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Bené Wheeler hat für seinen Lebenstraum alles geopfert - das können wir von ihm lernen

12/04/2017 18:04 CEST | Aktualisiert 13/04/2017 11:17 CEST
Bene J Wheeler

Ich könnte morgen tot umfallen und es wäre okay für mich. Denn ich habe alles in meinem Leben erreicht. Ich bin absolut zufrieden und erfüllt. Wie viele Menschen können das von sich behaupten?

Mein Name ist Bené J. Wheeler, ich bin 37 Jahre alt. Meine "Arbeit" besteht darin, die Welt zu bereisen und ein einfaches aber großartiges Leben zu führen - auf dem Fahrrad.

Das Fahrrad ist das Einzige, woran ich denke

Wir alle haben den Fahrschein für ein besseres Leben in unserer Jackentasche, wir müssen ihn nur herausziehen und einlösen. Bei mir war dieses Ticket das Fahrrad. Ich glaube, dass das Fahrrad die Antwort zu allem ist. Es ist das Einzige, woran ich denke - Tag und Nacht. Es ist der Sinn meines Lebens. Ich will, dass sich die Menschen wieder mehr mit den Dingen beschäftigen, die ihnen wirklich wichtig sind.

Seitdem ich 16 war, habe ich immer irgendetwas gearbeitet. Meist waren es Gelegenheitsjobs oder Saisonarbeit auf einem Fischkutter, dessen Kapitän mein Vater war. Er lebte mir vor, wie es wohl sein mag, wenn man mal älter ist. Die tägliche Arbeit, der Trott, waren für mich etwas völlig Normales.

This was nice!

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Den ganzen Tag arbeiten, dann etwas essen, schlafen und am nächsten Tag geht es weiter. Es war nicht mein Lebensentwurf, doch das Gute an dem Job war, dass ich im Winter immer für ein halbes Jahr frei hatte.

Dadurch entdeckte ich das Reisen für mich und in der kalten Jahreszeit jagte ich stets der Sonne hinterher - immer dorthin, wo es warm war. So ging das relativ lange, bis ich anfing zu studieren. Ernährungswissenschaften in Neuengland, an der Ostküste der Vereinigten Staaten, wo auch meine Eltern herkommen.

Bereits damals hatte ich eine unglaubliche Passion für Fahrräder. Ich bin ungefähr 15 Jahre lang Rennrad gefahren. Irgendwann professionalisierte ich meine Leidenschaft und nahm an Radrennen teil. Ich hatte eine kleine Hoffnung, irgendwann davon leben zu können, doch es klappte nicht.

Es geht um die Reise, nicht um das Ziel

Vielleicht auch deshalb, weil ich nie die Ambitionen dazu hatte, mich mit anderen Menschen zu messen. Dieses Konkurrenzdenken habe ich nicht. Mir geht es bei allem, was ich tue, um die Leidenschaft - um das, was das Leben ausmacht. Dieses innere Feuer. Es geht mir um die Reise selbst, nicht um das Ziel.

Als ich 25 war hatte ich meinen Abschluss in der Tasche. Es folgten zahllose Gelegenheitsjobs und ich ging auch wieder in die Saisonarbeit. Dann dachte ich darüber nach, mir einfach irgendwo einen Job zu suchen, wo es warm ist und der mich erfüllt.

Hi!

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Ich konzentrierte mich auf das, was mir Spaß macht - und das war nun mal das Fahrrad. Also habe ich einfach beides miteinander verbunden. Und tatsächlich: Es hat funktioniert.

Gerade wenn du jung bist, hast du noch diese Unbeschwertheit, herumzuexperimentieren. Finde heraus, was gut für dich ist, was sich gut anfühlt - und dann tu es einfach.

Das Witzige ist, dass ich inzwischen genau damit Geld verdiene. Ich bekomme Geld von einem Sponsor, weil ich ein ewiger Camper bin - ein Camper auf dem Rad.

