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Personal Branding: eine Chance für Architekten?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CONSTRUCTION COMPANY
Rubberball/Mike Kemp via Getty Images
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Wir haben eine Menge über Personal Branding gehört - jetzt wird es Zeit, konkret zu werden. Zur Marke zu werden, funktioniert für Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen - etwa für Architekten, wie wir in dieser Kolumne beleuchten werden. Aber natürlich lässt sich dieses Beispiel ebenso auf Ärzte, Anwälte und 1.000 andere Branchen übertragen ...

Angenommen, Sie wollen ein Haus bauen. Seit Jahren haben Sie auf diesen Moment hingearbeitet, Geld zurückgelegt, Bauorte ausgesucht etc. Mit anderen Worten: Es ist eine sehr emotionale Sache.

Als nächsten Schritt Ihrer Planung besuchen Sie eine Baufirma. Dort wird schließlich alles aus einer Hand geboten, und das zu einem fantastischen Preis. Also klappern sie einige ab, stellen aber schon bald enttäuscht fest: Ihr Traumhaus zu realisieren, wird auf diesem Weg schwierig. Alle Anbieter, die Sie gefunden haben, haben nur Standard-Entwürfe im Programm. Ihnen wird klar: Sie brauchen einen Architekten, einen Profi, der Ihnen Ihr Traumhaus entwirft. Aber wie findet man so jemanden? Haben Sie schon mal ein Werbeplakat für einen Architekten gesehen?

Surfe, surfe, Häusle baue

„Architekt" ist ein freier Beruf, was bedeutet, dass hier strikte Auflagen das Marketing einschränken. Wie sehr, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, aber es läuft eigentlich immer darauf hinaus, dass die Werbung eines Architekten keine übertriebene Selbstdarstellung sein darf, nicht marktschreierisch oder reklamehaft. Alle Aussagen müssen objektiv überprüfbar sein. Das Gemeine daran: Bauunternehmer haben in der Werbung längst nicht mit so harten Auflagen zu kämpfen.

Mit dem Aufkommen des Internets haben es Architekten ein bisschen leichter als früher, als ihnen im Wesentlichen nur Tageszeitungen und Telefonbücher als öffentlichkeitswirksame Werbefläche zur Verfügung standen. Dennoch muss ein potenzieller Kunde erst einmal auf diese Website aufmerksam gemacht werden. Dafür gibt es im Grunde nur eine zuverlässige Methode: Mund-zu-Mund-Propaganda.

Eine Frage des Vertrauens

In der Architekturbranche geht es vor allem um Vertrauen. Ein Haus ist kein Smartphone, das man nach zwei, drei Jahren durch ein neues ersetzt: Im Idealfall möchte man im Traumhaus Kinder großziehen, alt werden und das Haus dann vererben. Das bedeutet, Qualität steht hier an allererster Stelle. Einen Billigbau bereut man meist schon nach wenigen Jahren. Aber wie soll ein Architekt Vertrauen beim neuen Kunden aufbauen, wenn die Qualität seiner Leistung erst viel später sichtbar wird?

An dieser Stelle macht sich Personal Branding bezahlt. Wie präsentiert sich der Architekt? Angenommen, Sie gelangen auf seine Website, dann sehen Sie dort wahrscheinlich:
  • Fotos realisierter Bauprojekte,
  • Baupläne,
  • Gebäudemodelle
  • und/oder Baustellen.
Mit anderen Worten: Bilder, die darauf hindeuten, dass dies die Seite eines Architekten ist. Das wussten Sie aber schon!

Natürlich sind Gebäude hier wichtig, aber sollte der Besucher nicht erst einmal den Menschen selbst sehen? Denn so hat der Architekt die Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren und den Besucher einen ersten Vorgeschmack seiner Persönlichkeit zu geben.

Der Architekt ist der Mensch, mit dem Sie den Aufbau Ihres Traumhauses besprechen werden - und wir haben bereits festgestellt: Das ist ein sehr emotionales Thema. Wenn Sie ihm nun schon im Vorfeld ins Gesicht schauen und sehen können, wie er sich präsentiert, dann schafft das Vertrauen - Vertrauen, das bei einem Bauunternehmen in dieser Form gar nicht zustande kommen kann, weil man dort nicht auf einen Menschen trifft, sondern auf ein ganzes Team bzw. ein gesichtsloses Unternehmen.

Personal Branding: nicht nur für Architekten

Sie setzen sich also zusammen mit dem Profi Ihrer Wahl, und er oder sie entwirft gemeinsam mit Ihnen Ihr Traumhaus. Und Sie? Sie sind hin und weg und wollen andere mit Ihrer Begeisterung anstecken. Und auch das ist ein wichtiger Bestandteil im Personal Branding: die zufriedenen Kunden, die gerne bereit sind, zum Botschafter zu werden. Nicht zum Botschafter eines Unternehmens, sondern eines Menschen, dem sie vertrauen. Der ihnen geholfen hat, sich einen Wunsch zu erfüllen.

Zusammenfassend kann man also sagen:
  • Wenn es um etwas Wichtiges geht, kaufen Menschen am liebsten von anderen Menschen.
  • Vertrauen ist der Schlüssel - egal, ob Sie die Qualität der Leistung oder des Produkts im Vorfeld kennen oder nicht.
  • Um das nötige Vertrauen zu erzeugen, müssen Anbieter auf ihre Persönlichkeit setzen.
  • Dafür ist es wichtig, dass sie ihre Persönlichkeit kennen und zur Marke machen: was sie ausmacht, antreibt, begeistert etc.
  • Um zur Marke zu werden, braucht man Personal Branding.

Dass sich dies nicht nur auf Architekten anwenden lässt, liegt auf der Hand: Letzten Endes ist es für alle Branchen wichtig - egal ob Traumhaus, Karriere oder körperliche Gesundheit.

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