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Radioplayer.de: Der alte Sums, nur neu verpackt

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Vor knapp drei Monaten habe ich mein erstes Webradio in Betrieb genommen: 24 Stunden pro Tag ein Live-Musik Mix mit bisher vereinzelten Live-Sendungen. Für jeden Amateurfunker ohne das Marketing-Budget der Verlagshäuser ist es wichtig, bei zentralen Webdiensten gelistet zu werden: radio.de, tunein.com etc.

Dort suchen potentielle Hörer nach ihren Musikgenres, Umgebung oder Sendernamen und die Apps gibt es für jedes Endgerät. Internetradiogeräte haben solche Listen dann auch mit eingebaut, so dass die Genre-Suche nach Sendern auch wie beim alten Küchenradio funktioniert.

Webradio Sendestudio

Relativ neu auf dem Markt ist Radioplayer.de, eine deutsche Entwicklung nach dem Vorbild des UK Radioplayers. Bei der Entwicklung ging es laut Radioszene.de nicht so sehr darum, ein deutsches Konkurrenzprodukt zu schaffen, als "zunächst einmal einfach nur die Kontrolle über die eigenen Inhalte sprich Streams und Podcasts zu garantieren".

Bisherige Anbieter wie radio.de listen auf Nachfrage jede Art von Radiosender und spielen dafür vor Beginn des Live-Streams häufig einen kurzen Werbespot, um deren Angebot refinanzieren zu können. So ganz stimmt die Behauptung also nicht, dass die Kontrolle über die Inhalte nicht vorhanden wäre: Sie ist und war es zu jeder Minute, nur eben mit einem kleinen zusätzlichen Werbespot. Und Statistiken können beim Einsatz moderner Streamingsoftware über Hörer auch jederzeit auf Senderseite erhoben werden, trotz der Wiedergabe über tunein.com und Konsorten.

Warum es Radioplayer.de wirklich geht, wird deutlich, wenn eine kleine Webradiostation gelistet werden möchte: "Leider reicht eine Webradioanmeldung bei der Landesmedienanstalt noch nicht für eine Aufschaltung bei radioplayer.de. Hier braucht man von der Landesmedienanstalt eine UKW oder DAB+ Zulassung", heißt es da in der Antwort des Supports von Radioplayer.de.

Diese neue Vereinigung deutscher Radiosender ist eben nur ein Exklusiv-Club an Stationen, die bereits in der Hand von Verlagen liegen oder dem öffentlich-rechtlichen Kader angehören. Man möchte also mehr Aufmerksamkeit auf das Netzprodukt der typisch-deutschen Radioszene lenken und andere Plattformen mit Konkurrenzprodukten etwas die Sicht versperren - denn jetzt gibt es ja die neue deutsche Radio-App, mit der du alle deutschen Radioprogramme empfangen kannst, das wolltest du doch, oder?

Es ist verständlich, dass sich das Community-Projekt traditioneller Radiounternehmen vor der Amerikanisierung der deutschen Medienlandschaft schützen möchte: In Amerika gibt es schließlich viel mehr Angebote in TV und Radio als es hierzulande jemals möglich wäre. Die Lizenzierungspolitik für Medien ist dort eine ganz andere, die aus einer Communitytradition nach technischer Entwicklung bei Universitäten etc. gewachsen ist.

In Deutschland war das Senden seit der Erfindung der Radioübertragung schon immer stark reglementiert, denn schließlich könnte ja sonst jedermann einfach seine Meinung an eine Vielzahl von Menschen weitergeben - beim Teutates, das muss kontrolliert werden! Seit heute hat sich diese Tradition leider immer noch gehalten: Kontrolle statt Kreativität, Lizenzierung statt Wettbewerb.

Was passiert, wenn sich zwei streiten? Der Dritte freut sich: Spotify hat Musik und Podcasts, keine Morning-Show und wer zahlt, auch keine Werbung. Und genau hier wäre der ratsamere Ansatz zu suchen: Kein kontrolliertes Netzprodukt auf den Markt schmeißen, wenn dahinter die gleichen langweiligen linearen Programme laufen, die keine Inhalte für verschiedene Zielgruppen liefern können - und der 2:30 Minuten Beitrag zum neuen Kinofilm ist kein Inhalt.

Stattdessen müsste man sich über jedes lineare Programm freuen, das das Image von Radio ein klein wenig aufpoliert, weil es das Produkt Radio nun noch mehr unterschiedliche Menschen ansprechen kann - und ab sofort auch in einer App von allen deutschen Radiosendern gemeinsam. Ach, Moment, eigentlich gibt es solche Apps ja schon.

Lang lebe die Kontrolle!

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