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Urlaubssperre fĂĽr marokkanische Minister

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MARRAKECH
mmeee via Getty Images
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Marokkos König Mohamed VI. hat die schleppende Umsetzung eines Förderprogramms für die Rif-Region im Norden des Landes kritisiert. Der Monarch äußerte bei einer Kabinettssitzung am Sonntag seine "Enttäuschung, Unzufriedenheit und Sorge" über die Verzögerungen bei dem 600-Millionen-Euro-Programm für die Gebirgsregion, wie die Regierung mitteilte. Den zuständigen Ministern strich der König den Sommerurlaub, um das Programm endlich umzusetzen.

König Mohamed VI. pflegte ein Image als populärer und volksnaher Monarch. Seine Reden waren stets an Tatsachen orientiert; wenn sie überzeugten, dann deshalb, weil das marokkanische Volk genauso wenig wie er selbst hohles Getöne schätzte.

Das wechselnde Tempo, in dem die Umwandlung des politischen und öffentlichen Lebens in Marokko in den vergangenen Jahren vor sich ging, entsprach dem Temperament seines Initiators: Mit seinem ausgeprägten Gespür für das Machbare wartete der König geduldig den günstigsten Augenblick für die Neuerungen ab, überraschte aber auch immer wieder mit plötzlichen Entscheidungen, wenn die Sache keinen Aufschub duldete.

Insofern ist seine aktuelle Entscheidung hinsichtlich der verhängten Urlaubssperre mehr als nachvollziehbar.

Der König gab niemals der Versuchung nach, seine Popularität dadurch zu erhöhen, indem er an die niederen Instinkte der Bevölkerung appellierte; vielmehr besaß er den Mut, Reformen, wann immer er sie für notwendig hielt, zu beschleunigen und zum Abschluss zu bringen.

Dieser Staatschef ist sehr geschickt: Er diskutiert mit seinem Regierungschef, mäßigt, gibt Ratschläge und unterstützt zugleich kulturelle Vielfalt und öffnete Marokko der Welt, so die Einschätzung des wohl zurzeit in Deutschland berühmtesten Schriftsteller des Königreichs Tahar Ben Jelloun.

König Mohamed VI hat einen modernen Staat mit einer boomenden Wirtschaft vor Augen, die in das globale Handeln integriert und eng mit Europa verzahnt ist.

Er hatte schließlich als Kronprinz, unter anderem ein Praktikum bei der Europäischen Kommission absolviert und dürfte damit das einzige arabische und islamische Staatsoberhaupt sein, das wirklich Einblicke in die inneren Zusammenhänge der Europäischen Union gewonnen hat.

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