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Ein offener Brief an Donald Trump, der 18 Jahre lang mein Chef war

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
TRUMO BRIEF
Reuters
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Lieber Donald,

herzlichen Gl├╝ckwunsch zu Deiner Wahl. Ich w├╝nsche Dir nur das Beste f├╝r eine erfolgreiche Pr├Ąsidentschaft.

Wie Du wei├čt, habe ich Hillary Clinton unterst├╝tzt. Deine Politik hat mich nicht ├╝berzeugt. Ich bin kein Fan Deiner Haltung in Umweltfragen und der Gesundheitspolitik.

Ich finde, dass die Mexikaner zur Verbesserung unserer Gesellschaft beigetragen haben und bin der Ansicht, dass ihnen auf dem Weg zur Staatsb├╝rgerschaft keine Steine in den Weg gelegt werden sollten.

Ich bin wie Du der Meinung, dass unsere Grenzen sicherer werden m├╝ssen. Aber ich glaube nicht, dass eine Mauer, die unn├Âtig und unglaublich kostenintensiv ist, hier der richtige Weg ist.

Selbst wenn ich einigen Deiner Standpunkte zustimmen w├╝rde, so h├Ątte ich dich nicht gew├Ąhlt. Denn du verf├╝gst nicht ansatzweise ├╝ber die Erfahrung, wie sie Hillary Clinton vorweisen kann.

Du hast nicht das politische Know-how und die Regierungsroutine, die man meiner Meinung nach f├╝r den Job braucht.

Au├čerdem hast Du dich in den letzten Jahren sehr ver├Ąndert.

Wenn ich an die gemeinsame Zeit im Trump Tower zur├╝ckdenke, dann erkenne ich Dich kaum noch wieder.

Es sind nicht mehr die "Spitzenkr├Ąfte", die f├╝r Dich arbeiten. Au├čerdem nimmst Du keine Kritik an und ignorierst Ratschl├Ąge - zwei F├Ąhigkeiten, die f├╝r einen Pr├Ąsidenten grundlegend sind. Ich bin nur ehrlich - du sagtest ja immer zu mir, ich sei "zu ehrlich".

Aber wir sind nun einmal, wo wir sind und ich schreibe Dir als jemand, der Dich lange kennt. Ich habe Dich unterst├╝tzt, als Du bereits in den 1980er-Jahren verk├╝ndest hast, f├╝r das Amt des Pr├Ąsidenten kandidieren zu wollen. Damals, als alle dachten, wir h├Ątten sie nicht mehr alle.

Keiner nannte Dich damals "Mr. Trump", wir alle nannten Dich Donald. Du warst immer f├╝r alle da und wir konnten mit all unseren Anliegen zu Dir kommen, Du hattest ein offenes Ohr f├╝r uns.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Ein Professor sagte fast jeden US-Pr├Ąsidenten voraus - jetzt hat er eine schlechte Nachricht f├╝r Trump

Deine B├╝rot├╝r stand immer offen und Du hattest immer die Freisprechanlage aktiviert. Wir brachten Dir Hochachtung und Respekt entgegen, aber wir scheuten uns auch nicht davor, Dich zu kritisieren und Dir ehrlich unsere Meinung zu sagen.

Wir beide wissen, dass das heute anders ist. Anscheinend brauchst Du jetzt das Gef├╝hl, verg├Âttert zu werden.

Du musst niemandem mehr irgendetwas beweisen. Aber Du kannst immer noch wieder zu dem Zuh├Ârer werden, der seine Meinung ├Ąndert und sie auch mal korrigiert. Ich glaube, der Ruhm ist Dir zu Kopf gestiegen und Du glaubst wirklich, dass Du alles wei├čt. Das tust Du nicht.

Jetzt bist Du mein Pr├Ąsident. Dann benimm Dich auch so

Ein Haufen Loser folgt Dir auf Schritt und Tritt. Die Loser in Deiner Organisation k├Ânnen dem Land keinen Schaden zuf├╝gen, aber jetzt wird mir klar, warum Du so viele gesch├Ąftliche Niederlagen einstecken musstest. Jetzt musst Du ein Kabinett zusammenstellen und Du MUSST die richtigen Leute daf├╝r ausw├Ąhlen.

Zeig der Welt, dass Du Dich nur mit den Besten zufrieden gibst. Zu Deinen Mitarbeitern sollten Republikaner und Demokraten geh├Âren, ebenso Frauen und Farbige. Tu nicht das, was die Experten alle vorhersagen.

Giuliani und Gingrich, die wie Scho├čh├╝ndchen an Dir h├Ąngen, sind veraltete Exemplare, deren Zeit abgelaufen ist. Sie sind Deiner unw├╝rdig.

Genauso ist es mit Chris Christie, dem Gouverneur von New Jersey, der vom gesamten Staat gehasst wird und dessen Glaubw├╝rdigkeit gleich null ist. Typen wie Sarah Palin und Ben Carson stehen auch weit unter Dir. Sie sind Witzfiguren, die keinen Draht zu den meisten Amerikanern haben. Du brauchst - mehr als sonst jemand - Leute, die Ahnung vom Regieren und von Politik haben.

