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6 Fehler - Warum in Haushalt und Familie alles an Ihnen hängen bleibt

13/02/2016 11:35 CET | Aktualisiert 13/02/2017 11:12 CET
Peathegee Inc via Getty Images

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Den Haushalt organisieren - das ist Frauensache? Die Familie - das macht Mutti? Da scheint sich wenig geändert zu haben.

Viele Frauen hatten sich das anders vorgestellt, als sie eine Familie gründeten. Aufgewachsen als emanzipierte, gleichberechtigte Frau gingen sie davon aus, dass sich die Aufgaben im Haushalt und die Kindererziehung selbstverständlich zu gleichen Teilen auf die eigenen Schultern und die des Partners verteilen.

Jeder erledigt seinen „fair share" - so wie zuvor, als man noch keine Kinder hatte. Doch dann kommt meist alles anders. Und das ist, leider, ein viel bekanntes Problem.Von der „Rolle rückwärts" sprechen Wissenschaftler wie Familienforscher Hans-Peter Blossfeld oder auch Soziologin Jutta Allmendinger in ihren Studien.

Und bezeichnen damit das Phänomen, wenn mit der Geburt des ersten Kindes plötzlich die Frau zu Hause den Großteil der Arbeiten erledigt - ganz wie es früher in der traditionellen Familie üblich war. Plötzlich, so scheint es, wird das moderne Selbstverständnis über Bord geworfen.

Mit einem Mal treten alle verborgenen Glaubenssätze davon, wie eine Frau scheinbar zu sein hat, zu Tage. Das alte Programm „er arbeitet, sie macht das Zuhause schön" wird mit der Familiengründung reaktiviert.

Die typische Falle


Sie haben genug davon, der Packesel der Familie zu sein? Dann müssen Sie sich von all dem lösen, was Sie glauben, dass andere von Ihnen als Frau erwarten. Es gibt einige typische Fallen, in die Sie als Frau oft ganz unbewusst tappen - doch möglichst vermeiden sollten:

1. Sie hoffen darauf, dass man Ihnen Ihre Erschöpfung ansieht und Ihre Überarbeitung anmerkt - und man Ihnen deshalb Arbeit abnimmt. Sie trauen sich nicht, selbst das Thema anzusprechen, weil Sie glauben, Sie müssten für Heim und Kinder alleine zuständig sein, weil „er" mehr verdient als Sie oder Sie in Elternzeit ja „ohnehin" zu Hause sind. Vergessen Sie diesen Gedanken. Der gehört in die Mottenkiste.

2. Sie nörgeln, statt klare Ansagen zu machen und Forderungen nach mehr Mithilfe zu stellen. Weil Sie denken, es stehe Ihnen als Frau nicht zu, sich über Hausarbeit zu beklagen.Vorsicht, auch das ist eine Klischeefalle.

Im übrigen können Männer mit direkten Aufforderungen viel besser umgehen, als wir denken. Sie sind ihnen sogar lieber als versteckte Vorwürfe, die ihnen nur ein schlechtes Gewissen machen.

3. Sie ziehen keine Grenzen und sagen zu selten „Nein". Weil Frauen zur „Kümmerin" erzogen werden und gelernt haben, dass man anderen keinen Wunsch abschlägt, sondern hilft. Frauen lernen bereits als kleine Mädchen „zu gefallen" und Konflikte zu vermeiden. Mit der Konsequenz, dass sie zu allen anderen lieb und nett sind - nur nicht zu sich selbst. Hier muss eine gesunde Portion Egoismus her, sonst gehen die eigenen Bedürfnisse völlig unter.

4. Sie bieten sich zu häufig als Auffangnetz an und lassen es zu, dass Sie stets als Notnagel benützt werden - der mal eben die Kinder zum Arzt fährt, die Lebensmittel einkauft etc. Fordern Sie stattdessen einen freien Nachmittag oder Tag pro Woche, an dem Sie tun und lassen können, was Sie wollen. Das steht Ihnen zu bei dem, was Sie tagaus, tagein alles leisten und schultern.

5. Sie agieren in vorauseilendem Gehorsam. Das heißt, Sie greifen ein bzw. erledigen Aufgaben, die auch mal liegenbleiben könnten. Statt den Mülleimer und den Wäschekorb überquellen zu lassen, können Sie es nicht sehen, wenn keine frische Socken mehr da sind. Sie verpassen damit die Chance, dass der andere von selbst Initiative ergreifen kann (oder gar muss).

6. Sie nehmen sich andere Mütter zum Vorbild, die stets alles richtig und perfekt machen. Also jene, die immer den Kuchen für's Schulfest gebacken haben und an jedem Elternabend anwesend sind und nur gesundes, frisch Gekochtes auf den Tisch stellen. Lassen Sie es. Das macht nur vollkommen unnötig Stress.

Die Lösung des Problems


Was können Sie außerdem noch tun, um sich mehr Luft zu verschaffen? Lassen Sie es erst gar nicht zu, dass sich dieser Automatismus einschleicht - erst im Kleinen, langsam, dann unaufhörlich - , wonach Sie im gemeinsamen Heim für fast alle Haushaltsdinge und Kinderfragen zuständig sind.

Teilen Sie sich frühzeitig mit Ihrem Partner die Aufgaben klipp und klar auf und schreiben Sie sich das auf. Am besten noch bevor das erste Kind da ist.

Mehr zu dem Thema in dem Buch „Und was jetzt? Wie Frauen der Spagat zwischen Unabhängigkeit und Familienglück gelingt".

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Dr. Bärbel Kerber ist Sachbuchautorin, Journalistin und vierfache Mutter. Sie lebt mir ihrer Familie in Berlin.

Grafik: studiostoks via shutterstock.com

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