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Viele der Flüchtlinge, überwiegend Muslime, sind ungebildet - sie brauchen Orientierung und Druck bei der Integration

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dpa
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Drei Dinge, die bei der völlig entgleisten Religionsdebatte im Umfeld der Zuwanderung von Muslimen aus meiner Sicht nicht herausgearbeitet werden und die ich - natürlich hier nur zugespitzt möglich - sagen möchte, um die Priorität klar zu machen, die meiner Meinung nach eigentlich gesetzt werden müsste: Aufweichung dieser unseligen bipolaren Freund-Feind-Denke, bevor gefährliche, fremdenfeindliche Stimmungen und Ereignisse sich immer mehr in der Gesellschaft einbrennen und ausbreiten:

Diese drei Dinge müssen herausgestellt werden

1.) Wir haben bei uns vor langer Zeit das Zeitalter der Aufklärung durchlaufen, das heißt einen mühevollen Prozess der Emanzipation von jeder Art von Autorität in Gang gesetzt und damit erreicht, dass wir vernunftbetont, kritisch und selbstbestimmt im gesellschaftlichen Leben miteinander umgehen können. Das Individuum trägt die alleinige Verantwortung für sein Handeln und muss auch die Konsequenzen tragen, die sich aus seinem Handeln entwickeln können. Nichts wird mehr nach "oben" delegiert, im Sinne von "der liebe Gott wird's schon richten, beten reicht".

2.) In der Folge muss klargestellt werden, dass im Islam, der besonders für die bildungsferne Schicht der Muslime die Hauptorientierung darstellt, es genau andersherum funktioniert: das Individuum gilt nichts, die Familie (der Clan) gilt alles, und alles weitere steuert Allah. Kritisches Denken, sorgfältiges Hinterfragen, kontroverses Diskutieren ist unerwünscht. Wer keine Bildung hat - und sehr viele der Flüchtlinge, die ja überwiegend Muslime sind, haben keine nennenswerte! -, benötigt jemanden, der Orientierung gibt, einfache Regeln erstellt, diese einfordert und dafür Belohnungen verspricht.

3.) Daraus ergibt sich: In unserer säkularen Gesellschaft spielt Religion allgemein, die Beschäftigung damit und die Ausübung derselben, eine untergeordnete Rolle. Religion ist bei uns Privatsache, Punkt. Das muss klar herausgearbeitet werden. Wird es aber nicht. Nirgendwo. Ich habe zum Beispiel kürzlich einem irakischen Geschäftsmann deutlich gesagt (natürlich in einer Unterhaltung über dies und das eingebettet), dass wir in Deutschland in einer Wissensgesellschaft leben und nicht in einer Glaubensgemeinschaft. Seine Reaktion war sehr arabisch, aber ich glaube, dass er es verstanden hat. Allerdings ist er gebildet (Physiker).

Der Islam ist ein Mittel, die Gläubigen mit erhobenem Zeigefinger bei der Stange zu halten

Es führt meines Erachtens völlig am Problem vorbei, wenn wir ständig und bis zum Erbrechen über irgendwelche Islamexperten (meistens kennen sie den Islam nur aus Büchern) versuchen, in die Tiefen dieser Religion vorzudringen und die Bevölkerung damit immer mehr dagegen aufbringen und sie damit vor allem aufs falsche Gleis schieben.

Der Islam ist, wie jede andere Religion auch, ein Mittel, die Gläubigen mit erhobenem Zeigefinger bei der Stange zu halten - natürlich ist diese Ausprägung im Christentum nicht mehr so furchterregend, aber der Ansatz ist der gleiche. Manche nennen es ja Lebenshilfe, ich nenne es Repression.

Wir müssen zu Beginn eines jeden Integrationsprozesses von ungebildeten Muslimen unbedingt Druck ausüben - so schwer es uns auch fallen mag, da wir ja dann genau das tun, was wir entsprechend unserer Sichtweise auf eigenverantwortliches Handeln eigentlich nicht wollen. Leider sind diese Menschen aber anders sozialisiert, sie brauchen eine Orientierung, ihnen fehlt schlicht das Handwerkszeug sich bei uns zurecht zu finden.

Man kann daher am schnellsten wünschenswerte Integrationsergebnisse erzielen, wenn man die drei Punkte oben kommuniziert, durch ständiges Wiederholen darauf dringt, diese Punkte - und alles, was sich daraus an Konsequenzen ergeben muss - nicht nur auswendig zu lernen, sondern sie auch zu internalisieren. Das heißt: aus diesen Punkten oben müssen Regeln erstellt und kulturell passend formuliert werden.

Sie haben ständig Angst vor Konsequenzen

Dann müssen diese Regeln eingefordert werden. Ich habe im muslimisch geprägten Ausland oft bei der Arbeit erlebt, wie hervorragend Muslime auswendig lernen, sich an irgendeinen "Sprech" anpassen, ohne dass man zunächst bemerkt, dass im "Oberstübchen" eigentlich gar nichts hängen geblieben ist - sie müssen so sein, anders überleben sie nicht. Die Devise heisst: immer so reden, dass man beim jeweiligen Diktator oder Clan-Chef nicht neben runter fällt.

Sie müssen sich laufend - oft existenzsichernd - die Frage stellen: Wer hat wo das Sagen? Sie hinterfragen nicht öffentlich und ziehen keine eigenen Schlüsse daraus, weil sie es nicht dürfen und daher davor Angst haben.

Sie haben ständig Angst vor Konsequenzen, und deswegen kriegt man aus ihnen auch kaum belastbare Daten, aufrichtige Sichtweisen etcetera heraus - es sei denn, es besteht ein seit Jahren verfestigtes, unerschütterliches Vertrauensverhältnis.

Es braucht mehr als eine Generation, um hier bei uns zu erreichen, dass ein solches belastbares Vertrauen zueinander wächst. Dringend erforderlich wäre die Erinnerung an und die Verinnerlichung von zwei Gedanken des deutschen Philosophen Immanuel Kant (1724-1804):

Der erste und umfassendste:

"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

Der zweite und konkretere:

"Selbstdenken heißt: den obersten Probierstein der Wahrheit an sich selbst suchen, also in der eigenen Vernunft."

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Es muss möglich sein, dass alle diejenigen, die sich - bedingt durch unachtsame Flüchtlingspolitik, Kontrollverlust, Überforderung der Verwaltungen und so weiter - in fremdenfeindliches Denken hineingeschraubt haben, wieder herausschrauben können.

Wir sollten uns schleunigst darauf besinnen, dass wir mit Anderen lieber wieder so umgehen sollten, wie wir gern hätten, dass mit uns umgegangen werden soll. Hierbei hilft, die persönliche Begegnung zu suchen. Darüber hat Politik keine Macht.

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