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Chancengleichheit beginnt in unseren Köpfen

22/11/2017 12:28 CET | Aktualisiert 22/11/2017 12:28 CET
Maskot via Getty Images

Immer wieder stoße ich auf Artikel zum Thema „Chancengleichheit", die in den sozialen Medien heiß diskutiert werden.

Meinungsäußerungen wie zum Beispiel:

- Frauen, hört auf euch mit Halbtagsjobs zu begnügen! Denkt an die Altersarmut!

- Ich (Frau) möchte Karriere und Kinder!

kommt zu einem regen Austausch unterschiedlicher Meinungen auf Facebook oder anderen Social Media Kanälen. In diesem Zusammenhang finden aber oft Rechtfertigungen der eigenen Situation statt. Wir würden gerne, können aber nicht. Es werden Argumente genannt, warum der Zustand zwar unbefriedigend ist, aber sich nicht schnell ändern wird.

Gründe finden sich:

- in den schlechten Rahmenbedingungen, um Familie und Beruf zu vereinbaren,

- den fehlenden flexiblen Arbeitszeiten,

- der ungleichen Bezahlung, etc..

Keine Frage, da ist noch viel Luft nach oben. „Aber was ist mit uns Frauen?"; frage ich mich. „Sollen wir abwarten und hoffen, dass sich möglichst schnell etwas ändert?" Ich antworte mit einem klaren Nein. Richten wir den Blick auf uns. Welchen Beitrag können wir auf dem Weg zur Chancengleichheit leisten? Schauen wir auf unsere private Situation. Wie sieht unser Familienleben aus? Leben wir die Gleichberechtigung?

Kaum auf der Welt trennen wir Mädchen und Jungs äußerlich durch entsprechende Kleidung. Mädchen wollen nur pink. Ist dem wirklich so? Sie haben oft keine Wahl als sich für rosa zu entscheiden. In den Spielzeugläden sind die Regale mit den Spielsachen für Mädchen gut sichtbar, es ist alles pink.

Wir schenken ihnen Puppen, Prinzessinenoutfits und Schminkkästen. Bei den Jungs geht es um Autos und Bausätze. Es liegt nicht daran, dass beide Geschlechter von vornherein diese Spielsachen bevorzugen, sondern an unserem Verhalten. Es war schon immer so. Muss es deshalb so bleiben?

In den sozialen Medien wurde ein Film oft geteilt. Es ging um einen Versuch. Etwa Einjährigen wurden Kleider des jeweils anderen Geschlechts angezogen und Fremde sollten mit ihnen spielen. Zur Auswahl lagen beliebte Kinderspielsachen. Was ist passiert? Der Junge im Kleidchen erhielt automatisch eine Puppe. Er fand sie toll. Dem Mädchen mit T-Shirt und Hose wurden Autos gegeben. Auch sie spielte mit ihnen und hat sie großartig gefunden. Dieses Beispiel zeigt, wie eingefahren wir in unserem Verhalten sind.

Mein Fazit:Chancengleichheit beginnt in unseren Köpfen.

Erziehen wir unsere Kinder zu Erwachsenen, die ihr Leben selbstgestalten können. Dies gelingt uns nur, wenn die heutigen Väter bereits von uns Müttern einbezogen werden. Auch wenn wir Mamas „nur eine Halbtagsstelle haben oder gar Zuhause bei den Kindern bleiben", sollten wir sie im Haushalt und in der Kindererziehung mit einbeziehen.

Dazu müssen aber Frauen bereit sein loszulassen. Wie oft hört man die Meinungsäußerung „die hat die Hosen zu Hause an". Auch die müssen wir dann ablegen. Überlassen wir den Papas das Vergnügen an der Teilnahme eines Elternabends. Kindern und Vätern sollte die Bedienung der technischen Geräte im Haushalt gut bekannt sein.

Bestärken wir unsere Kinder in der Berufswahl, die ihren Neigungen entspricht. Machen wir vor allem den Mädchen bewusst, welche finanziellen Folgen die Wahl des Berufs hat. Viele wählen schlecht bezahlte Berufszweige. Kommt es zu einer Familiengründung, dann ist es automatisch die Frau, die über ein geringeres Einkommen verfügt. Die Folge aus finanzieller Sicht ist, völlig verständlich, sie reduziert. Nur ist sie es auch, die dann eine geringe Rente erhält und die Gefahr einer Altersarmut eingeht.

Die heutigen Jugendlichen verfügen über eine gute schulische Ausbildung. Ihnen steht sozusagen die Welt offen. Wählen beide Geschlechter einen Beruf, der ihnen liegt und sie gut ernähren kann, fällt die Differenz beim Einkommen geringer aus. Bei der Familiengründung stehen die werdenden Eltern vor der Wahl, bleibe ich oder du zu Hause? Vielleicht können beide reduzieren und haben mehr von ihrer Familie.

Ich finde, dass bei den heutigen Möglichkeiten sich niemand mehr für die Familie „opfern" muss. Wir sollten auch mit den gegenseitigen Vorwürfen aufhören. Erstaunlicherweise finden sie nicht geschlechterübergreifend, sondern stärker unter Frauen statt. Karrierebewusste werden als Rabenmütter bezeichnet. Mütter, die ihre Erfüllung als Hausfrauen finden, gelten als nicht belastbar.

Hat nicht jeder das Recht sein Leben so zu leben, wie er es möchte? Hören wir daher endlich mit dem Zickenkrieg auf! Üben wir uns in Toleranz! Akzeptieren wir es, wenn andere für sich und ihre Familie einen Weg gehen, den wir nicht gehen möchten. Es gibt kein richtig oder falsch.

Chancengleichheit beginnt für mich in den eigenen vier Wänden. Lösen wir uns von althergebrachten Rollenmustern. Betrachten wir uns als Team und unterstützen wir uns gegenseitig in unseren Vorhaben, um möglichst viele Träume Realität werden zu lassen.

Auch wenn wir vom optimalen Zustand der Rahmenbedingungen bei der Vereinbarung von Familie und Beruf weit entfernt sind, werden wir, wenn wir auf die Familienmitglieder zählen können, trotz widriger Umstände vieles erreichen.