BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Axel Steier Headshot

Wir wollten Flüchtlinge retten, jetzt ermittelt die sächsische Polizei gegen uns

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Ich habe die Bilder von frierenden, leidenden Menschen gesehen. Tausende Flüchtlinge standen im Herbst 2015 vor den Registrierungspunkten. Sie warteten, harrten aus. Ohne Versorgung.

Da wurde mir klar: Wenn wir jetzt nichts machen, machen wir uns mitschuldig. Gerade wenn man die Möglichkeiten hat zu helfen.

Mit einigen Mitstreitern sind wir von Dresden die Balkan-Route entlang gefahren. Wir haben für die Menschen gekocht und geholfen, wo es ging. Auf den griechischen Inseln Chios und Lesbos haben wir dann die ersten Boote gesehen.

Wir erkannten: Ohne eigenes Schiff werden wir den Flüchtlingen nicht mehr helfen können. Deswegen haben wir vor einem Jahr Mission Lifeline gegründet. Seitdem sammeln wir Geld für ein Rettungsschiff und die Ausrüstung - 190.000 von 240.000 Euro haben wir schon zusammen.

Wir dachten erst an ein Fake-Schreiben

Doch in der vergangenen Woche kam der Schock: Im Briefkasten unseres Vereins landete eine Vorladung der Polizei.


Wir dachten zuerst, das wäre ein Fake-Schreiben. Denn auf dem Dokument war kein Paragraf vermerkt, auf den sich der Vorwurf bezog. Auch unsere Juristin glaubte an eine Fälschung. Doch die Polizei bestätigte: Gegen uns werde ermittelt.

Der Vorwurf: "Versuch des Einschleusens von Ausländern". Wir haben noch nicht einmal ein Schiff. Geschweige denn haben wir bisher einen einzigen Menschen aus dem Mittelmeer retten können.

Deshalb sind die Ermittlungen gegen uns einfach absurd.

Es gibt viele Menschen, die unsere Arbeit hassen

Natürlich gibt es viele Menschen, gerade hier in Dresden, die unsere Arbeit hassen und uns einfach nerven wollen. Vermutlich hat jemand von denen Anzeige gegen uns erstattet.

Mehr zum Thema: "Ich hoffe, ihr findet den Tod im Meer" - Flüchtlingsrettern schlägt Hass entgegen

Denn wir hatten bereits einmal gegen Pegida geklagt. Ihr Initiator Lutz Bachmann musste im erst im Januar eine Unterlassungserklärung unterzeichnen. Er durfte uns nicht als "kriminelle Schlepperbande" und "Gesetzesbrecher" bezeichnen. Vielleicht ärgert das den einen oder anderen noch immer.

Allerdings muss doch die Staatsanwaltschaft Dresden die Voraussetzungen geprüft und mitbekommen haben, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Trotzdem haben sie die Ermittlungen zugelassen.

Dennoch gehen wir davon aus, dass die Sache nach der Vorladung erledigt ist.

Die haltlosen Vorwürfe können das Vertrauen der Spender zerstören

Die haltlosen Vorwürfe gegen uns können das Vertrauen der Spender zerstören. Ich hoffe allerdings, dass der Vorfall am Ende sogar ein Vorteil ist, weil sich die Menschen mit uns solidarisieren.

Unser Einsatz ist mehr denn je nötig. Die Bedingungen in den Kriegs- und Krisenregionen haben sich nicht geändert. Die Ströme werden nicht abreißen. Und die meisten Menschen versuchen sich über Libyen nach Europa zu retten - weil sie glauben, dass dort der Weg am einfachsten ist.

Das Problem: Im dortigen Gebiet sind etwa zehn private Rettungsorganisationen mit Schiffen unterwegs. Doch nur etwa drei oder vier sind gleichzeitig auf dem Meer - und nur mit Glück werden die Schiffbrüchigen gefunden. Denn das Suchgebiet ist so groß wie die Bundesrepublik.

Ohne die privaten Retter würde es Tausende Tote mehr geben.

Deshalb kann es nicht genug Retter und Schiffe geben.

Mehr zum Thema: Österreichs Außenminister Kurz greift die Arbeit von Flüchtlingsrettern an - die reagieren mit Entsetzen

Der Text wurde von Marco Fieber protokolliert.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffiPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

(sk)