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Die Globalisierung muss gerecht gestaltet werden

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Kai Pfaffenbach / Reuters
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Das humanitäre Signal von Bundeskanzlerin Merkel und die unbürokratische Aufnahme von Tausenden von Geflüchteten im letzten Jahr waren richtig. Die hierdurch ausgelösten Diskussionen sind wichtig und unvermeidlich und wir müssen uns ihnen stellen.

Von den circa 65 Millionen Menschen, die laut UN-Flüchtlingshilfswerk 2015 unter Zwang vertrieben wurden, sind mehr als 40 Millionen Menschen in ihrem Heimatland Vertriebene. Nur ein Bruchteil der geflüchteten Menschen sind bis nach Europa oder bis nach Deutschland gekommen.

Von einer Flüchtlingskrise zu reden, geht aus deutscher Perspektive, dem Land mit der "schwarzen Null", also an den Realitäten vorbei. Deutschland ist ökonomisch in der Lage, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Wer eine "Flüchtlingskrise" für Deutschland herbeiredet und Ängste vor Überfremdung oder Terror schürt, hat dabei ganz andere politischen Interessen im Hinterkopf.

Wir müssen uns den Herausforderungen der globalen Welt stellen

Diesen politischen Rattenfängern zu begegnen, indem man sich abschottet, Grenzen schließt und Obergrenzen definiert, ist der falsche Weg. Er senkt vielleicht die Wahrnehmungsschwelle für die Problematik und sorgt damit für Ruhe in der politischen Diskussion, aber das ändert nichts an den Realitäten denen wir gegenüberstehen.

Wenn wir langfristig eine Welt wollen, in der niemand gezwungen ist, seine Heimat zu verlassen, müssen wir uns den Herausforderungen in einer globalen Welt stellen.

Richtig ist aber auch, dass Deutschland alleine nicht die Ungerechtigkeit und das Elend der Welt bewältigen kann. Die Europäische Union (EU) und die gesamte westliche Welt stehen hier in der Verantwortung.

Kurzfristig muss sich die EU angesichts der humanitären Katastrophe, die sich vor unserer aller Augen täglich abspielt, endlich solidarisch zeigen. Den Menschen, die vor Krieg und Hunger flüchten, muss schnell und entschieden geholfen werden.

Ursachen für Flucht beseitigen

Langfristig muss es darum gehen, die Ursachen für Flucht und Vertreibung zu beseitigen. Auch wenn es in den wenigsten Fällen klare monokausale Zusammenhägen gibt und auch wenn die aktuelle Situation stark vom Krieg in Syrien geprägt wird, so kann doch niemand verneinen, dass auch wir in Europa eine Mitverantwortung für Flucht und Vertreibung haben.

Dies fängt an bei den Rüstungsexporten und der Militärpolitik der EU und der USA und kann weitergeführt werden zu Fragen vom Zugang zu Rohstoffen und Nahrungsmitteln oder dem Klimawandel - alles Probleme, die letztendlich auch konfliktverursachend wirken können.

Letztendlich brauchen wir eine faire und kohärente Wirtschafts-, Handels- und Außenpolitik. Denn die Menschen, die sich nach Europa auf den Weg machen, flüchten nicht nur vor Krieg, sondern auch vor Perspektivlosigkeit.

Wir sind indirekte Mit-Verursacher

So lange wir Teile von Asien und Afrika immer noch als kostengünstige Lieferanten von Rohstoffen, Textilien oder Nahrung betrachten und Menschen- oder Umweltrechte gerne einmal übersehen werden auch wir, direkt oder indirekt, Mit-Verursacher von Flucht und Vertreibung.

Wenn die EU Fluchtursachen wirksam angehen und die geflüchteten Menschen nicht nur abwehren will, muss sie dazu beitragen, überall ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Wir brauchen nicht weniger als eine gerechtere Welt.

Wie eine gerechte und zukunftsfähige Welt aussehen kann, beschreibt die Agenda 2030, die im September letzten Jahres von 193 Staaten verabschiedet wurde. Kernelement der Agenda sind 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die in 15 Jahren erreicht werden sollen.

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Zu diesen zählen: weltweit den Hunger zu überwinden, extreme Armut zu beseitigen, Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen, nachhaltigere Produktions- und Konsumweisen zu schaffen und den Schutz der Biodiversität und der Meere zu verbessern.

Es ist eine große Aufgabe

Die Umsetzung der Agenda 2030 ist eine Herkulesaufgabe, aber ein "weiter so wie bisher" kann sich die Welt nicht mehr erlauben: Jedes Jahr sterben weltweit sechs Millionen Kinder vor ihrem fünften Lebensjahr. Mehr als eine Milliarde Menschen haben weniger als einen Euro am Tag zur Verfügung. 40 Prozent der Menschheit haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen.

Der Klimawandel schreitet ungehemmt voran und Millionen von Menschen werden ausgebeutet. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, können wir nicht mit einer Politik weitermachen, die zu diesen Krisen geführt hat. Und wir können nicht mit unserem bisherigen Lebensstil so weitermachen - denn unsere heutige Art zu leben ist nicht zukunftsfähig.

Geflüchtete Menschen sind häufig die Verliererinnen und Verlierer einer Globalisierung, die bislang vor allem zu unseren Gunsten gestaltet wurde. Es geht jetzt darum, einen nachhaltigen Entwicklungsweg einzuschlagen, der jedem Menschen ein würdevolles Leben ermöglicht. Eine gerechtere Welt ist machbar und angesichts der aktuellen Weltlage dringend notwendig.

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Am 31. August ist es ein Jahr her, dass Angela Merkel gesagt hat: "Wir schaffen das."

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