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"Die Abgase gefährden die Gesundheit unserer Kinder": Ein Münchner Vater schlägt Alarm

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TRAFFIC JAM MUNICH
Reuters Photographer / Reuters
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Jetzt ist es offiziell. Die Kreuzung vor meiner Haustür ist einer der dreckigsten Orte Münchens - und wahrscheinlich einer der dreckigsten in Deutschland.

Fast nirgends ist die Luftbelastung durch Dieselabgase höher. Das besagt eine Studie, die am Dienstag von der bayerischen Landesregierung veröffentlicht wurde.

Der Baldeplatz gilt als beliebter Treffpunkt für Familien, denn er ist nur wenige Meter vom Ufer der Isar entfernt. Allein bei uns im Haus wohnen 21 Kinder.

Staus, Abgase, Verkehrsunfälle

Klingt eigentlich nach einer kleinen Familienidylle. Wenn da nicht die ständigen Staus, die hohe Feinstaubbelastung und die regelmäßigen Verkehrsunfälle wären. Denn der Platz ist von einer Doppelkreuzung und einer vierspurigen Straße mit zwei Radwegen umgeben.

Klar ist: Die Abgase und das Verkehrschaos in München gefährden die Gesundheit unserer Kinder.

Dabei wäre das Gegenteil mit etwas Einsatz leicht zu erreichen. Eine Großstadt, die das Wohlbefinden unserer Kinder nicht leichtfertig auf's Spiel setzt.

Zahlreiche deutsche Städte teilen diese Probleme mit der Metropole an der Isar. Die Folgen, besonders der Luftverschmutzung, sind dramatisch: Allein die Feinstaub-Belastung führt jährlich zu mehr als 30.000 vorzeitigen Todesfällen in Deutschland, warnt das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Uns sollte das - auf bayerisch gesagt - grantig machen. Als ob wir es nicht schon immer gewusst hätten.

Als ob Aktivisten und Experten die Verantwortlichen der Bezirks-, Stadt- und Landespolitik nicht schon zehn Mal darauf hingewiesen hätten. Doch was ist bis dato passiert? Nichts.

Mehr zum Thema: Mit dieser radikalen Maßnahme will Münchens Oberbürgermeister gegen die Luftverpestung kämpfen

Wann wird die Stadt- und Landespolitik endlich handeln? Wann werden SPD und CSU sich endlich aus den sklavischen Fängen der Autoindustrie befreien und wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz der Stadtbevölkerung ergreifen?

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Ziel muss es sein, den Durchgangsverkehr innerhalb des Mittleren Rings aus der Stadt rauszuhalten - so wie es jede verantwortungsbewusste Stadtregierung in anderen europäischen Großstädten längst handhabt oder zumindest plant.

In den vergangenen zehn Jahren hat Kopenhagen rund 120 Millionen Euro in neue Radwege und eine fahrradfreundliche Infrastruktur investiert. Das Fahrrad ist jetzt das schnellste Fortbewegungsmittel in Kopenhagen. Die Investitionen haben sich gelohnt: Kopenhagen hat nach Zürich die sauberste Luft von Europas Großstädten.

In München könnte man dann anstelle stinkender Straßenkreuzungen wie vor meiner Haustür, öffentliche Stadtplätze errichten. Denn davon würde jeder profitieren. Die Umwelt, die Stadtbewohner und unsere Kinder.

Benjamin David ist Gründer des Münchner Vereins "die urbanauten" und Vater von zwei Kindern. Seit mehr als 23 Jahren engagiert er sich in der Umwelt- und Kulturszene.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

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