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Deutschland, ein Entwicklungsland - Innovationspotential von neuen Technologien und Startups wird verschenkt

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Sudowoodo via Getty Images
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  • 82 Prozent aller Startup Exits weltweit gehen in die USA
  • Nur 43 deutsche Corporates haben zwischen 2012 und 2016 überhaupt eine nennenswerte Startup-Akquisition getätigt
  • Deutsche Unternehmen kaufen dreimal weniger Startups als Britische Unternehmen

Germantech Digital, hat internationale Zahlen zum Thema Startup Exits und Corporates analysiert, zusammengestellt und daraus eine Infografik erstellt. Daraus ist klar ersichtlich, dass etablierte Unternehmen in Deutschland sehr zurückhaltend beim Kauf von Startups sind. Wenn man bedenkt, dass Startups ein starker Innovationstreiber sind, ist das ein erschreckendes Ergebnis.

Im Untersuchungszeitraum 2012-2016 wurden insgesamt 287 deutsche Startups gekauft. Rund ein Drittel (93 Stück) davon ging an ausländische Käufer. Die verbleibenden zwei Drittel (194 Startups) blieben in deutscher Hand, aber nicht einmal die Hälfte (90 Stück) davon wurde von deutschen Unternehmen gekauft. Generell haben nur 43 deutsche Corporates, also etablierte Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, überhaupt nennenswerte Startup-Akquisitionen durchgeführt.

Wenn es um Exits - also der Übernahme eins Unternehmens - geht, ist Deutschland im Vergleich zu den USA ein Entwicklungsland - sowohl bei Käufern als auch bei der Herkunft der Startups. Während zwischen 2012 und 2016 in den USA 4654 Startups den Besitzer wechselten, waren es in Deutschland gerade einmal 166.

Deutsche Unternehmen kaufen dreimal weniger Startups als Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich (471), obwohl das deutsche Bruttoinlandsprodukt um fast die Hälfte größer ist (42 Prozent).

Unter den Startup-Käufern innerhalb der EU ist die deutsche SAP die Nummer eins, aber mit Zalando schafft es nur ein weiteres deutsches Unternehmen in die TOP 15 und besetzt dort gerade einmal den letzten Platz.

82 Prozent aller Startup-Exits finden in den USA statt, 18 Prozent in der Europäischen Union. Auf den Rest der Welt entfallen nur acht Prozent der Exits zwischen 2012 und 2016.

Eine Umfrage gibt Aufschluss, welche Gründe für die Zurückhaltung bei Corporates beim Kauf von Startups eine Rolle spielen könnten. Allen voran sind die unterschiedlichen Arbeitsweisen bei Unternehmen und Startups ein Problem.

Konflikte zwischen Gründern und Unternehmensmanagement einhergehend mit dem Verlust von Entscheidungsfreiheiten sind ebenfalls problematisch. Technische Hürden im Bereich der IT aber auch Diskussionen zum Datenschutz stellen Probleme dar. Auch der Verlust des Führungsteams des Startups nach der Akquisition wird von Corporates gefürchtet.

Es gibt aber auch positive Signale. Einige Unternehmen haben verstanden, dass ihnen Startups bei der notwendigen Veränderung und Innovation helfen können. Dabei greifen sie auch mal recht tief in die Tasche: So hat im Jahr 2015 Adidas das Fitness-Startup Runtastic erworben und dafür 220 Millionen Euro bezahlt. Imselben Jahr hat der Medienkonzern ProSiebenSat.1 das Vergleichsportal Verivox für 210 Millionen Euro akquiriert.