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„Was zur nachhaltigen Integration gehört, das sind Arbeitsplätze!"

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BANTABAA
Christian Suhr
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Das Berliner Social Startup Bantabaa FoodDealer qualifiziert Geflüchtete für den gastronomischen Arbeitsmarkt und schafft nicht nur Arbeitsstellen, sondern eröffnet berufliche Perspektiven.

„Willkommen in der Krampfzone" oder „Entwicklungshilfe für den Görlitzer Park" sind Schlagzeilen, die den Görlitzer Park in Berlin Kreuzberg bereits deutschlandweit bekannt gemacht haben. Menschen verkaufen und konsumieren Drogen rund um den Park.

Der Berliner Senat hat darauf mit einem Handlungskonzept reagiert, die Null-Toleranz-Zone eingeführt und die Polizeipräsenz drastisch erhöht: doch was hat sich dadurch seitdem geändert? Durch diese Maßnahmen wurden den Menschen vor Ort zwar Regeln aufgezeigt, aber keine Perspektiven eröffnet. Das Problem wurde noch nicht an der Wurzel gepackt - bis jetzt.

Weshalb dürfen viele Geflüchtete nicht legal arbeiten?

Berlin Kreuzberg ist Endstation vieler Geflüchteter aus Westafrika, die auf ihrer langen Flucht keine Perspektive gefunden haben. In den meisten Fällen handelt es sich um sogenannte Lampedusaflüchtlinge: Menschen, die aus vielen Ländern Afrikas über Libyen nach Europa geflüchtet sind und das vermeintlich sichere Europa über Italien erreicht haben.

Italien ist mit der Zuflucht der vielen Menschen heillos überfordert: die Lebenssituation in den überfüllten Flüchtlingsunterkünften ist menschenunwürdig. Die Probleme beginnen jedoch für die Geflüchteten nach Beendigung ihres Asylverfahrens. Als anerkannte Flüchtlinge bekommen sie in Italien keine Sozialleistungen.

Die Chance auf eine Arbeitsstelle, in einem Land mit 11,4% (Stand Juli 2016) Arbeitslosenquote, für Afrikaner beinahe unmöglich. Die Konsequenz dieser Umstände ist, dass viele Menschen nach Norden und so auch nach Deutschland weiterziehen.

Hier angekommen dürfen Geflüchtete, die in Italien als politische Geflüchtete anerkannt sind, nur in Ausnahmefällen arbeiten. Grund dafür ist, dass die europäische Freizügigkeit für diese Menschen nicht gilt. Aber auch Asylbewerbern in Deutschland ist der Zugang zum Arbeitsmarkt nur nach Überwindung erheblicher bürokratischer Hindernisse möglich. Bis die europäische Flüchtlingspolitik hierfür eine Lösung gefunden hat, werden die Initiativen aktiv.

Integration bedarf Unterstützung

Anfang 2015 haben Annika und Brigitta Varadinek den Verein Bantabaa gegründet. Bantabaa bedeutet in der westafrikanischen Mandinka-Sprache 'Treffpunkt': sie wollten den Menschen, die zu uns kommen einen Ort zum ankommen geben und bei der Integration unterstützen.
Der Verein bietet Sprach- und Integrationskurse, Rechtsberatung, medizinische Versorgung, Hilfe bei der Wohnungssuche sowie Unterstützung bei der Rückreise in die Heimatländer an.

Arbeitsplätze sind essentiell für eine nachhaltige Integration

Zu einer nachhaltigen Integration gehören Arbeit und Arbeitsplätze. So hat Projektinitiatorin Annika Varadinek zu Beginn Geflüchtete in die Arbeitsabläufe ihres kleinen Cafés integriert und angelernt. Aufgrund der Größe der Küche wurde jedoch schnell klar, dass größere Räumlichkeiten benötigt werden.

In der Wrangelstraße 82 in Berlin Kreuzberg wurden diese im August 2016 angemietet: das Cateringunternehmen Bantabaa FoodDealer wurde gegründet und ein Qualifizierungskonzept erstellt. Ziel des Ausbildungsprojekts ist, dass Geflüchtete für Arbeitsstellen im eigenen Unternehmen oder für andere Gastronomiebetriebe qualifiziert werden.

Geflüchteten soll auf diese Weise nicht nur eine Qualifikation mitgegeben werden, sondern echte berufliche Perspektiven eröffnen - für ein Leben hier in Deutschland oder in den Heimatländern. Das Social Startup Bantabaa FoodDealer möchte Arbeitsplätze schaffen und Geflüchtete in vollwertige Arbeitsstellen vermitteln, so dass sie ihr eigenes Geld verdienen, ohne auf Unterstützung angewiesen zu sein.

Selbstverständlich kann sich dies auch auf die Bleibeperspektiven und arbeitsrechtlichen Aspekte positiv auswirken. Balde ist der erste qualifizierte FoodDealer, der eine Arbeitsgenehmigung erhalten hat und im Café Varadinek angestellt wurde. An diese Bantabaa FoodDealer-Erfolgsstory soll mit der Qualifizierung von weiteren Teilnehmern angeknüpft werden.

Bis jetzt hat sich der Verein lediglich durch Spenden von Familien und Freunden finanziert und stößt nun an Grenzen. Daher läuft aktuell noch bis zum 22.09 eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext, mit der das Ausbildungsprojekt startfinanziert werden soll.

Mit der Projektidee hat das Team ein Gründerstipendium im Social Impact Lab Berlin erhalten. Mentoren und Coaches unterstützen und begleiten die Gründer beim Aufbau des Social Startups.

Integration funktioniert, wenn wir alle einen Beitrag dazu leisten.

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