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Wie ein minimalistischer Lebensstil dich unterstützt, besser für dich da zu sein

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MINIMALISM
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Instinktiv nimmst du die Stimmungen und Bedürfnisse anderer Menschen wahr. Du hast ein ausgemachtes Händchen fürs Detail und rettest bei Regen Regenwürmer von der Strasse, damit sie nicht überfahren werden. Fehler fallen dir sofort ins Auge, du magst es harmonisch und bevor du dich zu einer Sache äußerst, durchdenkst du sie gründlich.

Deine Wahrnehmungsfähigkeit ist überdurchschnittlich gut, du bist ein emotional mitschwingender Mensch. Und das ist gut. Du bist gut. Die Welt braucht dich - genau so, wie du bist. Tiefsinnig und mit weichen Herzen.

Wenn da nur nicht diese dünne Haut wäre, die Nerven nicht so schnell blank liegen würden. Könnte man Wahrnehmungsfilter und Nervenpuffer käuflich erwerben - die wärest die Erste in der Kassenschlange.

Bei Reizüberflutung und Überstimulation verwandelst du dich zu einem Menschen, der du nicht sein willst: Unfreundlich, ruppig, ungerecht anderen gegenüber, ohnmächtig, wortlos, selbstmitleidig, erschöpft. Aus lauter Verzweiflung machst du die Schotten dicht und schneidest dich damit von deiner grössten Kraft ab.

Deine Verletzlichkeit ist deine größte Gabe. Es geht darum, sie zu erhalten und zu nutzen, nicht sie dir abzutrainieren. Es geht darum ein Leben zu führen, das deiner Sensibilität gerecht wird. In dem Moment, wo dir dies zunehmend gelingt, wirst du widerstandsfähiger. Das ist der Boden, auf dem du deine Fähigkeiten weiter entwickeln und in die Welt tragen kannst.

Die Welt braucht dich und deine Qualitäten

Mit einem minimalistischen Lebensstil entrümpelst du dein Leben von überflüssigen Reizen - in Bereichen, auf die du unmittelbar Einfluss hast. Das ist Selbstwirksamkeit.

Viele gute Gewohnheiten, die in der minimalistischen Szene gang und gäbe sind, entspringen dem Bedürfnis nach einem achtsamen Umgang mit sich selbst und der Welt. Sie unterstützen dich, dich zu spüren und zu dir zurück zu kehren. Das ist hilfreich, um dein entgrenztes Ich einzufangen, das die Gewohnheit hat, sich im Aussen zu verlieren. Ein minimalistischer Lebensstil: Wahrer Nervenbalsam für Dünnhäuter

Im Folgenden liste ich acht Empfehlungen auf. Jede dieser Empfehlungen könnte inhaltlich einen eigenen Beitrag füllen. Anliegen dieses Artikel ist, dir eine Übersicht zu geben.

1. Reduziere visuelle Reize

Dein Sehsinn hat die höchste Aufnahmefähigkeit von allen Sinnen. Er liefert ca. 80 Prozent aller Informationen, die dein Gehirn verarbeitet. Und ein visueller Sinneseindruck ist - durch die ihm enthaltenen Symbole und Botschaften - häufig äusserst komplex. Er ruft Assoziationen und Emotionen hervor, die deine Aufmerksamkeit in Beschlag nehmen.

Mit Nippes überquellende Bücherregale. Sinnloser Kram auf Ablageflächen. Verstaubender Krempel in Ecken. All das strapaziert und beschäftigt deine Augen und deinen Geist permanent. Oft in überflüssiger Weise.

Gönne dir ein Zuhause mit klaren Flächen & Linien, bewusst ausgesuchten Möbel- und Kunststücken und aufgeräumten Regalen.

2. Reduziere deine häuslichen Verpflichtungen

Als Dünnhäuter bist du nicht nur für Sinnesreize empfänglicher. Es braucht ausserdem nur wenig, um die innere Verpflichtungs-Alarmglocke zum Schellen zu bringen.

Die Pflege und Wartung von Autos, Küchenmaschinen, Hobby-Geräten oder Sportzubehör kann eine Stressquelle sein. Dies trifft vor allem zu, wenn das Kümmern um deinen Besitz mit deinem hochsensiblen Drang nach Perfektionismus, Genauigkeit und Sorgfalt einher geht. Schau, was du entrümpeln kannst.

3. Meide Einkaufszentren

In den Konsumtempeln triffst du auf Menschenmassen, Musikbeschallung und bunt-leuchtende Reklame. Zeitgleich präsentiert sich dir ein gigantisches, nicht mehr zu überblickendes Warenangebot. Die Informationsüberlastung ist vorprogrammiert.

Schenk' dir die Wahl zwischen -zig ähnlich aussehenden Kleidermarktketten, die ihre Ware im Zweifelsfall unter nicht vertretbaren Bedingungen herstellen lassen. Wochenmärkte, Second-Hand-Shops und Bioläden bieten zwar ohne Frage ebenfalls eine Menge an Reizen - aber anderer Qualität.

4. Pflege einen sorgfältigen Umgang mit Informationen und Medien

Für deinen hochsensiblen Geist empfiehlt sich eine ausgeklügelte Informations- und Mediendiät. Das gilt nicht nur für Newskonsum, Bespaßungs-Formate im TV, zielloses Surfen im Netz oder Social-Media-Multitasking. Entscheidend ist ebenfalls die Auswahl der Inhalte.

Ich kenne Hochsensible, die beispielsweise nach einer spätabendlichen Dokumentation über Gunter Sachs nicht einschlafen können, so intensiv beschäftigen sie sich dann mit dem Thema Suizid.

