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Der neuste Vorschlag der Grünen zeigt, wie realitätsfern die Partei inzwischen geworden ist

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dpa
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In Deutschland kündigt sich gerade der spannendste Wahlkampf seit Jahren an. Union und SPD liegen in Umfragen gleichauf. Und endlich erleben wir wieder eine politische Debatte im Zentrum unserer Gesellschaft: Die Frage etwa, wie gerecht unser Land wirklich ist.

Nur eine Partei will bei alledem nicht mitmachen: Die Grünen. Die Partei argumentiert auf merkwürdige Weise am Lebensgefühl der meisten Menschen vorbei.

Kein Wunder, dass die Grünen in Umfragen auf zuletzt sieben Prozent eingebrochen sind. In einem nächsten Schritt könnte die Partei sogar hinter die FDP zurückfallen.

Im grünen Parallel-Universum

Kein Wunder. Denn die Grünen scheinen sich in ein politisches Parallel-Universum verabschiedet zu haben.

Das zeigt auch der jüngste Vorschlag eines Grünen-Politikers. Er fordert die Deutschen zum "Autofasten" auf. Sie sollen in der Fastenzeit ihr Auto stehen lassen.

Während der 40 Fastentage sollten die Bahn und regionale Verkehrsträger allen "Autofastern" Sonderrabatte gewähren, um neue Kunden anzulocken, sagte der Grünen-Verkehrsexperte, Stephan Kühn, der dpa.

Keine Frage: Dass die Deutschen weniger Autofahren sollten, ist ein richtiger und wichtiger Vorstoß. Mit Kühn plädieren auch das Bundesumweltamt und die Kirchen für das "Autofasten". Sogar der ADAC findet die Aktion richtig.

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Das Problem ist: Die Grünen gehen mit ihrem Vorstoß in der öffentlichen Wahrnehmung (wieder einmal) an der Debatte vorbei.

Denn Deutschland diskutiert über soziale Gerechtigkeit, über Integration, ja, auch darüber, was für ein Land wir in Zukunft sein wollen. Aber die Grünen haben nichts besseres zu tun, als über "Autofasten" zu fantasieren.

Da kommen Gedanken an den Veggie-Day hoch.

Mehr zum Thema: Palmer kritisiert eigene Partei: "Haben keine Antwort auf Wunsch nach mehr Schutz"

Die Grünen inszenieren sich damit wieder einmal als Verbots- und Miesmacher-Partei. Eine Partei, die eine Zukunft über Regeln und Verbote gestalten möchte und nicht mit einem positiven Blick nach vorn.

Vor allem aber als eine Partei, die an den Gedanken, Bedürfnissen und Fragen der meisten Menschen vorbeidebattiert.

Das ist ein Problem.

Eigentlich sind die Grünen dringend gefordert

Denn die Grünen würden in der aktuellen Debatte dringend gebraucht. Sie sind die Partei, die ein Konzept für eine grüne Wirtschaft präsentieren könnte, die sozial und nachhaltig ist.

Die Grünen sind eine Partei, die nach vorne schauen könnte und nicht nach hinten wie Martin Schulz mit seinen Agenda-Reform-Vorschlägen.

Mehr zum Thema: Umfragewerte: Die Grünen stürzen auf neuen Tiefstand

Die Grünen sind die Partei, die die Jüngeren mit großen Ideen abholen könnte, während Martin Schulz mit seinen miliardenteuren Rentenvorschlägen eher die Älteren anspricht.

Aber vielleicht müssen wir uns daran gewöhnen, dass die Grünen neuerdings immer sagen, was nicht geht - und nicht, was geht.

Es wäre schade um die einst so fortschrittliche Partei.

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(lp)