Deine gr├Â├čte Sorge galt immer der Frage, wem Du vertrauen konntest. Und Du hast Positionen mit Personen besetzt, die das nicht verdienten. Weil Du ihnen vertrauen konntest.

Aber jetzt musst Du erkennen, dass sich Menschen, die alles f├╝r Dich tun w├╝rden, meistens nur an Jobs festklammern, von denen sie wissen, dass sie sie andernfalls nie bekommen h├Ątten. Die Menschen, denen Du vertrauen kannst, befinden sich au├čerhalb deines Inner Circle.

Denk daran, dass die Mehrheit der Amerikaner Hillary gew├Ąhlt hat. Es haben mehr f├╝r sie gestimmt als f├╝r Dich. Auf diese Menschen und ihre Anliegen musst Du eingehen.

Du wurdest haupts├Ąchlich von Menschen gew├Ąhlt, die ihren Job zur├╝ckwollen. Ja, viele Deiner Unterst├╝tzer sind rassistisch und ausl├Ąnderfeindlich. Aber ich wei├č, dass Du ihren Interessen gar nicht wirklich entsprechen willst. Du hast eigene Interessen, an denen musst Du jetzt arbeiten.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Erstes TV-Interview nach der Wahl: Was Trump sagte - und was er wirklich meinte

Du musst f├╝r die Menschen aller Klassen da sein. Schluss mit dem Unsinn derer, die nur nach Deinem Mund reden, in der Hoffnung, einen Posten abzubekommen. Diese Idioten werden den Hass, die Angst und das Misstrauen, das f├╝r Deinen Wahlkampf so charakteristisch war, nur weitertragen. Werde sie schnellstm├Âglich los.

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Du musst das Bild des Trump-Anh├Ąngers, der ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Hillary ist eine Schlampe" tr├Ągt, zerschlagen. An seine Stelle muss ein hart arbeitender Amerikaner r├╝cken, farbig oder wei├č, Muslime oder Christ, Einwanderer oder auch nicht, der das R├╝ckgrat dieses Landes ist. Jetzt bist Du mein Pr├Ąsident. Dann benimm Dich auch so.

Als ich f├╝r Dich gearbeitet habe, warst Du ein Anh├Ąnger der Demokraten.

Du hast starke Frauen wie mich unterst├╝tzt. Stell Dir nur vor, Du w├╝rdest die konservative politische Aktivistin Phyllis Schlafley glorifizieren.

Was w├╝rden Melania und Ivanka von einer Frau halten, die sagt, Frauen sollten au├čerhalb des Hauses nicht arbeiten? Und Du willst Roe v. Wade kippen, die Grundsatzentscheidung zum Schwangerschaftsabbruch aus dem Jahr 1973? Warum? Die Menschen wollen das nicht! Das wird Dich nicht gro├č machen! Vergiss es.

Wei├čt Du noch, wie sehr Du Mel Fante, Peter Lobello und Jerry Floyd gemocht und verehrt hast? Du w├╝rdest ihnen nie sagen, sie k├Ânnten den Menschen, den sie lieben, nicht heiraten. R├╝hr das Gesetz zur Homo-Ehe nicht an. So bist Du nicht. Klar, Mike Pence w├╝rde sie alle ins Gef├Ąngnis stecken, aber Du nicht.

Ich glaube, Pence war eh nicht gerade Dein Wunschkandidat f├╝r das Amt des Vizepr├Ąsidenten.

Du sagst, Du willst alle regulierenden Bestimmungen und Gesetze zum Klimaschutz abschaffen, aber willst Du wirklich als der Pr├Ąsident in die Geschichte eingehen, der die Umwelt vollends zerst├Ârt hat? Du kannst den Planeten retten, denn Du bist der Anf├╝hrer der freien Welt und der Kongress steht hinter Dir.

Du willst Obamacare r├╝ckg├Ąngig machen, aber Du sagst selbst, dass die Menschen eine Krankenversicherung brauchen. ├ťberrasche alle mit einem Plan, der noch besser ist, der niemanden wegen Vorerkrankungen ausschlie├čt. Es muss gar kein Plan sein, den die Wirtschaft liebt.

Die Wall-Street-Experten erwarten, dass Du auf die Interessen der Pharma-Industrie eingehst. ├ťberrasche sie damit, dass Du Medikamentenpreise neu verhandeln willst. Donald, nichts hindert Dich daran.

Du kannst der Pr├Ąsident aller sein, wenn Du das Land an die erste Stelle setzt und Dein Ego auf dem R├╝cksitz Platz nimmt

Nachdem, was Du ├╝ber Frauen gesagt hast, ist es schwer, Dich noch zu respektieren. Ich habe immer gesagt, dass Du mich nie diskriminiert oder mir weniger Respekt entgegengebracht hast, obwohl Du sch├Ânen Frauen gerne nachschaust.

Ich habe das immer abgetan, aber Dein Verhalten bei Howard Stern und das Access Hollywood-Tape sind widerw├Ąrtig und unentschuldbar. Nenn es wie Du willst, aber die Welt war Zeuge.

