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Satirischer Rückblick: Chancen in der Türkeikrise

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Die abgelaufene Woche war voller Nachrichten.

Mehrere Städte haben Wahlkampfauftritte von Erdogans Wirtschaftsminister und Erdogans Außenminister abgesagt. Immerhin konnte Erdogans Integrationsministerin zu Maybrit Illner.

Der Springer-Journalist Yücel ist weiterhin in der Türkei inhaftiert, man weiß nicht, ob er es gut findet, wenn sich das deutsche Volk für ihn einsetzt, aber es bringt ja sowieso nichts. Die Bundesregierung fordert seine Freilassung so bald wie möglich, wobei man nicht dazugesagt hat, wann das sein soll.

Es gibt ja immer was, das dazwischenkommt. Bundespräsident Gauck hat gesagt, er könne nicht nachvollziehen, dass das nötig sein soll. Das ist aus Gaucks Sicht die harscheste Kritik, wenn er was nicht nachvollziehen kann.

Frank-Walter Steinmeier würde sich auch gern äußern, aber er hat momentan kein Amt, das ihn dazu bevollmächtigen würde.

Offenbar haben die Deutschen Yücel verziehen

Die deutsche Öffentlichkeit ist jedenfalls froh, dass der Fall Yücel kritisch begleitet wird, das hätte ja auch anders laufen können; man hätte durchaus damit rechnen müssen, dass es heißt, inhaftierte Journalisten seien ein Stück Normalität und eine Tatsache, mit der man leben müsse, und jetzt macht man am besten weiter wie bisher, statt sich beunruhigen zu lassen.

Offenbar haben die Deutschen Yücel verziehen, was er in der TAZ über den Islam geschrieben hat, dass, wer den Islam friedlich auslegt, ihn umdeuten müsse, ebenso wie jemand das Christentum umdeutet, der es kriegerisch auslegt.

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Bei der Oscar-Verleihung wurde zuerst ein falscher Film als Sieger genannt. Immerhin einer, der nominiert war. Der deutsche Beitrag gewann keinen Oscar, hat aber schon alle Trostpreise gewonnen.

In Berlin wurde eine als radikal eingestufte Moschee verboten. Das geht, weil Moscheen, die nichts mit dem Islam zu tun haben, nicht von der grundgesetzlichen Religionsfreiheit geschützt sind. Die anderen Moscheen übrigens auch nicht, weil die Religionsfreiheit ein persönliches Recht ist, bei denen wird die Religionsfreiheit durch Erdogan garantiert.

An Wuppertaler Schulen ist provozierendes Beten verboten worden. Das ist nun wieder sehr intolerant, Beten als provozierend zu empfinden. Die Schulen sollen dafür sorgen, dass stattdessen im Unterricht die Betkompetenz der Schüler gestärkt wird.

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In Berlin wurden zwei Raser, die einen Menschen töteten, wegen Mordes verurteilt. Jetzt kann man es nicht einmal mehr wie einen Unfall aussehen lassen.

Die gewerkschaftsnahe und bildungsferne Hans-Böckler-Stiftung möchte gegen Nachhilfeunterricht vorgehen, weil dadurch diejenigen Schüler bevorzugt werden, die da am Ende noch was lernen. Der Hans-Böckler-Stiftung gehen offenbar die Stipendiaten aus.

Nachhilfe soll aus der staatsfreien Zone befreit werden und besseren Qualitätskontrollen unterliegen, das heißt, wenn nachgeholfen wird, dann nicht im Lesen, Schreiben oder sogar Rechnen, sondern bei Toleranz, Inklusion und Sexualerziehung.

Die Hans-Böckler-Stiftung ist demnach ein weiteres Beispiel dafür, wie die Grenzen zwischen Gemeinnützigkeit und Gemeingefährlichkeit verfließen.

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