BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Bernd Schuster Headshot

Kopfschmerz, Impotenz, Herzinfarkt: Wenn Schnarchen krank macht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SCHNARCHENDER MANN
Thinkstock
Drucken

Er schnarcht, sie liegt daneben und wartet genervt, bis Ruhe einkehrt - ein typisches Szenario in deutschen Schlafzimmern. Was viele allerdings nicht wissen: Das nächtliche Rasselkonzert kann nicht nur die Beziehung, sondern auch die Gesundheit belasten. Nämlich dann, wenn Atemaussetzer dazu kommen.

Schnarchen an sich ist kein gesundheitliches Risiko. Manche Betroffene kommen lediglich schlechter aus dem Bett, weil die Schnarchzyklen ihre Tiefschlafphase durcheinander gebracht haben. Gefährlich wird es dagegen bei zwei bis drei Prozent der Deutschen, die nicht nur schnarchen, sondern im Schlaf immer wieder aufhören zu atmen. Ihr Gaumen erschlafft, die Luftröhre sackt in sich zusammen und der Atem stockt, manchmal bis zu 90 Sekunden lang. Betroffene müssen zwar keine Angst haben, zu ersticken, denn sie beginnen davor unwillkürlich nach Luft zu schnappen. Aber da nicht mehr an normalen Schlaf zu denken ist, steht ihr Körper dauernd unter Strom. Und das hat Folgen.

Sekundenschlaf kann zur Straftat werden

Jeder Atemaussetzer reißt die Patienten aus dem Schlaf. Oft wachen sie zwar nicht richtig auf, aber der Schlaf ist unterbrochen - und das manchmal 70-Mal pro Nacht. Das hinterlässt Spuren, die schon am nächsten Morgen sichtbar sind. Viele Betroffene fühlen sich tagsüber wie gerädert, sind unkonzentriert, leiden manchmal sogar unter Gedächtnisstörungen. Sie haben Kopfschmerzen oder sind schlecht gelaunt. Manchmal hat die Krankheit ihnen nicht nur den Schlaf, sondern auch die Lebensfreude geraubt.

Neigen Patienten zu Sekundenschlaf, können sie eine große Gefahr für andere sein. Zum Beispiel im Straßenverkehr. Statistisch gesehen haben Schlafapnoe-Patienten siebenmal häufiger Unfälle als andere Verkehrsteilnehmer. Ein Zusammenstoß kann sogar strafrechtliche Folgen haben: Werden andere Verkehrsteilnehmer verletzt oder kommen ums Leben, droht eine Strafe wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Kein Sauerstoff, keine Erektion?

Schlafapnoe kann aber auch ganz andere Folgen haben: Eine Studie deutscher Wissenschaftler legt nahe, dass der nächtliche Sauerstoffmangel die männliche Potenz in manchen Fällen beeinträchtigt. In Kombination mit weiteren Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes sind Erektionsstörungen besonders häufig. Obwohl niemand gerne darüber spricht, leiden 20 Prozent der Über-20-Jährigen und 70 Prozent der älteren Männer darunter.

Wenn die Stresshormone zuschlagen

Ständige Atemaussetzer verringern nicht nur den Sauerstoffanteil im Blut, sondern haben noch ganz andere physiologische Folgen: Schüttet der Körper mehr Stresshormone aus, steigt der Blutdruck - und damit das Herzinfarktrisiko. Tatsächlich erleiden Schlafapnoe-Patienten viermal häufiger Herzinfarkte als andere. Manche bekommen auch einen Schlaganfall...

Forscher aus Maryland haben herausgefunden, dass auch leichte Formen der Schlafapnoe das Schlaganfall-Risiko bei Männern erhöhen. Rund 3,5 Prozent der Studienteilnehmer bekamen nach neun Jahren einen Schlaganfall. Grund genug, die Schlafstörung frühzeitig zu behandeln.

Schnarchen ist kein Schicksal

Eine leichte Schlafapnoe lässt sich verbessern, indem Patienten ihren Lebensstil verändern: Übergewicht zu reduzieren, auf Alkohol und Tabak zu verzichten oder die Rückenlage beim Schlafen zu vermeiden, hilft bereits, die Anzahl der Atemaussetzer zu verringern. Bei schwereren Krankheitsbildern reichen diese Maßnahmen allerdings nicht aus.

Als Standardtherapie gilt die Verwendung von Atemmasken. Die Maske ist mit einem Gerät verbunden, das Luft in die Nase bläst und so die Verengung der Luftröhre verhindert. Atemhindernisse im Rachen lassen sich aber auch operativ entfernen.

Eine Alternative ist ein neuartiges Verfahren aus den USA: Kleine Implantate stützen das weiche Gaumensegel, um es zu versteifen. So entstehen keine Schnarchgeräusche mehr und die Atmung bleibt stabil.

Die Erfolgsaussichten der Schlafapnoe-Therapie sind gut - aber nur, wenn sich die Patienten auch behandeln lassen. Tatsächlich bleibt die Erkrankung oft unentdeckt, weil ihre Symptome schwer zu erkennen sind. Wer schnarcht, sollte seinen Partner bitten, auf die Geräusche zu achten: Sind sie laut und unregelmäßig, bleibt die Atmung kurzzeitig aus? Auch Müdigkeit und Bluthochdruck sind Warnzeichen, die Patienten nicht übersehen sollten. In diesem Fall macht eine ärztliche Untersuchung Sinn, um die Schlafapnoe entweder auszuschließen oder erfolgreich zu behandeln.


Lesen Sie auch:

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.

Bloß nicht krank werden: Das können Sie tun, damit Sie im Urlaub nicht flach liegen

Hier geht es zurück zur Startseite