BLOG

So sieht ein Bauer die Ernährung 2025 - eine Fiktion!?

04/09/2015 10:56 CEST | Aktualisiert 04/09/2016 11:12 CEST
Thomas Trutschel via Getty Images

Der Trend zu einer stärkeren Industriekonzentration hat in den letzten 10 Jahren weiter zugenommen. Besonders sichtbar ist dies im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels (LEH), wo die Zahl der Anbieter auf zwei zurückgegangen ist.

Durch Fusionen sind die Lebensmittelkonzerne REWEKA und Aldidl entstanden, die sich mittlerweile den Lebensmittelmarkt teilen. Beide Fusionen wurden vom Kartellamt genehmigt, damit die Bevölkerung garantiert mit preiswerten Lebensmitteln versorgt werden kann.

Indien und China

Das Konzept des Vollsortimenters Metro ist nicht aufgegangen. Er hat sich vom Markt zurückgezogen. Der Umsatz von REWEKA und Aldidl betrug im Jahr 2024 in der Summe rund 254 Mrd. €, wobei rund ein Drittel aus Umsätzen in den Filialen in Indien und China stammt.

Große Umwälzungen konnten im Bereich der Grundproduktion von Nahrungsmitteln (früher Landwirtschaft genannt) festgestellt werden. Dies erfolgte zum einen durch den Wandel der Ernährungsgewohnheiten, zum anderen durch politische Vorgaben.

Ernährungsgewohnheiten

Lag der Anteil der Veganer im Jahr 2015 noch bei 1% und der, der Vegetarier bei 10%, so ernähren sich heute, im Jahr 2025, bereits 15% der Bevölkerung vegan, 60% vegetarisch. Dieser Trend nimmt weiter zu.

Die fleischverarbeitende Industrie hat diese Entwicklung früh genug erkannt und produziert nun vegetarische Schnitzel, Burger, Wurst und andere Fleisch-Ersatzprodukte. Fleisch- und Wurstwaren tierischer Herkunft werden aber noch als Nischenprodukte geführt.

Auch Milch wird heute überwiegend zur Herstellung von vegetarischen Produkten verwendet, da der Absatz als unverarbeitetes Produkt aufgrund veränderter Ernährungsgewohnheiten deutlich abgenommen hat.

Herstellung agrarischer Rohstoffe

Die Zahl der Betriebe zur Herstellung der agrarischen Rohstoffe (früher "Landwirte") hat sich deutlich reduziert. Dies war vor allem ein Resultat der politischen Vorgaben, die, beginnend im Jahr 2009, eine stärkere Ökologisierung forderte.

Befördert durch die Kritik zahlreicher NGO's und den Lebensmitteleinzelhandel, der sich mit diesen gesellschaftlichen Gruppen verbündete, musste auch die Politik diesem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen und leitete eine, von allen Parteien mitgetragene, vollständige Umstellung auf Bio-Landbau ein.

Da dies von den früheren Familienbetrieben aufgrund des hohen Dokumentations- und Kontrollaufwandes nicht mehr bewerkstelligt werden konnte und gleichzeitig eine Betriebs-Aufgabe-Rente (ähnlich der Abwrackprämie bei der Umstellung auf den Katalysator) diesen Prozess begleitete, war es für viele Betriebe wirtschaftlich sinnvoller, sich aus der Grundproduktion zurückzuziehen.

80.000 Agrar-Betrieben

Diese wird nun von rund 80.000 Agrar-Betrieben geleistet, die zum einen über das notwendige Know-how einer ordnungsgemäßen Bio-Produktion verfügen, zum anderen mit ihrem geschulten Verwaltungspersonal die notwendigen Regelungen und Auditierungen problemlos durchführen können.

Da der Selbstversorgungsgrad der Bundesrepublik durch die Produktion nicht mehr aufrechterhalten werden konnte, werden die Rohstoffe zur Herstellung der konventionellen Billig-Produkte, die die Grundversorgung der Niedriglohnempfänger sicherstellen soll, importiert. Staatliche Transferzahlung (sog. "Subventionen") werden seit 2020 nicht mehr gezahlt.

