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Die Konsumwelt macht viele Menschen unglücklich - diese Lebensform soll das ändern

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Immer mehr, immer besser, höher, schneller, weiter. Diese Lebensform ist für viele Menschen ein Auslaufmodell, weil es auf Dauer nicht zufrieden macht. Die Zufriedenheit hängt beim Streben nach „immer mehr" zu deutlich von den Dingen ab, denen wir nachjagen. Das macht uns letztlich abhängig von diesen Dingen und jede Abhängigkeit macht die Betroffenen irgendwann unglücklich, weil sie sich dadurch fremdbestimmt fühlen.

Deshalb scheint es eine deutliche Tendenz zu einer in materiellen Dingen freiwillig reduzierten Lebensform zu geben, die sich mit „Weniger" zufrieden gibt als danach zu streben, ständig mehr vom Leben und sich selbst zu fordern. Dieser Trend nennt sich Minimalismus.

Was Menschen auszeichnet, die konsumreduziert leben

Minimalisten haben oft einen relativ hohen Bildungsstand und ausgeprägte Fähigkeiten zur Reflexion über ihre Situation. Studierende beispielsweise, die zufrieden sind, mit dem wenigen, was sie haben, praktizieren auch eine Art Minimalismus.

Interessant wird die Bewegung aber dann, wenn jemand, der vorher in einer Villa gelebt hat und einen S-Klasse-Mercedes und einen Ferrari vor der Tür hatte, sagt: Mir reicht eigentlich eine Drei-Zimmer-Wohnung und ein Golf, um zufrieden zu sein und entsprechend handelt.

Eine Person kann also dann als Minimalist bezeichnet werden, wenn sie sich - aus materieller Sicht - mit weniger zufrieden gibt, als ihre Möglichkeiten hergeben könnten. Wenn sich jemand bewusst beschränken kann, obwohl seine Ressourcen genau das Gegenteil zuließen. Wenn sich jemand ein großes Auto leisten könnte, aber sich sagt, „der Kleine tut's auch".

Warum ein Mensch zum Minimalist wird

Eine reduzierte Lebensform ist eine Möglichkeit mit der wachsenden Komplexität in unserer Gesellschaft umzugehen. Zunehmende Komplexität, also immer mehr Wahlmöglichkeiten als der Einzelne überhaupt auswählen kann, führt bei vielen Menschen zu Stresssymptomen.

Zu viel Besitz, zu viel Streben nach materiellen Dingen kann zu Stress führen. Oft erkennen Menschen für sich selbst oder in einer Quarterlife- oder in einer Midlifecrisis, „so kann das nicht weiter gehen", „ich kann nicht immer nur mehr und mehr wollen" und verändern ihr Leben.

Sie lokalisieren und definieren die Dinge, die ihnen „zu viel" sind, deren Besitz oder deren Streben mehr Schaden als Befriedigung bewirkt und lassen diese Dinge los. Dieses bewusste Loslassen kann Menschen helfen, sich wieder auf die wesentlichen Dinge im Leben zu konzentrieren mit einer deutlich entspannenden Wirkung.

Von daher ist Minimalismus eine Möglichkeit, einem vielleicht bevorstehenden Burn-out zu entkommen und das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Minimalismus ist Selbstbestimmung und Selbstbestimmung ist einer der wichtigen Anti-Stressoren. Hier kann Genügsamkeit und die Rückbesinnung auf das Wesentliche deutliche Entspannung bewirken.

Oft fürchten sich Menschen, die mehr und mehr Besitz anhäufen, vor Verlusten. Hier ist der bewusste Verzicht auf all Zuviel Besitz ein probates Mittel solchen Ängsten gegenzusteuern. Für die selbstgewählte Form des Minimalismus ist der eigene Verzicht dann eher ein Gewinn.

Bei einigen Menschen, die in der heutigen Zeit offen oder gar öffentlich Minimalismus oder materiell reduzierte Lebensformen praktizieren, kann als zusätzlicher Aspekt eine Form von Protest gegen verschwenderische Tendenzen in einigen Bereichen unserer Gesellschaft eine Erklärung sein.

Deutlich wird dieser Aspekt in der Tatsache, dass es Formen des Minimalismus gibt, die sich strengen Regeln unterwerfen - wie z.B. nur max. 100 Gegenstände zu besitzen. Durch diese selbst festgelegten „Glaubenssätze" entsteht zusätzlich ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer gesellschaftlichen Gruppe.

Eine, bezogen auf materielle Dinge, reduzierte Lebensform, wie z.B. der Minimalismus kann somit auch als eine Rückbesinnung auf wesentliche Werte verstanden werden. Es kann als eine Art „Reichtum" angesehen werden, wenn wir mehr Möglichkeiten haben als wir nutzen. Getreu dem Motto „arm ist nur, wer viel bedarf".

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Jemand, der freiwillig darauf verzichtet, alle seine Möglichkeiten zu nutzen, dem stehen all diese Möglichkeiten trotzdem noch zur Verfügung. Das erzeugt ein gutes Gefühl: „Ich könnte ja mehr haben, wenn ich nur wollte". So bleiben immer viele Optionen offen und derjenige, der so lebt, kommt nicht in Situationen, wo es durch Mangel nur noch einen Ausweg gibt.

Wie eng ist die Minimalismus-Bewegung mit der Digitalisierung unserer Welt verknüpft?

