Huffpost Germany
Beth Leipholtz Headshot

Ich glaube, ich will lieber keine Mutter werden und das sollte auch in Ordnung sein

Veröffentlicht: Aktualisiert:
501886853
Roberto Westbrook via Getty Images

Ich liebe Kinder total. Oder sagen wir besser: Ich liebe sie, solange ich ihnen am Abend wieder entkommen kann. Und ich denke, das ist absolut in Ordnung.

Und trotzdem reagieren Leute total überrascht, wenn ich ihnen sage, dass ich kein brennendes Verlangen danach habe, einmal eigene Kinder zu haben. Dass mir dieses tief verwurzelte mütterliche Bedürfnis einfach fehlt. Als ob genau das alles wäre, worauf Frauen in ihren Zwanzigern warten und hinarbeiten sollten.

Meistens erhalte ich dann eine von den folgenden zwei Antworten:

"Aber du arbeitest doch mit Kindern. Du kannst doch so gut mit denen. Und du hast vier jüngere Geschwister!"

oder:

"Oh, du wirst deine Meinung schon noch ändern."

Die erste Antwort kann ich noch tolerieren, weil sie ja auch wahr ist. Ja, ich arbeite mit Kindern. Ja, ich kann gut mit ihnen und ja, ich habe vier jüngere Geschwister.

Es ist die zweite Antwort, die mich so ärgert. Ja, vielleicht werde ich meine Meinung ändern. Vielleicht werde ich mich verlieben und diesem Mann ein Kind schenken wollen. Vielleicht werde ich unerwartet schwanger werden und es als mein Schicksal ansehen, dieses Kind zu bekommen. Ich zweifele nicht daran, dass ich mein Kind lieben würde, hätte ich denn eins. Aber dass jemand einfach ankommt und mir erzählen will, was passieren wird, dass ich definitiv meine Meinung ändern werde, weil Frauen nun mal Kinder kriegen und das immer so war und immer so sein wird - das passt mir einfach nicht.

Natürlich habe ich schon darüber nachgedacht, meine Meinung zu ändern. In dieser flüchtigen "vielleicht-wird-mein-Leben-irgendwann-einmal-so aussehen-Art", die meine Generation so perfektioniert hat. Ich denke darüber nach, wenn mir klar wird, wie gerne ich in der Kita arbeite. Ich denke darüber nach, wenn ich ein Baby im Arm halte und seine feinen Gesichtszüge betrachte und seinen gurrenden Lauten lausche. Ich bin nicht herzlos.

Aber wenn ich wirklich darüber nachdenke, ein Neugeborenes - mein Neugeborenes - zu halten, mit Wissen, mindestens die nächsten 18 Jahre für das Schicksal dieses kleinen Menschen verantwortlich zu sein - das ist angsteinflößend. Ich verliere sofort jegliches Verlangen danach, ein eigenes Kind zu bekommen.

Ich sollte nicht das Gefühl haben, mich dafür rechtfertigen zu müssen, aber ich tue es und werde es weiter tun.

Ich denke einfach nicht, dass allein meine Liebe zu Kindern, meine Fähigkeit, sie zu erzeugen, auszutragen und für sie zu sorgen gleich heißen muss, dass ich dazu geboren wurde, Mutter zu sein. Ich möchte nicht meine Zeit und Hingabe für einen Menschen opfern, ihm mein Bestes geben, wenn ich am Ende riskiere, dass er mehr verdient hätte.

Nachdem ich das klargestellt habe, muss ich sagen, dass ich meine Mutter liebe. Sie ist meine beste Freundin und ich weiß es zu schätzen, was sie für uns geopfert hat, um Hausfrau und Mutter sein zu können. Sie hat alles richtig gemacht und um ehrlich zu sein glaube ich nicht, da jemals heranreichen zu können.

Auf eine seltsame Art und Weise liegt es wahrscheinlich an meiner perfekten Kindheit, dass ich selber keine Mutter werden möchte. Ich hatte alles, was ich mir gewünscht habe und würde wahrscheinlich ständig meine Art meine Kinder großzuziehen damit vergleichen, wie ich selber aufgewachsen bin. Ich würde mich unter Druck gesetzt fühlen, meinen Job aufzugeben, um eine bessere Mutter sein zu können - und das würde ich mir nie verzeihen.

Also ja, ich bin deswegen so unschlüssig, ob ich Mutter werden will, weil ich glaube, dass ich nicht gut genug wäre. Kein Kind verdient es, dass man sich nur halbherzig Mühe mit ihm gibt.

Aber es gibt auch andere Gründe. Wie zum Beispiel, dass ich es genieße, auch mal allein zu sein. Nein, ich MUSS auch mal allein sein. Ich kann manchmal egoistisch sein und mich immer an die erste Stelle setzen. Ich kann unzuverlässig sein. Ich lasse mich oft von meinen Gefühlen überwältigen. Ich konzentriere mich auf meine Karriere. Ich bin nie lang genug in einen Mann verliebt gewesen, um eine Ehe geschweige denn ein Kind in Erwägung zu ziehen. Ich kann nicht mal mir selbst drei ausgewogene Mahlzeiten am Tag zubereiten. Ich hasse den Morgen und nehme es jedem übel, der mich vor Neun Uhr aufweckt.

Beim Schreiben habe ich immer und immer wieder bewiesen, dass ich es drauf habe - im Gegensatz zum Eltern-Sein. Dass ich darin gut bin und sogar heraussteche. Warum sollte ich etwas so gutes aufgeben, das mir so viel Spaß bereitet und in das ich so viel Zeit hineininvestiere, um etwas zu tun, bei dem ich mir nicht einmal sicher bin, ob ich es möchte, sondern eher das Gefühl habe, ich sollte es tun, wie Kinder kriegen? Ich sehe da keine Logik.

Ich will einfach nur, dass Leute das akzeptieren und nicht geschockt gucken, wenn ich sage, dass ich nicht notwendigerweise Kinder möchte und mir nicht direkt sagen, dass ich meine Meinung ändern werde.

Klar bin ich erst 21 Jahre alt und meine Argumentation ist vielleicht nicht relevant. Vielleicht werde ich jemanden treffen, mich in ihn verlieben und einen kleinen Menschen zu erschaffen wird sich wie das natürlichste Ding auf der Welt anfühlen. Aber darum geht es nicht.

Es geht darum, dass es Leute nicht schocken sollte, dass manche Frauen nicht von einem Leben mit einem Lebkuchenhäuschen in einem Vorort mit ihrem perfekten Ehemann träumen. Wenn ich alleine in einem gemütlichen Appartement leben möchte, mit nichts als einem Hund, der mir Gesellschaft leistet, dann sollte das genauso akzeptiert werden, wie der "American Dream". Und hoffentlich wird es das auch eines Tages sein.