"Niemand respektiert Frauen mehr als ich." Was f├╝r ein bl├Âdsinniger Satz! Aber Du kannst es wieder gutmachen und Du kannst meinen Respekt zur├╝ckgewinnen. Ich wei├č, dass Dir das wichtig ist.

Zuerst einmal musst Du Abstand von der Aussage nehmen, dass eine Frau doch k├╝ndigen soll, wenn sie am Arbeitsplatz bel├Ąstigt wird. H├Ątte ich das getan, dann h├Ątte ich nie f├╝r Dich arbeiten k├Ânnen. Ganz ehrlich, dann h├Ątte ich nirgendwo arbeiten k├Ânnen.

Es kann helfen zuzugeben, dass man selbst auch schon einmal jemanden bel├Ąstigt hat und sich daf├╝r sch├Ąmt. Eine andere Sache ist die Gleichstellung. Das ist ein wichtiges Thema und es kann sich positiv auswirken.

Du musst ein Komitee zu Frauen in der Industrie aufstellen, dem eine fortschrittliche Frau vorsitzt, die sich wirklich mit den Gr├╝nden der Einkommensschere bei M├Ąnnern und Frauen auseinandersetzt.

Es sollte au├čerdem eines der Hauptthemen Deiner Pr├Ąsidentschaft sein, die Geh├Ąlter von M├Ąnner und Frauen anzugleichen. Hol die Frauen aus ihrer traditionellen Rolle heraus. Sie sollten Ingenieurinnen und Bauleiterinnen werden.

Und vor allem: Tu etwas gegen die Bel├Ąstigung von Frauen am Arbeitsplatz! Du hast es in der Hand und kannst alles mit einem Erlass ├Ąndern. All die positiven Ver├Ąnderungen, die Du den Frauen bringen k├Ânntest!

In dieser verr├╝ckten Welt kannst Du eine riesige Katastrophe oder eine riesiger Gl├╝cksfall sein.

Wenn Du erstmal Pr├Ąsident bist, kannst Du tun und lassen, was Du willst. Vergiss, was es Dich gekostet hat, soweit zu kommen.

Vielleicht wirst Du dadurch ein paar der Evangelikalen verlieren, vielleicht bleiben bei der n├Ąchsten Wahl ein paar Rassisten zuhause, aber Du kannst eine Menge Demokraten-W├Ąhler f├╝r Dich gewinnen.

Du kannst der Pr├Ąsident f├╝r alle sein, wenn Du das Land an die erste Stelle setzt und Dein Ego hinten anstellst.

Reformiere die Gef├Ąngnisse, bau die Infrastruktur wieder auf, mach die ├Ąrztliche Versorgung f├╝r alle erschwinglich und zug├Ąnglich, gehe die Einwanderungsthemen human an.

Vergiss die Steuererleichterungen f├╝r die Reichen, f├╝hre Steuererleichterungen f├╝r die Mittelschicht ein.

Du wei├čt, dass viele Jobs dem technologischen Fortschritt zum Opfer fielen und nicht die durch Handelsabkommen geschlossenen Fabriken f├╝r den Verlust der Arbeitspl├Ątze verantwortlich sind. Hol die Jobs in der Technologiebranche zur├╝ck in die Vereinigten Staaten.

Tu etwas gegen die Verschuldung der Studenten. Hilf armen jungen Leuten, einen Studienplatz oder eine Berufsausbildung f├╝r die guten Jobs zu bekommen, die Du allen versprichst.

Ich bete daf├╝r, dass Du einige der Dinge tust, die Du versprochen hast. Ich w├╝rde in vier Jahren gerne Dich w├Ąhlen, obwohl ich noch nie einen republikanischen Kandidaten gew├Ąhlt habe. Aber f├╝r Dich w├╝rde ich eine Ausnahme machen, wenn Du Dich ├Ąnderst.

Ich wei├č noch, als Du mir einmal einen Nerzmantel aus zweiter Hand gekauft hast, weil ich in dem Mantel durch das B├╝ro stolziert bin. Ich wei├č noch, dass Du mich immer auf gleicher Ebene behandelt hast, wir zusammen rumgealbert haben und Du Dir Scherznamen f├╝r mich ausgedacht hast. Ich wei├č noch, wie Du mich getr├Âstet hast, als ein gro├čes Projekt scheiterte.

Obwohl Du mich wirklich an meine Grenzen gebracht hast, erinnere ich mich gerne an meine Zeit im Trump Tower. Ich w├╝rde es gerne sehen, dass Du wieder zu dem selbstbewussten, engagierten und zumeist fairen Menschen von damals wirst.

Als ich Mitglied des Sch├╝lerrates meiner High School war, war ich radikal. Dann wurde ich zur Sch├╝lersprecherin gew├Ąhlt und ich erkannte, dass ich alle Interessen vertrat, nicht nur meine eigenen, eng gefassten. Das hat mich zu einer guten Sch├╝lersprecherin gemacht. Ich wei├č, dass Du ein guter Pr├Ąsident sein kannst.

Viel Gl├╝ck.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia L├╝ttmann aus dem Englischen ├╝bersetzt.

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