Die Digitalisierung der Welt hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Möglichkeiten, (zumindest vordergründig) minimalistisch zu leben. Sie macht es für viele einfach z.B. auf Festnetztelefon, TV, Radio, DVD-Player, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften sowie große CD-Sammlungen zu verzichten und dadurch auch „älteren Generationen" zu zeigen, man brauche das alles nicht.

Aber dieser Verzicht ist nur virtuell, denn all diese Dinge können mit einem einzigen Smartphone, das man überall dabei haben kann, komplett ersetzt werden. Extreme Minimalisten, die Regeln für ihre Lebensform aufstellen und diese in Blogs diskutieren, reduzieren zählbare Gegenstände, die sie besitzen.

Tausend Bücher und tausend Filme als Dateien gespeichert sind digital nun mal nicht zwei tausend Gegenstände in den Regalen, sondern in einem einzigen Gegenstand, dem Smartphone, enthalten. Das erleichtert für viele ihren gelebten Minimalismus enorm. Heutige Weltreisende haben neben ihrer „sieben Sachen" im Rucksack ihr gesamtes virtuelles Hab- und Gut dabei. Die Bücher, die sie lieben, ihre komplette Musik- und DVD-Sammlung.

Über das Internet haben sie weltweit Zugriff auf alle heimischen und internationalen Zeitungen und Zeitschriften, auf das größte Online-Lexikon der Welt usw. Das erleichtert das Reisen und auch das „einfache Leben" sehr, weil diese persönlichen Dinge nicht nur immer zur Verfügung stehen, sondern sogar immer und überall mit hingenommen werden.

Insofern ist in einigen Fällen von der Definition sogar zu überlegen, ob jemand mit Hilfe der digitalen Technik überhaupt minimalistisch leben kann oder ob es nur eine virtuelle Verlagerung seines Besitzes ist?

Ist Armut nicht auch Minimalismus?

Minimalismus ohne „Bewusstsein" ist Armut, ein Leben in empfundenen Mangel. Hier zeigt die Erfahrung, dass dies auf Dauer nicht zu einer nachhaltigen Zufriedenheit führt, wenn nicht das Bewusstsein vorhanden ist, so leben zu wollen. Es gibt zwar viele Lebensformen, die zur Zufriedenheit führen, aber Minimalismus ist auf jeden Fall eine Lebensform, die ein hohes Maß an Bewusstheit voraussetzt.

Bei Minimalisten genauso wie bei all anderen, die in einer in materiellen Dingen freiwillig reduzierten Lebensform leben, zählt die Freiwilligkeit des „Verzichts, also eine freiwillige, bewusste und willentliche Reduktion von Alltags-Komplexität.

Menschen, die dagegen in Mangel und Deprivation leben, leben vielleicht von außen betrachtet ähnlich, ihnen fehlt jedoch die Freiwilligkeit, um zufrieden mit der Situation zu sein. Die Selbstbestimmtheit ist ein wichtiger Aspekt von Minimalisten. Auch hier ist es u. U. schwer, eine genaue Trennung vorzunehmen.

Zwar kann aus der Not auch eine Tugend gemacht werden und wer bereits in Armut lebt, kann für sich sagen: „Prima, ich habe doch eigentlich alles, was ich zum Glück benötige" aber das ist normalerweise nicht das, was unter einer materiell oder konsumreduzierten Lebensform verstanden wird.

Menschen, die dies freiwillig tun, zum Beispiel die Bewegung der Minimalisten, sind Menschen, die „könnten", aber nicht „wollen". Die also viel Konsum, Besitz und Reichtum haben könnten, aber bewusst darauf verzichten, dieses Streben in ihren Alltag zu integrieren.

Gibt es negative Folgen von einer „konsumreduzierten Lebensweise"?

Negativ kann die konsumreduzierte Lebensform werden, wenn die daraus resultierende Befriedung zur Gewohnheit wird und durch noch weiteren Verzicht ein immer noch größerer „Kick" gesucht wird. Hier ist die Gefahr von der Sucht oder zum Zwang nicht mehr weit, was zu negativen Folgen für den Einzelnen führen kann.

Wenn jemand seinen persönlichen Verzicht nicht mehr selbst kontrollieren kann, wenn sein Leben sich nur noch nach den Kategorien des Minimalismus orientiert, wenn er nicht auch mal von seinen selbst aufgestellten Regeln kurzfristig lösen kann, wenn er „wie fremdbestimmt" agiert, dann ist u. U. der Weg der Freiwilligkeit verlassen worden und der Minimalismus wurde zum Zwang. Leidet derjenige dann, so ist u. U. Hilfe nötig.

Eine weitere negative Folge kann die Reaktion der bisherigen sozialen Umwelt des Einzelnen sein. Minimalisten können insbesondere am Anfang ihre Familie und Freunde mit ihrem Verhalten irritieren, besonders dann, wenn sie versuchen, auch andere von ihrer Lebensform zu überzeugen oder gar zu bekehren.

Von Bernd Vonhoff - Bundesvorsitzender vom Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen

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Was braucht es für ein gutes Leben?

Das größte Auto, das neueste Smartphone, die teuerste Wohung... Hauptsache mehr, viel und teuer. Für viele Menschen mag das die Erfüllung des Lebens sein, doch es gibt auch eine Gruppe, die das ganz anders sieht.

Minimalismus heißt der Trend, sich von allen unnötigen Dingen zu lösen. Was haltet ihr davon? Diskutiert mit. Schreibt uns eine E-Mail an Blog@huffingtonpost.de

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