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Brauchen wir auch eine Obergrenze für Klimaflüchtlinge?

02/12/2017 15:10 CET | Aktualisiert 02/12/2017 15:10 CET
PhotoTalk via Getty Images

Bei den gescheiterten Jamaika-Sondierungen hat es ja insbesondere bei den Themen Klima und Migration immer wieder heftig gekracht. Während die Grünen sich bei anderen Parteien für Verpflichtungen zu (deutlich) mehr Klimaschutz durchsetzen wollten, beharrte vor allem die CSU auf der "Obergrenze" und einer strikten Regelung beim Thema Familiennachzug.

Dabei sorgen gerade die vermeintlichen Wechselwirkungen zwischen den beiden Themenbereichen Klima und Migration für große Befürchtungen: Immer wieder ist in den Medien zu lesen, dass wir in den kommenden Jahrzehnten mit mehreren hundert Millionen Klimafküchtlingen rechnen müssen, von denen sich ein Großteil auch auf den Weg nach Europa machen könnte.

Es würde sich also um gigantische Migrationsbewegungen handeln. Dagegen wäre die Situation von 2015, dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise, nur ein laues Lüftchen. Müssen wir in Deutschland und Europa also fest mit diesem gigantischen Ansturm rechnen?

Ergebnisse jüngerer Forschungen zum Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration lassen Zweifel daran aufkommen.

Der Klimawandel trifft besonders arme Bevölkerungsgruppen in Entwicklungs- und Schwellenländern, zu denen Kleinbauern, Viehhirten oder städtische Arme gehören. Diese Bevölkerungsgruppen haben zum Teil nicht die notwendigen Ressourcen, um überhaupt irgendwohin migrieren zu können.

Diese auch als "trapped populations" bezeichneten Menschen leiden wahrscheinlich am heftigsten unter den Auswirkungen des Klimawandels. Dazu zählen nicht nur Gefahren für Leib und Leben durch zunehmende Überflutungen oder Wirbelstürme, sondern zum Beispiel auch Hunger in Folge von Ernteausfällen. Diese wiederum werden durch sich ändernde Regenzeiten stetig begünstigt.

Wenn durch die Auswirkungen klimatischen Wandels, gepaart mit generell ziemlich kargen Lebensbedingungen, Menschen migrieren, dann tun sie dies zumeist innerhalb der Grenzen ihrer eigenen Herkunftsländer und das auch noch eher zeitlich begrenzt. Mit einer gigantischen Welle von klimabedingten Migranten ist in Europa allzu bald nicht zu rechnen. Die Migration, die aus Afrika in Richtung Europa stattfindet, hat kaum etwas mit dem Klimawandel zu tun, sondern vielmehr mit sich stark vermischenden wirtschaftlichen und politischen Faktoren.

Das heißt nun mit Sicherheit nicht, dass wir die Themen Klimawandel und Klimaschutz ruhig mal etwas lockerer angehen könnten. Natürlich sind die Probleme der Ärmsten dieser Welt auch von - vorsichtig formuliert - nicht immer sehr verantwortlich handelnden Regierungen vor Ort, dem Erbe des Kolonialismus und anderen Faktoren bedingt.

Aber Fakt ist auch, dass insbesondere die Industrieländer mit ihren seit nunmehr fast zwei Jahrhunderten andauernden Treibhausgas-Emissionen die Probleme und Notlagen dieser Menschen arg verschärfen. Dies sollten wir uns stets bei Debatten um Klimaschutzmaßnahmen vor Augen führen, auch wenn sich die Hauptbetroffenen des Klimawandels eben nicht in Millionenschaaren auf den Weg nach Europa machen.

Klimaschutz ist nicht nur dazu gedacht, um unsere Kinder und Enkel vor einem allzu sehr aus dem Ruder gelaufenen Weltklima zu bewahren. Es hat auch viel mit globaler Verantwortung zu tun.

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