Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Benjamin Schraven Headshot

Muslimische Zuwanderer unter Generalverdacht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ANSBACH
dpa
Drucken

Nach den grauenhaften Gewalttaten von München, Würzburg und Ansbach wächst in Deutschland die Angst, aber auch die Wut vieler Menschen. Nicht wenige sehen sich bestätigt in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Flüchtlingen und auch der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel.

Die Täter waren entweder Flüchtlinge oder Menschen mit einem Migrationshintergrund. Sind diese Amokläufe beziehungsweise Terroranschläge also eine Art zwangsläufiges Produkt vor allem muslimischer Zuwanderung? Und wie sollen oder müssen Staat und Bürger jetzt mit dieser Situation umgehen?

In der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den Folgen von Amok und Terror wäre es geradezu absurd, alle Flüchtlinge als potentielle Terroristen zu betrachten. Denn schließlich sind die meisten von ihnen ja gerade vor Terror, Krieg oder Repression geflohen.

Auch spielen Misstrauen und Ablehnung, vor allem gegenüber muslimischen Flüchtlingen oder Migranten, auch den Terroristen in die Hände: Wenn wir ein gesellschaftliches Klima hätten, welches geprägt wäre von einem zugespitzten Konflikt zwischen "dem Westen" und "dem Islam", dann hätten der sogenannte Islamische Staat (IS) und Co. schon beinahe gewonnen.

Welchen Anteil hatte Religion?

Denn ihre Vision ist der große apokalyptische Endkampf zwischen den Kulturen - wahrlich keine besonders ansprechende Vision. Bei den Attentaten der letzten Woche muss man zudem die Frage stellen, welchen Anteil Religion hier eigentlich hatte.

Soweit man das heute schon alles überblicken und beurteilen kann, sind die Täter von München, Würzburg und Ansbach vor ihren Taten nicht durch radikale Äußerungen oder Verhaltensweisen aufgefallen. Sie galten noch nicht mal als sonderlich religiös - beim Amoklauf von München spielte Religion offenkundig überhaupt keine Rolle.

Vielmehr waren es Männer, die große persönliche Probleme hatten, die eine Lebenskrise durchlebten, gemobbt wurden, Freunde verloren haben oder von Abschiebung bedroht waren. Zumindest in Ansbach und Würzburg sollte eher unglücklich verlaufenen Leben mit dem Plan, im Namen des IS möglichst viele Menschen mit in den Tod zu nehmen, wohl noch irgendeine (abstruse) Bedeutung verliehen werden.

Das persönliche Umfeld der Attentäter reagiert derweil fassungslos: Damit hatte niemand gerechnet. Wenn es so etwas wie eine gute Antwort der Gesellschaft auf Gewalt und Terror geben kann, dann sollte sie vielleicht aus einem Mehr an gegenseitiger Rücksichtnahme und Anstand und einem Weniger an Verrohung, Rücksichtslosigkeit und Hass bestehen.

Friedens- und nachhaltigkeitspolitische Maßnahmen

Und das wohlgemerkt nicht nur zwischen "Alteingesessenen" und Zuwanderern. Freilich gewährt dies leider keine Garantien, dass Terroranschläge oder Amokläufe zukünftig verhindert werden können.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Was den Staat angeht, so stellen sich Regierungsverantwortliche natürlich die Fragen, wie mit polizeilichen und innenpolitischen Mitteln die Sicherheit der Bürger erhöht und wie auch außerhalb der Grenzen Deutschlands der Terrorismus bekämpft werden kann.

Wenn es um Überwachung und militärisches Engagement geht, ist allerdings Vorsicht geboten. Auch hier wird eine "Hau-Drauf"-Vorgehensweise nichts bringen. Mit militärischen Mitteln alleine ist dem Terrorismus nicht beizukommen und auch mehr Überwachungsmaßnahmen können Terrorakte nicht zu hundert Prozent verhindern.

Nur wenn Deutschland und Europa auch auf(mehr)entwicklungs-, friedens- und nachhaltigkeitspolitische Maßnahmen setzen, gibt es eine Chance, den Terrorismus effektiv zu bekämpfen. Denn Armut, Repression und Unterentwicklung sind gute Kameraden des Terrorismus.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Über die Rolle dieses Mannes beim Münchener Attentat ist bislang viel zu wenig gesprochen worden

Über die Rolle dieses Mannes beim Münchener Attentat ist bislang viel zu wenig gesprochen worden

Lesenswert: