BLOG

Rätselraten mit Schwangerschaftstests

11/02/2016 09:00 CET | Aktualisiert 11/02/2017 11:12 CET
OJO_Images via Getty Images

- Ist das eine Linie oder nicht? -

Wozu ein Schwangerschaftstest gut ist, weiß jeder und die Anwendung ist denkbar einfach - glaubt man. Einfach drauf pinkeln und aufs Ergebnis warten. Soweit zur Theorie. Die Praxis sieht anders aus.

Kondom gerissen, Pille vergessen oder generalstabmäßig geplante Schwangerschaft - egal wer den Test in der Hand hält, häufig kommen Zweifel an der unfehlbaren Anwendung und Zuverlässigkeit des Ergebnisses auf.

Oft brauchen Frauen mehr als nur einen Test, um sich des Ergebnisses sicher sein zu können. Übliche Gründe hierfür sind z.B. hauchdünne Linien, Unzufriedenheit mit dem Testergebnis (egal ob negativ oder positiv) oder Zweifel am Ergebnis.

Plötzlich schildert man wildfremden Menschen wann man "geherzelt" hat

Seit nunmehr 15 Jahren betreibe ich ein Online-Magazin mit Forum und die Frage „Bin ich schwanger" war seit Beginn eine, mit der sich ein großer Teil der Foren-Userinnen herumschlug. Doch in den letzten Jahren konnte ich eine interessante Veränderung beobachten: Frauen können absolut keine Ungewissheit mehr ertragen!

Auf jede dringende Frage des Lebens gibt das Internet mit minimaler Verzögerung umgehend Antwort. Warum sollte man also auf das Ausbleiben der Regel warten, um zu erfahren, ob man Schwanger ist? Also schildert man nun im WorldWideWeb wildfremden Menschen an welchen Tagen man „geherzelt" hat und fragt nach ihrer Einschätzung und persönlichen Erfahrung in bezug auf das Timing und mögliche Schwangerschaftsanzeichen. Die Antwort ist dazu erwartungsgemäß recht gleichbleibend: „Vielleicht ja, vielleicht nein, kauf Dir einen Test!"

Ist das Ergebnis überhaupt zuverlässig?

Also her mit dem sogenannten Frühtest und draufgestrullert. Negativ. Sofort kommen Zweifel auf: Habe ich ihn zu früh verwendet? Ist das Ergebnis zuverlässig?

Nachträglich die Packungsbeilage lesen oder die Hotline anrufen? Fehlanzeige, wir kaufen lieber noch einen Test und probieren es erneut - aber dieses Mal mit einer anderen Marke. Geldverschwendung, keine Frage, aber die Hersteller freut es. Drei bis vier Tests je Zyklus sind inzwischen keine Seltenheit.

Manch potentiell Schwangere berauschen sich auch am Gefühl zwischen Bangen und Hoffen beim wiederholten Testen - denn solange kein Ergebnis als gültig anerkannt wird, kann man schließlich phantasieren und zahlreiche Zukunftsszenarien entwerfen, ohne das es irgendwelche Konsequenzen hat.

Kinderwunsch und Schwangerschaft sind nichts Rationales!

Und dann ist da noch die Frage nach der Deutung des Testergebnisses: Da ist diese feine Linie - nicht wirklich deutlich aber man kann sie erahnen ... heißt das nun „schwanger" oder „vielleicht schwanger" oder gar „ein bisschen schwanger"?

Oder: Der Test wurde erst positiv nachdem eine Stunde gewartet wurde - gilt das noch? Und wäre das Ergebnis nicht vielleicht eindeutiger ausgefallen wenn ich ihn mit Morgenurin gemacht hätte?

Schwangerschaftstests sind eben doch kein so einfaches Thema wie allgemein angenommen wird. Man kann diese Frauen belächeln, doch wer selbst einmal in dieser Situation war, kann sehr gut nachfühlen, was in ihnen vorgeht. Kinderwunsch und Schwangerschaft sind nichts Rationales. Da läuft alles auf der emotionalen Ebene ab. Und die Antwort auf die Frage „schwanger oder nicht?" ist so entscheidend für den weiteren Lebensweg wie kaum etwas im Leben einer Frau - wie soll man da einen klaren Kopf behalten?

Die Ungewissheit geht in die nächste Runde

Am Ende gibt es nur eine Möglichkeit, endgültig und zweifelsfrei Gewissheit zu erlangen: Der Besuch beim Frauenarzt.

Doch oft genug geht dort die Ungewissheit in die nächste Runde, denn auch hier will niemand auf einen Termin in 3 Wochen warten. Und so kommt es, dass Frauen auf einen schnellen Termin drängen und dann feststellen müssen, dass man in den ersten 5 bis 6 Wochen der Schwangerschaft nichts Verlässliches im Ultraschall sehen kann und sie - neben Urinprobe für einen Test abgegben - auf einen Termin in 2 Wochen vertröstet werden.

Und dies ist nur die erste von vielen Geduldsproben, die man als Eltern über sich ergehen lassen muss.

Auch auf HuffPost:

Video: A Beautiful Project: So schön sind Frauen während der Schwangerschaft

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.