Manchmal ist es einfach besser, keinen Plan zu haben

Früher habe vor einer Reise immer alles durchgeplant. Inzwischen finde ich, dass es der ganzen Sache aber den Spaß nimmt. Man konzentriert sich nur noch auf den Plan und kommt nicht mehr in den Genuss der Reise selbst.

Außerdem kann ich so die Zeit nach Belieben ausdehnen. Wenn es mir an einem Ort gut gefällt, dann bleibe ich einfach länger dort. Manchmal ist es einfach besser, keinen Plan zu haben. Ich nehme die Möglichkeiten wie sie kommen, jage dem guten Wetter nach.

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Morgen früh geht es nach Kansas, wo ich die nächsten Wochen verbringen werde. Dann geht es weiter nach Colorado und im Sommer in die Schweiz. Ich bereise die ganze Welt, doch mein absoluter Favorit ist Südwest-Colorado im Sommer.

Die alten Wege der Minen, die Berge und Hügel, die tolle Landschaft und atemberaubenden Sonnenuntergänge.

Typhoons make for good sunsets, but deplorable UV indexes. It's been fun Seattle! @iamspecialized_adv @velocityusa

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Ich brauche nicht viel Geld. Wenn du da draußen in der Wildnis bist, dann brauchst du nicht viel - wofür auch? Du kannst es sowieso nicht ausgeben. Es gibt viel wichtigere Dinge als das. Und dafür lebe ich.

Ich bin sozusagen professioneller Camper. Wenn ich unterwegs bin, dann nie mit dem Auto. Ich versuche überall mit dem Rad hinzufahren, wenn die Distanzen zu weit sind oder es ununterbrochen regnet, dann nehme ich den Zug.

Sich den Dogmen der Gesellschaft entziehen

Die Gesellschaft drängt uns auf, dass wir ab einem bestimmten Alter bestimmte Dinge getan haben müssen. Die gängige Meinung ist: Wenn du Mitte 30 bist, dann solltest du einen anständigen Job, eine tolle Frau, eine eigene Wohnung oder ein Haus und am besten noch Kinder haben. Doch das ist vollkommener Blödsinn!

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Vielleicht klappt das für manche Menschen ja prima, vielleicht mögen es manche auch so, doch für mich ist dieses Lebensmodell schlichtweg antiquiert.

Denn wenn du dann nach Jahren voller Arbeit und Entbehrungen endlich dein Haus abbezahlt hast und in Rente gehst, dann hast du nur noch verhältnismäßig wenig Zeit dafür, die Früchte deines langen Arbeitslebens zu genießen.

💥bikes!💥 📷 @warrenkommers

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Wir denken oft nicht darüber nach, dass es auch alternative Lebensmodelle gibt. Ich habe bemerkt, dass ein Haus, eine Frau und Kinder einfach nicht zu meinem Lebensentwurf passen.

Ich gehe jeden Abend vollkommen sorgenfrei schlafen. Es gibt nichts, über das ich mir Gedanken machen muss, nichts was mich belastet. Das ist ein unglaubliches Privileg und ich bin sehr dankbar dafür.

Ich habe es nie bereut, diesen Schritt getan zu haben. Es war die beste Entscheidung meines Lebens.

The Sharper Image of Camping™

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Was die Zukunft betrifft? Ich denke manchmal darüber nach, was passieren könnte, wenn mir irgendetwas zustößt und ich nicht mehr so viel unterwegs sein kann, wie ich es jetzt bin.

Doch dann denke ich: Okay, sollte so etwas passieren, dann arbeite ich wohl wieder in irgendeinem Fahrradladen. So wie ich es getan habe, bevor ich ein Profi-Reisender geworden bin.

Ich finde, da gibt es durchaus Schlimmeres als das. Es gibt immer einen Weg, egal wie groß die Steine auch sein mögen, die uns das Schicksal in den Weg legt.

Ich wache jeden Tag mit einem Lächeln auf - und alleine das zeigt mir, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Dieses Gespräch wurde von Maximilian Marquardt aufgezeichnet.

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(lk)