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Banken an die Macht!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
RICH BANKER EURO
Peter Dazeley via Getty Images
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Ein Jahr haben wir, zwei Elternteile und sechs Kinder, auf jeden Kompfort und sogar monatelang auf richtiges Essen verzichtet. Ein Jahr lang, in dem wir unser Leben komplett neu strukturieren mussten und wollten. Wollten, weil es so nicht mehr weiter gehen konnte...

Die Bank kommt immer zuerst!

Einziges Ziel war immer, alle Kredite und Kreditrahmen zu bezahlen, die wir so weit wie möglich reduziert hatten, weil wir vorher unglaubliches Pech hatten. Ein Bauunternehmer hatte uns fast ganz in den Ruin getrieben und sich mit einem Konkurs aus der Affäre gezogen, nur um dann mit einem andern Geschäftsführer und angeblich anderem Geschäftssitz unter demselben Namen und mit denselben Leuten wieder aufzumachen. Nur könnten wir ihn so nicht mehr belangen. Das ist die Lücke innerhalb der gesetzlichen Möglichkeiten für diejenigen, die es mit ihren Verpflichtungen nicht so genau nehmen ...

Wir wollten und wollen unseren sechs Kinder ein gutes Zuhause schenken

Wir nehmen es aber genau und wir wollten es trotzdem schaffen. Wir wollten unseren sechs Kinder ein gutes Zuhause schenken und uns unser Leben nicht nehmen lassen. Immer stand für uns im Vordergrund, rechtzeitig Geld an die Bank zu überweisen. Dafür haben unsere Kinder oft auf Gemüse und Obst verzichten müssen, auch auf andere alltägliche Dinge. Letztes Jahr haben wir so wenig Geld gehabt, dass wir fast täglich Nudeln mit Ketchup gegessen haben. Unsere Kinder haben mitgezogen. Sie wussten, dass wir alles uns Mögliche tun.

Gerade jetzt, wo es so aussieht, dass wir es schaffen können.

Seit ein paar Wochen sieht es so aus, dass wir hier im Schwarzwald, in unserem neuen Zuhause, richtig Fuß fassen können beruflich. Ab und zu war mal ein Kredit nicht bedient worden, aber wir haben das immer ganz schnell nachgeholt!

Nun hatten wir auch einen Rahmenkredit, für den wir seit Jahren Zinsen zahlen und den wir damals brauchten, um unser Fortbestehen zu sichern, als sich der Bauunternehmer aus der Affäre gezogen hatte. Wir haben immer fleißig die Zinsen gezahlt. Dieses Jahr ist zwei Mal etwas zurück gegangen und wir haben es wieder gezahlt. Was wir aber nicht mehr wussten: "Wenn auch nur einmal etwas zurück geht, darf die Bank uns diesen Kredit kündigen. Sofort und kommentarlos."

90€ sind für die Banken ein ausreichender Grund, um uns das Leben schwer zu machen.

Es handelte sich aktuell um 90€, die wir nun nicht mehr mal eben überweisen dürfen, sondern diese 90€ haben dazu geführt, dass wir ab sofort für jeden minimalen Zugriff auf unser Konto schriftlich mit der Bank kommunizieren müssen.

Der Nebeneffekt des gekündigten Rahmenkredites ist nämlich, dass wir KEINEN Zugriff mehr auf unsere Konten haben. Wir dürfen nicht mehr selbst einsehen, wann Geld reinkommt und was abgegangen ist. Das bleibt so, bis wir die 20.000€ bezahlt haben, was wir definitiv nicht können. JETZT nicht. Im Gegenteil, das bedeutete Konkurs für uns.

Nun ist die Bank uns großzügig entgegenkommen und wir dürfen 150€ monatlich zahlen für ein Jahr. Zugriff auf all unsere Konten bekommen wir aber nicht. Wir dürfen sie nicht einmal einsehen! Für das ganze Jahr nicht und darüber hinaus, bis dieser Rahmenkredit komplett abgelöst ist. Die Zinsen sind nun aber auch noch erhöht, sodass ich noch keinen Überblick habe, wieviel wir dann letztendlich nach diesem Jahr zahlen müssen. Es wird wohl mehr als 20.000€ sein.

Für uns bedeutet dieses Vorgehen - wozu die Bank zweifelsohne berechtigt ist! - eine unglaubliche zusätzliche Belastung im Alltag und auf unserem Weg, uns ein Einkommen zu erwirtschaften, das für eine acht-köpfige Familie angemessen wäre.

Recht ist weder Gerechtigkeit noch Menschlichkeit

Ich zweifele an der Menschlichkeit und an den Möglichkeiten, die wir als Einzelne so haben. Recht ist niemals Gerechtigkeit. Denn ich, als Mutter von sechs Kindern, als jemand, der jeden Tag sein Möglichstes tut, werde nur als Nummer behandelt. Mir kann man wegen 90€ den Hahn komplett abdrehen. Mit mir kann man machen, was man will. Selbst dann, wenn ich ein Recht auf Ausgleich habe und das sogar gerichtlich festgestellt wurde, wie bei den Verlusten durch unseren damaligen Bauunternehmer - es hat uns unser gesamtes Eigenkapital gekostet - habe ich als einfache Mutter und Bürgerin keine Chance, den Ausgleich zu bekommen, der eigentlich alles wieder auffangen würde, was mir jetzt zu entgleiten droht.

Ich würde mir gern eine andere Überzeugung zulegen können und davon ausgehen, dass wir in der Lage sind, menschlicher und liebevoller miteinander umzugehen. Doch auch meine Gesprächspartnerin bei der Bank meinte, dass müsse man so hinnehmen, daran könne man in der heutigen Zeit nichts mehr ändern ...

Können wir wirklich nichts mehr daran ändern? Ich weigere mich, dauerhaft daran zu glauben.

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