Aufgrund der geringen Anzahl von Agrarbetrieben, die zudem biologisch produzieren, wurde der Deutsche Bauern-Verband (DBV) aufgelöst. Die Interessen der Bio-Agrar-Betriebe werden heute vom Bund Ökologischer Ernährungswirtschaft (BÖLW) wahrgenommen, an deren Spitze - trotz des Alters von immerhin 75 Jahren - immer noch Felix Prinz zu Löwenstein steht.

Vor- und nachgelagerter Bereich

Auch in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen hat es einige Bereinigungen gegeben. Agravis und Baywa dominieren den Markt, viele Primärgenossenschaften wurden integriert. Beide Unternehmen haben im Jahr 2022 erstmals mehr als 30 Mrd. € Umsatz erzielt. Um die Wertschöpfungskette zu optimieren, wurden im Zuge einer vertikalen Integration auch zahlreiche Mühlen und Backfabriken übernommen.

Auch die Zahl der Molkereien hat sich deutlich reduziert, viele von ihnen wurden von ausländischen Unternehmen übernommen, darunter auch von Fonterra (Neuseeland), die ihre Gewinne aus dem Verkauf von Milchprodukten im Wachstumsmarkt China in Westeuropa investierten. Eine der letzten verbliebenen deutschen Molkereien ist "Berchtesgadener Land", eine Genossenschaft der Milchbauern.

Dünger- und Pflanzenschutzindustrie

Die Eigentumsverhältnisse der Dünger- und Pflanzenschutzindustrie haben sich ebenfalls verändert. Nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde Syngenta schließlich an Monsanto verkauft. Weil die Umstellung auf biologischen Landbau die Umsätze einbrechen ließen, wurden die Sparten Pflanzenschutz von Bayer und BASF von Dow bzw. DuPont übernommen (Firmensitz USA).

Kali + Salz gehört nun zur Uralkali. Dies war möglich geworden, nachdem die Sanktionen gegen Russland auf Druck der europäischen Industrie aufgehoben wurden und der Donbass (Ostukraine) zwar von der EU nicht formal als eigener Staat anerkannt, aber geduldet wurde.

Somit wurde der Exportmarkt für europäische Güter wieder geöffnet. Eingeleitet wurde diese Entwicklung von der deutschen Bundeskanzlerin Merkel, die sich allerdings zur Wahl 2024 - angeblich aus Altersgründen - nicht mehr zur Verfügung stellte. Russlands Präsident ist nach wie vor Vladimir Putin.

Tier- und Pflanzenzüchtung

Die Tier- und Pflanzenzüchtung hat zum größten Teil ihre Aktivitäten in's Ausland verlagert, weil sie dort bessere Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Arbeit vorfanden. Lediglich einige Unternehmen zur Herstellung von Bio-Saatgut und Spezialzüchter für Zwei-Nutzungs-Rassen im Bereich der Tierproduktion haben sich auf dieses Marktsegment spezialisiert.

Auch an der Landtechnik-Industrie ist die Entwicklung der letzten 10 Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Mittelständische Unternehmen haben ihre Firmen an Großkonzerne, wie beispielsweise AGCO und John-Deere, beide USA, verkauft .

Tourismus

Auf den Tourismus wirkte sich die breite Extensivierung der deutschen Kulturlandschaft jedoch positiv aus. Da in den deutschen Mittelgebirgen wie Schwarzwald, Hunsrück und Westerwald sowie Teilen des Alpenvorlandes keine Nahrungsmittelproduktion mehr stattfand und sich diese Regionen entvölkerten, wurden sie in Naturparks umgewidmet. Sie werden heute gerne von wohlhabenden Asiaten besucht.

Trotz der im Tourismusgewerbe neu geschaffenen Arbeitsplätzen ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen und liegt aktuell, September 2025, bei rund 11%.

Und jetzt bin ich gespannt auf eure Kommentare!

Euer Bauer Willi

Dieser Beitrag erschien zuerst auf BauerWilli.com

Lesenswert:

Video: Nestlé, Danone, Unilever, Pepsico: Diese Mega-Konzerne kontrollieren fast alles, was wir essen

Video:Überraschung: Er wollte ein Müsli zum Frühstück essen. Als er die Packung öffnete, traute er seinen Augen nicht

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite

Gesponsert von Western Digital