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7 Dinge, die nur Menschen verstehen, die alles überanalysieren

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Sich im täglichen Leben nicht entscheiden zu können, klingt jetzt nicht gerade wie das Schlimmste aller Schicksale. Aber es ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Menschen, die nicht immer alles überanalysieren können das nicht verstehen. Schließlich leben sie in ihrer la-la-la-es-wird-schon-alles-gut-Welt. (Die Glücklichen).

Ich bin selbst jemand, der sich dauernd den Kopf zerbricht. Ich kann nicht mal eine Eisdiele betreten ohne eine kleine Panickattacke zu bekommen - wegen all der verschiedenen Sorten, Toppings und Soßen. Und, oh Gott, welche Größe soll ich bloß nehmen? Das ist einfach zu viel.

Was, wenn ich mich für eine Sorte entscheide, dann aber merke, dass ich eigentlich die andere will? Es gibt kein Zurück. Ich muss mit "Kuchenteig und Heidekraut" Vorlieb nehmen, was habe ich mir dabei nur gedacht? Warum habe ich so eine dumme Wahl getroffen? Ich. Bin. Eine. Idiotin. Ich hätte Schokolade nehmen sollen. Ja, die Schokolade hat ganz sicher meinen Namen gerufen...

Und bevor wir es merken, haben wir das falsch gewählte Eis aufgegessen, ohne auch nur einen Bissen davon zu genießen, weil wir die ganze Zeit an die Schokolade gedacht haben.

Aber was geht genau in unseren Köpfen vor? Ich versuche das mal zu erklären (aber ich kratzte gerade mal an der Oberfläche - sehen Sie, schon analysiere ich das über.)

1. Nichts ist jemals zu 100 Prozent und ohne Zweifel die richtigte Wahl.
Es gibt immer zahllose "Was wenns" und hypothetische Situationen, die den Weg in unseren Kopf finden. Sogar, wenn wir gründlich über etwas nachgedacht haben. Seelenfrieden ist höchstens ein flüchtiger Bekannter von uns, kein enger Freund.

2. Mit Beziehungen umzugehen, ist eine ganz andere Sache.
Heute ist das richtig kompliziert, weil unsere Flirtkultur so flüchtig ist. Es gibt so viel, das wir überanalysieren können, so viele Zeichen, in die wir etwas reindeuten. "Warum hat er mir den zwinkernden Smiley geschickt statt den normalen? Warum hat er den Satz mit einem Punkt beendet statt mit einem Ausrufezeichen? Ist er sauer auf mich? Oh, Gott, er ist sauer... Was habe ich getan? Scheiße, jetzt schickt er doch einen normalen Smiley. Heißt das, alles ist ok?" Es ist beeindruckend, dass wir stundenlang so weitergrübeln können.

3. Wir meiden Situationen, in denen die Folgen nicht absehbar sind.
Ich kann hier nur für mich sprechen. Aber ich weiß, dass ich gern zu viel in einen Menschen oder eine Situation hineinlese und mich dann selbst davon überzeuge, das Ganze zu beenden, bevor es der andere tun kann. So behalte ich die Kontrolle und tue mir selbst weh, statt dass mir ein anderer Mensch weh tut. Als ob das eine besser wäre als das andere.

4. Wir können Dinge nicht voneinander trennen.
Wenn es in einem Bereich unseres Lebens ein Problem gibt, wird es auch unsere Gedanken zu einem anderen Bereich vereinnahmen. Wir können das gut verstecken und sind trotzdem produktiv. Aber es ist nach wie vor da und nagt an unseren Gedanken. Bis wir zuhause sind, auf dem Sofa zusammenbrechen und dieser Sache unsere ganze Aufmerksamkeit widmen.

5.Wir leben nicht im Moment.
Manchem Menschen können das gut. Wir dagegen sind vollkommen unfähig dazu. Jeder Moment führt zu einem anderen, zu dem danach und dann zu dem danach... und plötzlich grübeln wir, was in fünf Jahren sein wird, wie unsere Entscheidung uns dann beeinflussen wird, statt einfach mal spontan zu sein.

6. Wir bereuen jeden Kauf.
Wenn wir zum Beispiel ein elektronisches Gerät kaufen, verbringen wir Stunden mit der Recherche und entscheiden, welches Gerät am besten zu unseren Bedürfnissen passt. Nur, um dann mehrere Male unsere Meinung zu ändern. Dann sind wir uns fast sicher und kaufen ein Gerät. Sofort setzt die Reue ein und wir stellen uns vor, dass das iPhone viel besser gewesen wäre als das Android, für das wir uns entschieden haben.

7. Wir genießen Erfahrungen selten in vollen Zügen.
Das liegt nicht daran, dass wir unzufrieden sind oder gern woanders wären. Wir wünschten nur, dass wir einen Weg finden würden, jede mögliche Wahl auf perfekte Weise zu kombinieren - sodass kein Raum bleibt, über eine Alternative nachzudenken.

Aber trotz dieser inneren Kämpfe und der Unsicherheit schaffen wir es, heil am anderen Ende rauszukommen. Manchmal müssen wir unseren Verstand nur sagen, dass er verdammt noch mal die Klappe halten soll. Wir schaffen es, unser Leben zusammenzuhalten, weil wir unsere Entscheidungen gründlich überdenken. Oft belastet uns das, es beschützt uns aber auch vor bösen Folgen.