Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Beate Müller-Gemmeke Headshot

Mehr Zusammenhalt wagen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GRUNDEINKOMMEN
Getty
Drucken

Bisher ist das Grundeinkommen eine Vision. Die Idee ist alt, aber jetzt diskutierten in Davos sogar Spitzenmanager darüber. In Zeiten der Digitalisierung wird es überlegenswert, ob ein Grundeinkommen die Grundlage dafür sein könnte, ein menschenwürdiges Leben zu führen. In der Schweiz steht das Grundeinkommen jetzt sogar zur Volksabstimmung. Wir sollten uns darüber auch in Deutschland eine gesellschaftliche Debatte mutig und unaufgeregt erlauben.

Nicht erst die Digitalisierung stellt uns vor eine Reihe von Herausforderungen. Die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen spaltet unsere Gesellschaft in Arm und Reich. Zwar ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt insgesamt gut und das Normalarbeitsverhältnis ist in Deutschland kein Auslaufmodell. Und dennoch driftet die Arbeitswelt schon länger auseinander.

Für die Mehrheit besteht weiterhin Beschäftigungs- und Karrieresicherheit. Eine große Minderheit erlebt aber die Arbeitswelt als fragmentiert, unsicher, nicht Existenz sichernd und brüchig. Das Vertrauen in den Sozialstaat hat Risse bekommen.

Menschen sind weniger erpressbar, wenn sie wissen, dass sie im Notfall abgesichert sind

Ein Grundeinkommen könnte den Zusammenhalt in der Gesellschaft wieder stärken. Wer heute mit Hartz IV aufstocken muss, wäre mit Hilfe eines Grundeinkommens unbürokratisch und würdevoller abgesichert, als bisher. Das gleiche gilt für all jene, die in schlecht bezahlten Jobs kaum über die Runden kommen. Hier kann das Grundeinkommen einen positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt entwickeln.

Denn die Menschen sind weniger erpressbar, wenn sie wissen, dass sie im Notfall abgesichert sind. Ohne bürokratischen Aufwand federt das Grundeinkommen außerdem Lebensphasen ab, in denen Menschen kurzfristig erwerbslos sind, sich mehr Zeit für die Kinder nehmen wollen, die Eltern pflegen oder sich ehrenamtlichen betätigen wollen. Das Grundeinkommen kann auf diese Weise zu mehr Zeitsouveränität beitragen, die sich mittlerweile viele wünschen.

Noch kann niemand sagen, wie unsere Arbeitswelt zukünftig genau aussehen wird. Aber sie wird sich durch die Digitalisierung verändern. Sie wird bunter, aber auch ambivalent. Wir brauchen faire Arbeitsbedingungen und solidarische Antworten, um alle angemessen abzusichern. Ein Grundeinkommen könnte all denjenigen helfen, die im Zuge der Digitalisierung als Soloselbstständige oder Click- und Crowdworker nur über kleine Einkommen verfügen.

Es schafft aber auch Zeit, um sich weiterzubilden für neue Aufgaben. Es kann Menschen ermutigen, Neues zu wagen. Es setzt Kreativität frei und fördert Existenzgründungen in der digitalen Arbeitswelt.

Das Grundeinkommen ist kein Allheilmittel

Das heißt allerdings nicht, dass wir unsere Tradition des Sozialstaates aufgeben sollten. Das Grundeinkommen ist kein Allheilmittel. Im Gegenteil, es macht lediglich das Arbeitslosengeld II obsolet und kann auf keinen Fall alle Sozialleistungen ersetzen. Das Grundeinkommen aber schafft die Voraussetzungen für eine Sozialpolitik auf Augenhöhe.

Denn Zusammenhalt in der Gesellschaft heißt, keinen Menschen alleine zu lassen. Und das geht ohne Bevormundung, dafür mit Selbstbestimmung und mit mehr Würde. Wir sollten diese Debatte wagen und den Menschen mehr zutrauen.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: