BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Büsra C. Headshot

Ich wurde im Bus wegen meines Kopftuchs angefeindet - das habe ich allen in Deutschland zu sagen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Es war alles wie immer, als ich vor einer Woche in Mainz mit dem Bus fuhr. Bis zu dem Moment, als ich aussteigen wollte.

Da sagte eine Frau plötzlich: "Ich wünschte, ich könnte Ihnen das Kopftuch mal abziehen!" Sie sagte, ich solle mich endlich anpassen, bezeichnete mich als "Sozialträgerin". Andere Insassen forderten, ich sollte dorthin zurückgehen, wo ich herkomme.

Ja, wohin denn? Ich habe noch nie woanders gelebt als in Deutschland und bin hier geboren, habe hier Jura studiert.

Ich kam mir vor wie im Zoo

Aber die Vorwürfe höflich zurückzuweisen, hat nichts gebracht. Ich habe die anderen Fahrgäste um Hilfe gebeten. Und keiner hat sich gerührt. Alle starrten mich an. Ich kam mir vor wie im Zoo.

Die Reaktionen auf diesen Vorfall seht ihr oben im Video

Ein älterer Mann riss hinten an meinem Rucksack. Ich sagte ihm, er solle das lassen, ich würde die Polizei rufen. Daraufhin sagte ein anderer Fahrgast, das könne ich ruhig tun. Er werde aussagen, dass mich niemand angefasst habe.

Der Moment, in dem ich Angst bekommen habe

Das war der Moment, in dem ich Angst bekommen habe. Denn das war keine Diskussion mehr. Ich dachte, ich werde hier so gehasst, dass man mir etwas antun könnte. Und wollte raus aus dem Bus.

Zum Schluss hat ein anderer Mann mir geholfen - er wurde dann selbst beschimpft.

Da muss doch irgendwo eine versteckte Kamera sein ...

Ich dachte die ganze Zeit, dass irgendwo eine versteckte Kamera sein muss. Dass das alles doch nur ein Test gewesen sein konnte.

Deshalb habe ich den Vorfall öffentlich gemacht. Ich wollte auf ein Problem aufmerksam machen und die Menschen zum Nachdenken bringen. Denn ich habe diesen Hass auf den Islam, auf Menschen, die anders aussehen, zwar immer mal wieder erlebt. Aber noch nie so extrem wie vor einer Woche in diesem Bus.

Ich bin es leid, als unterdrückt abgestempelt zu werden

Im Sommer etwa hatte mich eine Dame angesehen und den Kopf geschüttelt. Sie sagte, es tue ihr leid, dass ich mich immer noch so kleiden müsse, mit Kopftuch.

Da antwortete ich, dass es mir leid tue, dass sie immer noch glaube, dass meine Kleidung nicht meine eigene Entscheidung sei. Ich bin es leid, immer als unterdrückt abgestempelt zu werden.

Rassistische Beschimpfungen von beiden Seiten

Es ist traurig, wie viel Vorurteile und Hass da im Spiel sind. Auf den Vorfall im Mainzer Bus etwa hagelte es Hass-Kommentare im Netz. Deswegen nenne ich in diesem Text auch nicht meinen vollen Namen.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

Die einen warfen mir vor, Fake News zu verbreiten. Die anderen schimpften ebenso rassistisch auf die Deutschen.

Das war nicht mein Ziel. Ich will nicht, dass sich Menschen noch mehr hassen. Das bringt doch nichts. Ich habe langsam das Gefühl, manche hassen so sehr, dass sie nicht einmal mehr wissen, warum sie es tun.

Ich möchte, dass wir alle zusammenhalten

Ich möchte, dass wir in Deutschland zusammenhalten, dass wir uns gern haben. Egal, woran jemand glaubt.

Wir müssen verstehen, dass wir alle auf dem gleichen Planeten leben, dass sich niemand seine Herkunft aussuchen darf. Und dass jeder Mensch eine Bereicherung und etwas Besonderes ist. Dass man von jedem Menschen etwas lernen kann.

Was mir Hoffnung macht

Es gab aber auch ein paar nette Reaktionen. An die HuffPost etwa hat ein Mann geschrieben, er schäme sich, wie seine Landsleute mit mir im Bus umgegangen sind. "Es ist eine Schande, aber nicht alle Deutschen sind so. Ob Muslime, Katholiken oder was auch immer, wir sind alle Menschen und Menschen behandelt man mit Achtung."

Das geht mir sehr nah, beim Lesen sind mir Tränen in die Augen gestiegen. Dann weiß ich wieder, dass es etwas bringen kann, über Probleme zu sprechen.

An alle Leser: Lasst uns aufhören, Hass zu verbreiten, um ein gemeinsames friedliches Miteinander fördern zu können.

Der Text wurde von Susanne Klaiber aufgezeichnet.

Mehr zum Thema: Ist der Islam mit dem Grundgesetz vereinbar? Ein Jurist erklärt, warum diese Frage Unsinn ist

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.