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Unterschiedliche Bedürfnisse als Chance begreifen

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klerik78 via Getty Images
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Kommen Ihnen diese Aussagen bekannt vor?

- Sei vorsichtig!
- Pass auf, wo du hinläufst!

Jeder von uns hat sie schon zu hören bekommen oder äußerte sie. Das weibliche Geschlecht neigt zur Vorsicht und dazu gute Ratschläge zu erteilen. Wenn wir in uns selbst hineinhören, stellen wir fest, dass diese Äußerungen nicht viel bewirken.

- Kein Kind fällt freiwillig hin.
- Niemand wirft ein Glas mit Rotwein absichtlich auf der neuen weißen Tischdecke um.

Unangenehme Dinge passieren einfach, auch wenn wir gerne auf diese Erfahrungen verzichten würden.

Haben Sie schon mal Familien auf dem Spielplatz beobachtet? Die Mütter schrecken immer wieder auf, weil sie Angst haben, dass etwas passiert. Väter sind eher die Beobachter. Auch ihnen ist das Wohlbefinden ihrer Kinder wichtig, keine Frage, aber sie lassen die Kinder einfach mal machen.

Männer sind risikobereiter. Frauen neigen dazu vorsichtiger zu sein. Das weibliche Geschlecht denkt viel nach, will alles perfekt machen oder beherrschen, bevor es in die Tat umgesetzt wird. Studien belegen dieses spezifische Verhalten der Geschlechter.

In der Berufswelt bedeutet dies, dass Männer eher die Macher sind. Bei der Fragestellung: Wer hält einen Vortrag beim nächsten Event? Meldet sich das männliche Geschlecht freiwillig schneller. Ein Mann nimmt die Herausforderung zuerst an und setzt sie dann um. Manchmal auch im Bewusstsein vielleicht nur 80% dafür geeignet zu sein.

Frauen stellen in solchen Situationen erst Überlegungen an.

- Kann ich der Anforderung gerecht werden?
- Werde ich es schaffen?
- Was werden die anderen über mich denken?
- Ich möchte mich nicht vordrängen.
- etc.

Bei all den Überlegungen verrinnt die Zeit und zum Schluss wird die Chance verpasst, weil jemand anderes zugesagt hat.

Beobachtet man eine rein männliche Gruppe, zeigt sich, dass die Risikobereitschaft steigt. Männer ermutigen sich gegenseitig zum Handeln oder werden aktiv. Sie möchten den anderen gegenüber zeigen, dass sie die Macher sind.

In einer weiblichen Runde sinkt die Bereitschaft etwas umzusetzen und die Vorsicht steigt. Es wird viel diskutiert, überlegt und nachgedacht. Trotz all der Überlegungen und der Abwägungen können Fehler oder Misserfolge nicht verhindert werden, dessen müssen Frauen sich bewusst sein.

Das persönliche Verhalten steckt sehr tief in uns drin und ich behaupte, so schnell kommen wir aus unseren Verhaltensmustern nicht heraus.

Aber welche Chancen werden sichtbar, wenn wir unsere Persönlichkeiten nutzen um verstärkt gemeinsam am wirtschaftlichen Erfolg zu arbeiten? Wenn die Stärken des anderen dazu führen, sie als Chance zu begreifen. Wir werden gebremst, wenn das Risiko zu hoch erscheint. Neue Ideen, die es in der Form bisher nicht gab, können entstehen, weil wir dazu ermutigt werden.

Betrachten wir daher den Wunsch einer besseren Verteilung der Geschlechter auf allen Ebenen im Unternehmen in allen Bereichen als einen Gewinn, der zu einer höheren Vielfalt an Gedanken und Ideen führt. Erfolgen im Unternehmern einseitige Betrachtungen kann viel Umsatzpotential auf der Strecke bleiben.

Jeder von uns betrachtet Dinge aus seinem Blickwinkel heraus, hat eigene Bedürfnisse und Vorstellungen. Der eine betrachtet zum Beispiel etwas aus der technischen Sicht, für den anderen steht die Optik an erster Stelle.

Mir fällt spontan eine Situation auf dem privaten Bereich dazu ein.

Mein Mann und ich befanden uns auf der Suche nach einem neuen Fahrzeug. Wir erwarteten zu diesem Zeitpunkt unseren ersten Sohn, ich weiß, das ist schon ein paar Jährchen her. Mich interessierte eher die Innenausstattung und das Praktische. Der Kofferraum wurde von mir begutachtet.

„Passt der Kinderwagen da rein?", war mein Gedanke. Mein Mann beschäftigte sich eher mit der Motorauswahl. Wenn ich allein die Entscheidung getroffen hätte, wäre die Wahl auf weniger PS gefallen, bei meinem Mann wäre vielleicht der Kofferraum kleiner ausgefallen. Gemeinsam haben wir ein Fahrzeug, das beiden Vorstellungen entsprach gekauft. Wir kamen mit Nachwuchs geräumig und zügig voran.

Bezieht man bei der Produktentwicklung einen großen Teil der Bevölkerung nicht mit ein, werden weniger Aspekte berücksichtigt.

Frauen sollten mehr mitgestalten, mitreden, ihr Wissen in das Unternehmen einfließen lassen. Die Forderung der Erhöhung des Frauenanteils in den Unternehmen sollte daher nicht als Gefahr betrachtet werden. Sie führt zu einer neuen Unternehmenskultur, mehr Vielfalt und mehr Ideen.

Gemeinsam verstärkt am Unternehmen arbeiten für eine Arbeitswelt, in der die Bedürfnisse und Ideen von jedem in die Produktentwicklung mit einfließen. Bei den angebotenen Produkten handelt es sich nicht nur um das materielle Angebot. Auch im Dienstleistungssektor stoßen wir auf unterschiedliche Bedürfnisse, die berücksichtigt werden sollten.

Es ist doch einfacher, gemeinsam ein neues Angebot zum Beispiel für die Zielgruppe Frau zu entwickeln, wenn Frauen bei der Produktentwicklung mitwirken und ihre Meinung direkt in den Prozess einfließt. Wir wissen doch alle, wie schwierig es ist sich in die Lage von anderen zu versetzen.

Mein Denkanstoß: Wird es nicht Zeit, gemeinsam partnerschaftlich am Erfolg zu arbeiten?

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