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Eine Schande fĂĽr die westliche Welt... Ein Brief zum Tod von Dr. Muhammad Waseem Maaz

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Während gerade menschliche Tragödien von unglaublichem Ausmaß einfach ignoriert werden, während bei uns die Bürokratie, realitätsfern und unfähig wie immer, an Lösungen strickt, die keine sind, während der eine Teil der Bevölkerung hier über Luxusproblemen sinniert und der andere Teil in dumpfe Schuldzuweisungen verfällt... kämpfen in Aleppo tapfere und mutige Männer und Frauen. Sie kämpfen Tag und Nacht verzweifelt um Leben, auch um das Leben der Kinder von Aleppo... und sie sind dabei völlig allein gelassen vom Rest der Welt.

Es ist ein Verbrechen was diesen Menschen widerfährt, eine Schande für die westliche Welt und wir sind alle mitschuldig, weil wir nichts unternehmen, weil wir abwarten, hinnehmen oder ignorieren.

Nachfolgender Brief erschien auf Facebook.Ich habe ihn übersetzt weil ich finde, sein Inhalt sollte jedem zugänglich sein, jedem der wissen möchte, was gerade vor den Augen der gesamten Welt passiert. Er wurde von dem Direktor des Kinderhospitals in Aleppo verfasst.

Liebe Freunde,

ich bin Dr. Hatem, der Direktor des Kinder Hospitals in Aleppo.
Letzte Nacht wurden 27 Mitarbeiter und Patienten bei einem Luftangriff auf das Al-Quds-Krankenhaus ganz in der Nähe unseres Hospitals getötet. Mein Freund Dr. Muhammad Waseem Maaz, der qualifizierteste Kinderarzt der Stadt, wurde bei diesem Angriff ebenfalls getötet.

Er arbeitete während desTages bei uns im Kinderkrankenhaus und anschließend verbrachte er die Nacht im Al-Quds-Krankenhaus, unterstützte dort die Notaufnahme.

Dr. Maaz und ich verbrachten täglich sechs Stunden zusammen. Er war immer besonders freundlich, nett und humorvoll, zu Patienten und zu den Mitarbeitern. Er war der beliebteste Arzt in unserem Krankenhaus.

Ich bin jetzt in der TĂĽrkei, und er wollte nach meiner RĂĽckkehr ebenfalls seine Familie dort besuchen, die er vier Monate nicht gesehen hatte.

Aus Hingabe zu seinen kleinen Patienten blieb Dr. Maaz in Aleppo, in der gefährlichsten Stadt der Welt. Krankenhäuser sind oft gezielten Angriffen durch die russische Luftwaffe ausgesetzt.

Wenige Tage bevor Dr. Maaz durch einen Luftangriff ums Leben kam, schlug nur 200 Meter von unserem Krankenhaus entfernt eine Bombe ein. Als der Bombenhagel zunahm, flüchtete niemand sondern das gesamte medizinische Personal eilte ins Erdgeschoss des Krankenhauses um die hilflosen Säuglinge in ihren Inkubatoren zu schützen.

Wie so viele andere wurde Dr. Maaz getötet, weil er versucht hat Leben zu retten. Heute möchten wir Dr. Maaz gedenken, seiner Menschlichkeit und seiner Tapferkeit.

Bitte teilt seine Geschichte damit alle erfahren, womit medizinisches Personal in Aleppo und in ganz Syrien konfrontiert ist.

Die jetzige Situation ist dramatisch - Aleppo wird vielleicht bald belagert. Wir sind darauf angewiesen, dass die Welt uns wahrnimmt.

Danke, dass Sie uns in Ihren Gedanken behalten.

Dr. Hatem

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