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Verkehrspolitische Auseinandersetzungen: Kampfradeln als Strategie

19/07/2016 19:12 CEST | Aktualisiert 20/07/2017 11:12 CEST

Kaum ein Thema löst so schnell emotionale und heftige Debatten hervor, wie das tägliche Erleben von städtischem Straßenverkehr. Sehr schnell haben alle Teilnehmenden am Straßenverkehr eine Meinung dazu, was gut oder schlecht ist und vor allem wer sich wieder völlig daneben benimmt. Dabei gehen die Meinungen, wo das Problem liegt, je nach Nutzung des Verkehrsmittels stark auseinander.

Der Straßenverkehr wird wohl am meisten gegen bestehende Regeln und Gesetze verstoßen wird und alle sich darüber aufregen: Menschen in Autos fahren chronisch zu schnell, parken wo sie wollen, biegen ab ohne andere zu beachten und nehmen Ampeln auch gerne "mal so mit". Radler und Radlerinnen ignorieren Ampeln, fahren ständig auf der falschen Seite und fahren wo sie wollen.

Alle, die zu Fuß unterwegs sind scheinen dagegen Straßen irgendwie oder irgendwo zu überqueren, laufen ständig auf Radwegen rum und Ampel scheinen nur "kann" Regeln darzustellen. Wer der Meinung ist, dass ohne die Verkehrsregeln die Welt untergeht, bewegt sich im Straßenverkehr also ständig in quasi apokalyptischen Sphären.

Dem entgegen gestellt hat sich eine Gruppe von Radfahrenden. Gegen die denunziatorische Kampagne gegen „Kampfradler" vom ehemaligen Verkehrsminister Ramsauer, stellten sie eine Kampagne mit dem Bekenntnis zum Kampfradler-Dasein. Offensiv stellten sie ihr Bekenntnis auf einer Internetseite vor.

Die Idee dahinter war die These, dass ein gesellschaftliches Problem vorliegt wenn massenhaft Regeln übertreten werden, und nicht primär ein Fehlverhalten einzelner. „Alle, die viel Radfahren kennen das Gefühl, dass Du Dich in einem System bewegst, dass für Autos gemacht ist", so Mitinitiator Bernhard Stoevesandt.

"Der Platz auf den Straßen, Ampelschaltungen, Ampeln überhaupt, die Wegführungen, alles ist zuerst für Autos ausgelegt. Und dabei wirst Du ständig von Autos lebensbedrohlich gefährdet". Unter den Bedingungen sei es kein Wunder, wenn Menschen die für sie ungerecht empfundenen Regeln irgendwann ignorieren.

Ziviler Ungehorsam gegen eine ungerechte Verkehrspolitik

Der Ansatz der Initiative war daher, dass Menschen, die die Regeln übertreten kein schlechtes Gewissen haben sollen, sondern den Regelverstoß als Folge der Verhältnisse sehen sollten. Der Übertritt der Regeln wäre damit eine Art des zivilen Ungehorsams gegen eine ungerechte und unsinnige Verkehrspolitik.

„In den letzten Jahren ist der Radverkehr in den Städten trotz allem massiv gestiegen. In manchen Städten übersteigen die zurückgelegten Strecken schon die der Autofahrer", erklärt Stoevesandt, „trotzdem spiegelt sich dies in der Verteilung von Platz, Planung, Steuerung oder auch Geldern nicht wieder". Daher forderte die Initiative forsch ein Drittel der Gelder, des Raums und der Planung für den Radverkehr. In Anbetracht von Milliarden-Förderungen, welche in die Forschung für die Automobilindustrie gesteckt werden, ginge es um sehr viel Geld.

In Anbetracht der Klimakrise sehen sie eine Umorientierung weg von CO2-ausstoßenden Fahrzeugen für dringend geboten an. Zentral an dem Konzept ist, dass danach gefragt wird, wie es kommt, dass jemand auf dem Fußweg mit dem Rad fährt oder die rote Ampel ignoriert.

Es mag Ignoranz sein, meist gibt es aber strukturelle Ursachen: Die unsinnige Zusammenlegung von Rad- und Gehwegen, die Ampelschaltungen, die gemacht wurden um das Autofahren bequem und zügig zu gestalten. Wer also Probleme im Straßenverkehr angehen will, muss diese Ursachen beheben.

Da der Raum im Straßenverkehr nun einmal begrenzt ist, wird dies zu Lasten einer Partei gehen müssen. Die Kampfradler und Kampfradlerinnen rufen dazu auf, diesen Konflikt mit der auf Autoverkehr fixierten Politik aufzunehmen. Ideen zur Veränderung gäbe es genug: Von der Idaho-Stop Regelung an Ampeln bis dahin fast alle Straßen in Städten zu Fahrradstraßen zu machen. Allein es fehlt der politische Wille - der müsse erkämpft werden.

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