigen Schwarzmarkt. Allerlei übles Gesindel mischte Blei und andere giftige Substanzen unter die reinen Blüten der Pflanze, um den Ertrag zu strecken. Nun war es wirklich gefährlich, von der Pflanze zu probieren, besonders für die Kinder des Königreiches, die neugierig wie alle Jungspunde, den Genuss des Verbotenen erleben wollten. Ihnen verkaufte das Gesindel nicht nur die verderblich gepanschten Blütenextrakte sondern noch weit schädlichere und gefährlichere Substanzen aus den Hexenküchen der Unterwelt.

Obwohl die Blüten der Pflanze noch nie jemanden getötet hatten, das gar nicht vermochten, kam es deshalb immer wieder zu traurigen Ereignissen, weil durch den florierenden Schwarzmarkt unheilvolles Gebräu und Pillen in Umlauf kamen und Menschen starben.

Manche Untertanen wollten sich nicht verbieten lassen, was sie seit vielen Generationen in Maßen und als kleine Freude genossen hatten, sie beschlossen daher, die magische Pflanze selbst anzubauen. Aber die Soldaten durchkämmten im Auftrag des Königs Häuser und Wohnungen, konfiszierten alle Gewächse und die unbescholtenen, braven Handwerker und Arbeiter, Künstler und Studenten des Landes mussten dafür ins Gefängnis. Es war eine sehr traurige Zeit und niemand wagte, gegen diese Ungerechtigkeiten aufzubegehren.

Der Traum des dummen Königs

Eines Tages konnte die Pflanze es nicht mehr ertragen, wie sie zu Unrecht verteufelt wurde und erschien dem König im Traum, erzählte ihm, was er in seiner Verblendung nicht erkannt hatte:

- von den unerschöpflichen und größtenteils noch unerschlossenen Möglichkeiten in der Herstellung
- von günstigen Verbrauchsgütern aus ihrem Rohstoff, der schnell nachwächst,

- von ihren Erfolgen bei der Heilung und Linderung vieler Beschwerden und Schmerzen,

- von ihrer Harmlosigkeit im Vergleich zu anderen berauschenden Substanzen, wie Alkohol und Nikotin, alles Substanzen die töten können, was die magische Pflanze nicht vermag, und die trotzdem überall erhältlich sind,

- von den Kindern und Jugendlichen, deren Wohl viel mehr gefährdet ist, solange es einen unkontrollierbaren Schwarzmarkt gibt, wo die reinen Bestandteile der Pflanze mit giftigen Mitteln gestreckt werden und wo sie mit kriminellem Volk in Berührung kommen, das ihnen Drogen aus der Chemiegiftküche aufschwatzt,

- von dem Heer unbescholtener Bürger, die durch die Willkür des Königs zu Verbrechern gestempelt werden,

- von überfüllten Gefängnissen, dem Personalmangel bei den Soldaten, die viel Zeit mit der Überwachung aller Verbote rund um die Pflanze verbringen müssen,

- von ihren lukrativen Möglichkeiten als Steuerquelle für die leeren Kassen des Königreichs.

An dieser Stelle erwachte der König aus seinem Traum und dachte belustigt, was habe ich da für wirres Zeug geträumt. Wenn die Pflanze all dies könnte, wenn von alledem nur ein Quentchen wahr wäre, dann müsste ich ja der größte Dummkopf des Reiches sein, Cannabis zu verbieten.

Und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute... ohne die Gaben, die ihnen die magische Pflanze Cannabis schenken könnte.

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