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Käsefresser, Hundestreichler und Kampfveganer...Tierschützer unter sich

04/01/2016 18:59 CET | Aktualisiert 04/01/2017 11:12 CET
Eric Crama via Getty Images

Die derzeit erfolgreichste Partei, die sich uneingeschränkt für Tierschutz und Tierrechte einsetzt, dümpelt weiterhin bei ca 1 Prozent der Wählerstimmen vor sich hin. Ein ziemlich dürftiges Ergebnis, wenn man bedenkt, wie viele Menschen allein in der Tierschutz Szene aktiv sind und welches gewaltige Wählerpotential da draußen schlummert, würde man es nur schaffen, alle ins Boot zu holen.

Dieses Vorhaben gestaltet sich schwierig, denn Tierschützer untereinander können selten miteinander.

Deshalb dürfen sich alle Befürworter und Gewinner der Tierausbeutungs -Industrien weiterhin entspannt zurücklehnen. Solange sich Tierfreunde, Tierschützer und Tierrechtler regelmässig in den Haaren liegen, wird ihnen niemand Einhalt gebieten.

Nach wie vor sind diese damit beschäftigt, sich zu definieren, ... festzulegen, wer sich überhaupt für eine Verbesserung stark machen darf, wo die politische Mitte nach links und rechts endet und wer mit wem Bündnisse eingehen darf...oder auch nicht.

Darüber hinaus finden täglich auf irgendeiner Plattform öffentlich ausgetragene Schlammschlachten statt, deren Hintergründe für Nichteingeweihte meist schwer nachvollziehbar sind, die jedoch abschreckend und abstoßend wirken, für alle potentiellen Sympathisanten und Neueinsteiger.

Fast jeder Tierschutz Verein, jede Organisation wird irgendwann verleumdet, angegriffen oder scharf kritisiert, oft genug aus den eigenen Reihen. Bekanntestes Beispiel PETA, eine Organisation, die über die Jahre unstrittig großartige Aufklärungsarbeit geleistet hat und enorm viel für Tiere erreicht, weltweit.

Trotzdem findet sich regelmäßig zu jeder Publikation mindestens ein Kommentator aus der Tierschutz Szene, der sich abschätzig über diese Vereinigung äußert, sich einzig auf deren (vermeintliche ?!) Fehler bei den Kampagnen konzentriert und völlig außer acht lässt, dass er damit dem gemeinsamen Ziel schadet.

Manche Tierschützer haben eine sehr eng gefasste Vorstellung, wie Öffentlichkeitsarbeit auszusehen hat und wer sie leisten darf.

In manchen Kreisen verleiht einzig der vegane Lebensstil die Berechtigung, sich, sagen wir...für Stadttauben, rumänische Straßenhunde oder gegen Pelzindustrie, Tierversuche und Stierkampf stark zu machen.

Nicht-Veganer oder Noch-Nicht-Veganer gelten oft als Tierschützer 2. Klasse. Dafür hat sich sogar ein eigener Jargon entwickelt. "Hundestreichler" was auf den ersten Blick recht nett klingt, ist die abschätzige Bezeichnung für einen Heuchler, der zwar seinen eigenen Hund streichelt aber andere Tiere mordet, und "Käsefresser" wird gerne für Vegetarier verwendet und dient auch nicht unbedingt der Verständigung untereinander.

Dann gibt es die widersprüchlichsten Ansichten zum Thema "Zusammenarbeit mit Konzernen und Tierindustrie".

Darf man ein veganes/tierversuchfreies Produkt bei einem Konzern erstehen, der auch Tierausbeutung betreibt? Darf man Verbesserungen in der Massentierhaltung fordern und fördern oder ist jede Zusammenarbeit Verrat an den Tieren? Wer Diskussionen und Zugeständnisse zu diesen Fragen prinzipiell und in jedem Fall ablehnt, übersieht dabei, dass mit dieser Haltung wichtige Signale für die breite Masse der Endverbraucher verloren gehen.

Wer Tiere liebt und achtet kommt nicht an einem veganen Lebensstil vorbei.

Aber wie viel mehr könnten wir alle erreichen, wenn wir jeden interessierten Tierfreund da abholen, wo er steht, wenn wir jeden Verein, jede Orga so arbeiten lassen würden, wie sie das für zielführend halten?

Welche enorme Macht hätten wir, wenn wir uns alle vereint für die jeweils anstehende Problematik stark machen würden?

Wenn die Taubenretter, die Auslandstierschützer, die gewaltige Liga der Hunde-und Katzenfreunde, die Rattenliebhaber, die Tierbefreier, die Hühnerretter, die Gegner der Massentierhaltung, die Beschützer der Wale und Delfine, ...wenn wir alle gemeinsam ...zum Beispiel gegen Tierversuche marschieren würden...oder gegen Stierkampf, für eine Erneuerung des erbärmlichen Tierschutzgesetzes...die Politik könnte uns nicht mehr ignorieren.

So unterschiedlich die Definitionen von Tierschutz teilweise sind, wir haben viele gemeinsame Ziele und Schnittmengen die uns verbinden, wäre es nicht an der Zeit, sich darauf zu konzentrieren?

Wir sind die einzige Stimme, die die Tiere haben, um endlich auch die breite Masse zu erreichen, denn nur dann wird es Veränderungen geben. Schritt für Schritt.

Lasst alle mitreden...und, ganz wichtig:

...auch wenn uns das unendliche Leid der Tiere oft ungeduldig und zornig werden lässt, einer freundlichen Stimme hört man bereitwilliger zu.

Verzweifelter Delfin legt sich zu Füßen eines Fotografen, um Fischern zu entkommen

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