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Wie kommt es, dass Google so viel über Sie weiß?

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Sie suchen nach einem Klempner, und obwohl Sie Ihren Standort nicht explizit bei Ihrer Suche eingegeben haben, weiß Google, dass Sie sich in Berlin oder Düsseldorf befinden. Sie besuchen einen Online Shop, sehen sich ein Produkt an und sehen später genau dieses Produkt aus diesem Shop in einer Werbeanzeige auf einer ganz anderen Website.

Wenn Sie sich dabei verfolgt fühlen und sich Gedanken machen, woher „das Internet" und besonders Google so viel über Sie weiß, stehen Sie mit diesen Bedenken nicht alleine da. Viele Nutzer und auch Datenschutzbeauftragte beobachten Googles Datensammlungen mit misstrauischem Blick. Doch warum weiß Google überhaupt so viel? Ging es nicht früher mal darum, die Suche nach Informationen zu vereinfachen, anstatt den Nutzer „auszuspionieren"?

Google als Online-Rundum-Service

Google begann seine Erfolgsgeschichte als Suchmaschine, doch dieser Dienst ist schon lange nicht mehr der einzige. Inzwischen bietet der Konzern eine Art Rundum-Service im Internet. Uneigennützig ist das natürlich nicht: All die praktischen Dienste, die Google anbietet, dienen dem Konzern auch dazu, eine Unmenge an Daten zu sammeln. Nicht umsonst spricht man auch von der „Datenkrake Google".

Google verknüpft alle Daten miteinander, die Sie im Internet hinterlassen. Am einfachsten geht dies natürlich über einen Login, etwa wenn Sie Googlemail nutzen, YouTube, Google Drive oder einen der zahlreichen anderen Google-Dienste.

Google erklärt dies damit, die Nutzung der verschiedenen Produkte einfacher und intuitiver zu machen, im Klartext bedeutet dies aber auch, dass alle Ihre Daten zusammengeführt werden: Was Sie suchen, welche Anzeigen Sie bei AdWords schalten, welche E-Mails Sie erhalten, welche Standorte Sie aufsuchen, welche Videos Sie sich ansehen, mit wem Sie bei Google+ vernetzt sind und was Sie dort schreiben, kommentieren und positiv bewerten.

Wie es dazu kam: Von der Suchmaschine zur „Datenkrake"

Der Beginn der Geschichte klingt wie ein Hollywoodfilm: 1998 gründeten die beiden Informatikstudenten Larry Page und Sergey Brin in einer kleinen Garage das Unternehmen Google Inc., zunächst als reine Suchmaschine. Die ersten Kooperationen mit AOL und Netscape ließen die Anzahl an täglichen Suchanfragen rasant in die Höhe schnellen, bereits 2000 wurde Google zur führenden Suchmaschine auf dem Markt.

Es folgte Google Adwords, die Bildersuche und Google News, kurze Zeit später der Börsengang. Heute gehört Google nicht nur zu den wichtigsten Unternehmen im Internet, sondern auch zu den größten und einflussreichsten Unternehmen weltweit. Und der Konzern baut seine Alleinstellung weiter aus.

Zu den wichtigsten Zutaten für Googles Erfolgsrezept gehörten und gehören zahlreiche Kooperationen und Übernahmen von wichtigen Unternehmen, die eigene Technologien ergänzen oder die Grundlage für Google-Produkte liefern. Einige Beispiele: Durch Kooperationen mit Yahoo! und AOL erhöhte Google seine Reichweite erheblich. Die Übernahme von „Pyra Labs" legte den Grundstein des Google-Blogging-Dienstes Blogger. Mit Hilfe der Technologie des übernommenen Unternehmens Keyhole wurde Google Earth entwickelt, die Übernahme des Unternehmens Urchin lieferte die Technologie für Google Analytics.

Einer der wichtigsten Deals war die Übernahme von DoubleClick im Jahr 2008, der Google die Kontrolle über einen Großteil des Online-Werbemarktes einbrachte. 2009 startete DoubleClick Ad Exchange, ein Echtzeitmarkt zum Kauf und Verkauf von Onlinewerbung. Die Zusammenführung der beiden Datenbanken von Google und DoubleClick sorgte dafür, dass Google noch besser als bisher über das Surfverhalten der Nutzer Bescheid wusste.

So sind sehr detaillierte Nutzerprofile möglich. Ihr Name interessiert Google dabei nicht, stattdessen geht es um demografische Merkmale, um Interessen und Gewohnheiten rund um die Nutzung des Internets. IP-Adressen der Rechner sind Google bekannt, von mobilen Nutzern auch der Standort. Besitzen Sie ein Android-Smartphone? Damit verwenden Sie Googles eigenes mobiles Betriebssystem und liefern dem Konzern damit einige verwertbare Daten. Dies geht bis hin zu Bewegungsmustern.

An Google kommen Sie nicht vorbei!

Die oben beschriebenen Daten sind dafür verantwortlich, dass Google Ihre Bedürfnisse, Ihre Interessen und Vorlieben mit teilweise erschreckender Genauigkeit voraussagen und Ihnen maßgeschneiderte Suchergebnisse und Werbung liefern kann. Auf der einen Seite bedeutet dies, dass das Internet, die Suche und die Anzeigen auf den von Ihnen besuchten Seiten für Sie relevanter werden, auf der anderen Seite werden Sie als Nutzer immer gläserner.

Mit einer gigantischen Reichweite und Monopolen in vielen Bereichen des Online-Geschehens kontrolliert Google schon jetzt große Teile des Internets. Hierzulande spielen andere Suchmaschinen praktisch keine Rolle, sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen können sich Google und seiner Macht nicht entziehen. Müssen Sie also Googles Datensammlungen und das beklemmende Gefühl, dass der Konzern alles über Sie weiß, hinnehmen?

Ohne Google geht es nicht, so können Sie nur kosmetische Änderungen vornehmen, Ihre Suchhistorie löschen zum Beispiel oder nicht Ihre gesamte Onlinezeit in eingeloggtem Zustand verbringen. Natürlich können Sie Ihr Google-Konto löschen und auf dessen Vorteile verzichten, die Datensammlungen können Sie dennoch nicht vollkommen unterbinden. Seien wir also ehrlich: Wo Datenschützer relativ machtlos sind, haben Privatpersonen kaum eine andere Möglichkeit, als sich daran zu gewöhnen, dass Google die Informationen des Internets kontrollieren und möglichst alles über dessen Nutzer wissen möchte. Alles zu Ihrem Wohl, versteht sich!

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