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Fleisch kommt in unserer Kita nicht auf den Tisch

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KINDER ESSEN
Gettystock
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Wem das Wohlergehen seines Kindes am Herzen liegt, der hat bei seiner Erziehung natürlich auch immer die richtige Ernährung im Blick. Was isst mein Kind, wann und wie viel?

Schwieriger wird es, wenn das Kind viel Zeit in einer Kindertagesstätte verbringt. Denn in vielen Kitas steht kostengünstiges Fertigessen auf der Tageskarte.

Ich selbst leite eine Tagesstätte in Basel in der Schweiz. Bei uns ist die Beziehung zu unserem Essen etwas besonderes.

Es gibt lediglich Speisen aus biologischer Herstellung und Landwirtschaft bis hin zu biologisch-dynamischen Produkten - und noch etwas ist anders: Fleisch kommt bei uns nicht auf den Tisch. Das hat verschiedene Gründe.

Es wäre moralisch verwerflich, ein totes Stück Kuh auf dem Teller zu servieren

Ich kenne viele Kollegen aus anderen Betrieben, die sich entweder ihr eigenes Essen mitbringen oder das Mittagessen komplett auslassen.

Mehr zum Thema: Das passiert mit deinem Körper, wenn du aufhörst, Fleisch zu essen

Das vom Lieferdienst gebrachte Essen bekommt ihnen schlecht oder entspricht nicht ihrem Geschmack. Die Kinder müssen es natürlich essen, die haben keine andere Wahl.

Ich halte das für höchst fragwürdig. Essen sollte doch allen gleich viel Spaß machen, den Kindern sowie den Erziehern auch.

Wir haben uns daher ganz bewusst entschieden, nur vegetarisches Essen auf den Speiseplan zu setzen. Immerhin bringen wir den Kindern auch bei, keine Insekten zu quälen. Da wäre es moralisch verwerflich, ein totes Stück Kuh auf dem Teller zu servieren.

Eltern und Kinder berichten von positiven Folgen

Außerdem gibt es so auch keine Streits um bestimmte Vorlieben oder kulturell bedingte Ernährungsweisen. Während in anderen Kitas um Schweine- oder Rindfleisch gestritten wird, müssen wir uns nur darum kümmern, dass unsere vegetarische Speisen die höchstmögliche Qualität haben.

Eltern und sogar Kinder haben mir schon von den positiven Folgen dieser Ernährung berichtet. Früher seien Magenbeschwerden und Durchfall sehr häufig vorgekommen. Inzwischen treten diese Symptome weniger auf.

Das sind natürlich nur subjektive Beobachtungen. Trotzdem bemerken wir in der täglichen Arbeit mit den Kindern ein ausgeprägtes Zufriedenheitsgefühl und eine gewisse Ausgeglichenheit nach dem Essen. In Kitas in denen ich früher gearbeitet habe, war das oft nicht der Fall.

Die Kinder sollen lernen, dass Tiere Lebewesen sind

Genauso verbringen wir zusammen mit den Kindern Zeit in der Küche und bereiten die Speisen frisch zu. Auch der Besuch auf einem Bauernhof und das Ziehen von eigenen Kräuter- und Gemüsesorten gehört zum Alltag dazu.

Mehr zum Thema: "Mama, warum hast du mir nie gesagt, woher Fleisch kommt?"

Die Kinder sollen so den Prozess verstehen, den eine Paprika aus dem Garten bis auf ihren Teller zurücklegt. Zwingen tun wir natürlich niemanden. Wir regen die Kinder lediglich an, Neues auszuprobieren.

Das Essen ist nicht an irgendwelche Bestimmungen oder Belohnungen geknüpft. Sie sollen gesunde Nahrung probieren, weil sie schmeckt und nicht, weil sie dafür eine Stunde länger Fernsehen dürfen.

Unser Ziel ist es, den Kindern Gemüse als Hauptbestandteil der Ernährung näher zu bringen. Wir wollen Fleisch auch gar nicht dämonisieren. Doch die Kinder sollen lernen, dass Tiere Lebewesen sind, die man mit Respekt behandelt - und bevor wir ihnen Fleisch aus Massentierhaltung vorsetzen, bieten wir lieber gar keins an.

Der Beitrag wurde von Julius Zimmer aufgezeichnet.

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