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Wie Angst zur Einschränkung unserer Freiheit führt

30/03/2016 15:41 CEST | Aktualisiert 31/03/2017 11:12 CEST
Izabela Zaremba via Getty Images

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Das Streben nach Sicherheit ist ein natürliches Bedürfnis der Menschen. Dazu gehört es Ängste, Sorgen und Unsicherheiten zu vermeiden. Nachdem diese Gefühle sehr unangenehm sind, suchen wir nach Möglichkeiten diese nicht zu spüren.

Dafür tun wir alles Mögliche - das wissen natürlich auch all jene, die uns manipulieren wollen und fachen unsere Ängste und Sorgen gezielt an, um davon zu profitieren - das zieht sich durch sämtliche Branchen.

Bei Ängsten und Sorgen haben sich viele angewöhnt, möglichst schnell nach einer Beruhigungsstrategie zu suchen, um diese Gefühle nicht mehr zu spüren. Das ist meist mit Konsum in irgendeiner Form verbunden.

Wenn ich z. B. ein bestimmtes Produkt kaufe, bin ich wieder sicher oder fühle mich besser. Das läuft natürlich sehr subtil ab. Schließe ich eine Versicherung ab, brauche ich mir keine Sorgen in einem Schadensfall machen.

Je größer unsere Ängste sind, desto mehr sehnen wir uns wieder nach mehr Sicherheit.

Lasse ich mich gegen Grippe impfen, brauche ich keine Angst vor Grippe haben. Kaufe ich Anti-Aging Produkte, verringert sich die Angst vor dem Alter. Habe ich nicht das neueste Smartphone etc., gelte ich als altmodisch und gehöre nicht dazu, darum muss ich diesbezüglich up to date sein.

Doch die Realität ist oft eine andere und die Beruhigungsstrategien erfüllen meist nur eine oberflächliche und momentane Wirkung, vor allem wenn unsere Ängste auf direkte oder subtile Weise am Laufen gehalten werden. So bleibt auch der Konsum im Fluss.

Je größer unsere Ängste sind, desto mehr sehnen wir uns wieder nach mehr Sicherheit. An diesem Punkt werden gezielt scheinbare Lösungen angeboten, die dann häufig ohne genauer Nachzudenken, angenommen werden.

Bei den Lösungen handelt es sich meist um Angebote, die man kaufen muss. Im Idealfall, für diejenigen die davon profitieren, reicht ein einmaliger Kauf nicht aus, sondern es muss immer weiter nachgekauft werden.

Die Profiteure arbeiten mit dem Gefühl der Bedrohung

Ehrlicherweise muss man sagen, dass unglaublich viele Branchen und Menschen davon gut leben können, wenn sich andere in irgendeiner Form schlecht fühlen. Das kann aber auch auf konstruktive Weise ablaufen, was glücklicherweise oft genug der Fall ist.

Wenn es destruktiv ist, dann sind die Profiteure nicht daran interessiert, dass es den Menschen wieder besser geht. Sie freuen sich also nicht, wenn sie anderen helfen können, sondern arbeiten ständig mit dem Gefühl von Bedrohung, bieten kurzfristige Scheinlösungen an und lösen Abhängigkeiten aus.

Sieht man sich die Absichten dahinter und die Vorgehensweise von Firmen oder Personen genau an, kann man bald herausfinden auf wen das zutrifft und auf wen nicht.

Bei diesem Thema ist es allerdings sehr wichtig zwischen real begründeten und übertriebenen Ängsten zu unterscheiden. Es lässt sich beobachten, dass bei real begründeten Ängsten auch oft eine Verharmlosung und Beschwichtigung stattfindet.

Hingegen bei übertrieben Ängsten eine Dämonisierung, bei der die Ängste künstlich hochgepeitscht werden.

Zu starke Angst lähmt uns in unserem freien Verhalten und macht uns steuerbar

Es hat keinen Sinn seine Ängste nicht wahrnehmen zu wollen, denn dadurch sind wir erst recht manipulierbar. Zu wenig Angst kann uns auch unvorsichtig werden lassen. Ein ständiges Beschäftigen oder Hineinsteigern in die eigenen Sorgen und Ängste, blockiert aber sowohl unser rationales, logisches Denken, als auch unsere natürliche Intuition.

Hier zählt wieder die goldene Mitte. Eine gesunde Vorsicht entspricht einer intelligenten Vorgehensweise, zu starke Angst lähmt uns aber in unserem freien Verhalten und macht uns steuerbar.

Das kann man sich vorstellen wie ein Virenschutzprogramm. Ist es zu hoch eingestellt, zeigt es auch Gefahren oder Infektionen an, die gar keine sind - ist es zu niedrig eingestellt, werden reale Gefahren übersehen.

Genau aus dieser gesunden Mitte, wo man am besten abwägen kann, wo Gefahr droht und wo man sich sicher fühlen kann und vertrauen darf, will man uns nur allzu gerne herausbringen. Denn in diesem Zustand wären wir weniger manipulierbar und es ist schwieriger, an unser Geld heranzukommen.

Durch die Terroranschläge fühlen sich die Menschen unsicher

Wenn es reale Gefahren gibt, ist es wichtig darüber aufgeklärt zu werden, um etwaige Vorsichtsmaßnahmen treffen zu können, das kann von sehr entscheidender Bedeutung sein. Diese Informationen werden uns aber oft vorenthalten.

Das zerstört wiederum das Vertrauen und löst damit erst recht verstärkt Sorgen und Ängste aus. Umgekehrt ist es für uns aber auch destruktiv, wenn wir mit Phantomen in Angst und Schrecken gehalten werden.

Um das eine von dem anderen unterscheiden zu können, zählen nachvollziehbare Fakten und der Wahrheitsgehalt einer Information. Diese sind auf den ersten Blick nicht immer so leicht zu erkennen.

Nehmen wir als trauriges Beispiel die aktuellen Terroranschläge in Brüssel. Hier geht es um eine reale Gefahr, durch die sich die Menschen in Europa immer unsicherer fühlen.

Je mehr Angst die Menschen haben, desto mehr stimmen sie der Einschränkung ihrer Freiheit widerstandslos zu.

Diese Angst der Bürger kann man aber auch ausnutzen, indem man ihnen einredet, dass dadurch eine verstärkte Überwachung der Bevölkerung notwendig ist, bis hin zur immer wieder diskutierten Bargeldabschaffung.

Je mehr Angst die Menschen haben, desto mehr stimmen sie der Einschränkung ihrer Freiheit widerstandslos zu.

Eine weitere Angst, außer der vor Bedrohung, ist jene die unser Zugehörigkeitsbedürfnis anspricht. Das können wir am Beispiel der immer häufiger stattfindenden Meinungsbeeinflussung sehen.

Diese zielt auf die Angst der Menschen ab, nicht zu den „Guten" zu gehören, da die abweichende Meinung schließlich als böse etc. dargestellt wird. Wenn ich nicht mitmache oder übereinstimme bin ich ein Außenseiter. Das selbständige und kritische Denken wird hier systematisch außer Gefecht gesetzt.

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Über unsere Gefühle können wir am stärksten manipuliert werden. Verdrängung hilft uns dabei nicht weiter. Je mehr wir jedoch über uns und unsere Gefühle reflektieren, desto größer ist die Chance keine Figur am Spielbrett der anderen zu sein.

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