Wähle die Medien (TV, Radio, Internet, PC, Buch, Zeitung/Zeitschrift, Video, Kino) sowie Inhalte bewusst. Dazu gehört das Wissen darum, welche Themen dich in besonderem Maße berühren und ein sorgfältiger Umgang mit ihnen.

5. Reise weniger (vor allem in die Ferne)

Reisen beansprucht dein Nervenkostüm, das sich auf neue Einflüsse aller Art einstellen muss. Auch die Umwelt leidet, das gilt besonders für das Fliegen. Je weiter der Flug, desto grösser der CO2-Ausstoß und der Zeit-, Kultur- und Klimasprung, den du zu managen hast.

Beim Reisen sprechen wir nicht nur über die Netto-Reisezeit, also die Zeit, in der wir tatsächlich unterwegs sind. Die Erregung beginnt für einen dünnhäutigen Menschen lange vor der Reise und er braucht länger, um zu seinem Alltags-Rhythmus zurück zu finden. Wenn du als hochsensibler Mensch regelmässig reist, kann es sein, dass du kaum zur Ruhe kommst.

Gerade weil Reisen vieler deiner Sinnes-Ressourcen (sowie andere Ressourcen) in Anspruch nimmt, lohnt es sich hinzuschauen, welche Bedürfnisse es dir erfüllt und ob der Mitteleinsatz dafür verhältnismässig ist.

Es geht nicht um Rückzug von der Welt - es geht um die Zusammenkunft mit einer reizvollen Welt. Vielleicht hast du bis hierher den Eindruck gewonnen, es ginge für dich als hochsensible Person darum, dich weit in deinen Kokon zurück zu ziehen. Doch es geht nicht um Rückzug.

Deine Wahrnehmungsfähigkeit ist überdurchschnittlich differenziert und dein Gehirn ist oft nicht in der Lage, die entstehende Reizüberflutung angemessen zu verarbeiten. Das ist ein Fakt. Entscheidend ist, hierfür die Verantwortung zu übernehmen und überflüssige Reize konsequent zu meiden.

Dem steht ein Leben ausserhalb deines Kokons gegenüber. Ein Leben, das dich reizt - im positivem Sinne. Ein Wirkungsfeld in der Welt, in dem du deine Gaben umsetzt, das dir Auftrieb gibt und dich auch Unangenehmes gut bewältigen lässt. Ein minimalistischer Lebensstil bedeutet nicht Rückzug, sondern das Etablieren von zahlreichen Energie-Tankstellen in deinem Leben.

Deshalb lohnt es sich, jeden Bereich feste abzuklopfen: Wo kann ich gut auf Reize verzichten? Wo will ich etwas in die Welt tragen und damit in der „reizvollen" Welt sein?

6. Kultiviere Selbstkontakt durch Ruhepunkte

Minimalistisch zu leben heisst bewusst zu leben. Und sich bewusst wirst du dir in der Ruhe. Stress und Unruhe behindert den Zugang zum Selbst. „Derjenige Teil der menschlichen Psyche, der für das Selbst zuständig ist, braucht absolute Ruhe, um arbeiten zu können" schreibt die Psychoanalytikerin Maja Storch.

Finde deine Ruhepunkte und fange dein zerfranstes Selbst ein. Durch Mediation, Achtsamkeits- oder Entspannungsübungen. Oder durch regelmässig Nichtstun, Verweilen, Innehalten. Das hilft dem Selbst, sich selbst zu finden.

7. Strukturiere deinen Alltag

Viele Minimalisten, die ich kenne, lieben Strukturen in Form von Tages- und Wochenplänen sowie To-Do-Listen. Sie überlegen sich täglich ihre MIT (Most Important Tasks), organisieren ihr Leben mit Superbüchern und sind Kenner in Sachen Zeitmanagement-Systeme.

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Im Alltag geben dir diese Systeme eine Übersicht. Sie sorgen, dass du deine Ziele im Auge behältst. Pläne und Strukturen bieten dir in konkreten Situationen eine Handlungsorientierung. Das sind für Menschen wie dich, die sich leicht im Aussen und in ihren Emotionen verlieren, wichtige Pfeiler, um bei dir und deinen Anliegen zu bleiben.

Wenn der Kollege mit dem dringenden Anliegen neben dir steht - und du spürst seine Not - dann kann ein Blick auf deine To-do-Liste hilfreich sein, um dich selbst an deine Ziele zu erinnern und sie in dem darauffolgenden Gespräch adäquat zu vertreten.

8. Pflege einen minimalistischen Kalender

Stopfe dir deinen Kalender nicht mit Aktivitäten zu, sondern reserviere großzügig Auszeiten. Sei kritisch mit Vorhaben, die der Work-Life-Balance dienen. Frage dich, ob die Yoga-Stunde, die du zwischen Feierabend und Abendessen noch in den Tag hinein quetscht, wirklich entstressend ist.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf dem Blog der Autorin Frau Momos Minimalismus.

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Was braucht es für ein gutes Leben?

Das größte Auto, das neueste Smartphone, die teuerste Wohung... Hauptsache mehr, viel und teuer. Für viele Menschen mag das die Erfüllung des Lebens sein, doch es gibt auch eine Gruppe, die das ganz anders sieht.

Minimalismus heißt der Trend, sich von allen unnötigen Dingen zu lösen. Was haltet ihr davon? Diskutiert mit. Schreibt uns eine E-Mail an Blog@huffingtonpost.de