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Beth Leipholtz Headshot

Dieses Foto hat mir gezeigt, warum man sich nie für seinen Körper schämen sollte

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Beth Leipholtz
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Mein ganzes Leben lang habe ich mit meinem Körper gekämpft.

Obwohl ich nie an einer Essstörung oder etwas ähnlichem litt, war mein Körperbild niemals positiv. Meine Körperwahrnehmung war vollkommen verzerrt.

Ich habe mich selbst nie so wahrgenommen, wie andere Menschen. Ich steigerte mich maßlos in meine körperlichen Schwächen hinein und verfeinerte sie dadurch immer mehr.

Erst nach Monaten aufwendiger Übungen war ich in der Lage mit meinem Körper Frieden zu schließen. Noch immer liegt ein weiter Weg vor mir, doch langsam verstehe ich, wie mein Körper wirklich ist: stark, leistungsfähig und, ja, unvollkommen. Aber das ist in Ordnung.

Ich trage endlich kurze Hosen und Bikinis

Zum ersten Mal seit ich denken kann, trage ich kurze Hosen, armfreie Oberteile und Bikinis ohne mir Gedanken zu machen. Trotzdem machte ich vor kurzem eine Erfahrung, in der ich mich für meinen Körper schämte.

Ich nahm an einem Stand Up Paddle Wettkampf teil. Es hatte vierzig Grad und ich trug einen Bikini. Allen Teilnehmern wurde zuvor mitgeteilt, dass auf der Ziellinie Fotos geschossen werden.

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Zu Beginn der Veranstaltung trug ich noch ein Oberteil. Doch irgendwann war dieses so durchnässt, dass ich es gegen einen Bikini austauschte. Als ich die Ziellinie überquerte, lächelte ich für das Foto. Nicht einen Moment lang dachte ich über mein Aussehen nach. Ich war glücklich.

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Ein paar Tage später erhielt ich eine E-Mail des Veranstalters - inklusive meines Fotos von der Ziellinie. Er erklärte mir, dass Bikinifotos nicht auf der Facebookseite der Veranstaltung veröffentlicht werden würden. Die Aussage verwirrte mich ein wenig, doch ich beschloss es zu ignorieren.

Läuft bei mir etwas grundlegend falsch?

Die nächsten Tage lies es mich die Mail nicht mehr los. Ich schämte mich, einen Bikini getragen zu haben und fühlte mich plötzlich ganz und gar nicht mehr wohl in meiner Haut.

Denn inzwischen waren die Fotos von fast allen anderen Teilnehmern auf der Seite erschienen: Sie zeigten Frauen in Bikini-Tops und Shorts und Männer oben ohne und in knappen Schwimmhosen.

Bis heute habe ich nicht verstanden, was mein Outfit von den der Anderen unterschied.

Es fühlte sich an, als ob mir jemand sagen wollte, dass mit mir etwas grundlegend falsch läuft. Als ob ich in Zukunft es mir lieber zweimal überlegen sollte, ob ich einen Bikini in der Öffentlichkeit trage.

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Ich wurde für mein Körpergefühl verurteilt, obwohl ich buchstäblich mein ganzes Leben gebraucht habe, um das zu erreichen.

Wahrscheinlich war es keine Absicht, mein Foto nicht zu posten. Aber dennoch empfand ich es so. Früher hätte ich diese negativen Gefühle in mich reingefressen und mich wahrscheinlich dazu entschieden, nie wieder einen Bikini zu tragen. Doch jetzt ist das anders.

Wie viele andere Frauen auch, habe ich hart gekämpft, um diesen Punkt der Selbstakzeptanz zu erreichen. Und genau deshalb will ich das nicht einfach unter den Teppich kehren.

Denn die unglückliche Wahrheit ist, dass Frauen Tag für Tag einen anspruchsvollen Drahtseilakt vollziehen müssen. Wir sollen zwar attraktiv sein, aber bloß nicht zu attraktiv. Es ist so gut wie unmöglich, diesen absurden Anforderungen zu entsprechen. Also warum sollten wir uns überhaupt die Mühe geben?

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Wenn du jemand bist, der sich in seinem Körper nicht wohl fühlt, dann versuch herauszufinden, warum. Wahrscheinlich wurde dir das Gefühl vermittelt, es sei nicht erlaubt, sich in seiner Haut wohl zu fühlen - und das nur weil man nicht perfekt ist. Doch das ist eine Lüge.

Wenn du jedoch jemand bist, der sich bereits in seinem Körper wohl fühlt, dann lass dir nie von irgendwelchen Menschen diktieren, dass es anders sein sollte.

Schäme dich auf keinen Fall für das Gefühl, deinen Körper als schön zu empfinden. Immerhin bist du in ihm geboren.

Am Ende des Tages muss einzig und allein eine Person damit zufrieden sein - und das bist du.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der HuffPost US und wurde von Julius Zimmer aus dem Englischen übersetzt.

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