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"Political Correctness" oder: Jeder sollte das Recht haben ... ?

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POLITICAL CORRECTNESS
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Seit geraumer Zeit hĂ€ufen sich in Deutschland und anderswo DebattenbeitrĂ€ge ĂŒber "Political Correctness". Meistens wird Unmut darĂŒber geĂ€ußert, dass es unmöglich sei, seine Meinung zu sagen, ohne deswegen von Anderen belehrt, mundtot gemacht oder ins Abseits gedrĂ€ngt zu werden. Zur „unbequemen Wahrheit" brauche es Mut, in Deutschland und anderswo.

Der Aufstand der Inkorrekten, Unbequemen und Mutigen erfolgt mal rhetorisch geschickter, mal plakativer. Bisweilen kommt er ohne jede ZurĂŒckhaltung als wĂŒste Pöbelei daher und entlarvt sich damit selbst.

Politiker*innen wie Alice Weidel, Intellektuelle wie Slavoj ĆœiĆŸek, zahlreiche Journalist*innen und ganze Heerscharen von Facebook- und Twitter-User*innen beklagen eine zunehmende ideologische Bevormundung, der sich kaum noch entzogen werden könne.

Sie sehen eine totalitĂ€re Herrschaft der Gutmenschen heraufdĂ€mmern, in der Sprach- und Denkverbote um herbeigeredeten Zeitgeist-MĂŒll kreisten.

Als besonders schlĂŒssiger Beweis fĂŒr angebliche AuswĂŒchse einer "Political Correctness" gilt die Kritik an denen, die angebliche AuswĂŒchse der "Political Correctness" thematisieren. Doch auch solche "unbequemen Wahrheiten" haben fĂŒr sich keinen Wahrheitsanspruch, nur weil sie ausgesprochen werden. Sachliche Kritik daran ist keine Meinungsdiktatur.

Kritik ist keine Meinungsdiktatur

Widerspruch bedeutet nicht automatisch „Moralkeule" oder "Intoleranz", sondern sollte als eine Aufforderung zum Dialog verstanden werden, zum diskursiven Schlagabtausch, zum Wettbewerb der Ideen und Argumente.

Wer aber Kritik generell als unangebrachte Belehrung zurĂŒckweist oder als EinschrĂ€nkung der Meinungsfreiheit diskreditiert, will sich gegen Kritik immunisieren.

Derzeit wird sehr viel ĂŒber den verunglĂŒckten Entwurf eines "Netzwerkdurchsetzungsgesetzes" diskutiert. Viele Menschen, darunter Medien-Profis und Menschenrechtsaktivist*innen, haben aus guten GrĂŒnden prinzipielle Bedenken, die Entscheidung ĂŒber die ZulĂ€ssigkeit bestimmter MeinungsĂ€ußerungen im Internet privaten Unternehmen zu ĂŒbertragen.

Einige aber sprechen von Gesinnungsterror, vergleichen das Bundesjustizministerium mit dem MfS bzw. der GeStaPo oder wĂŒnschen sich sogar ganz unverblĂŒmt Heiko Maas und andere "VolksverrĂ€ter" an den Galgen.

Der Protest gegen "Political Correctness" ist dann vielsagend, wenn dabei fast unterschiedslos eine Lanze fĂŒr Mobster, Bullies, Rassist*innen und Antisemit*innen gebrochen wird, weil in deren Äußerungen nicht eindeutig die rechtliche Grenze des Sagbaren ĂŒberschritten sei. Als könne nicht zwischen den Zeilen gelesen werden.

Als sei nicht zu verstehen, welche Ideen da teilweise nur sehr schlecht verhohlen, teilweise sehr offensichtlich transportiert werden. Als wÀre die Botschaft nicht erkennbar.

Noch viel mehr als der Sinn eines "Netzwerkdurchsetzungsgesetzes" oder der Unsinn jeder Zensur sollte uns deshalb die Frage beschĂ€ftigen, wieso jemand so vehement auf sein verbrieftes Recht pochen sollte, Äußerungen zu tĂ€tigen, die von Anderen offenbar als Vorurteile, Abwertungen und GehĂ€ssigkeiten empfunden werden - und wieso es denn eine demokratische Tugend sein sollte, von einem solchen Recht ausgiebig Gebrauch zu machen.

Empörung ĂŒber Rassismus oder Sexismus? - „Ironiefreiheit und Humorlosigkeit!"

Dass „TugendwĂ€chter" die moralische Überlegenheit nicht gepachtet haben, ist hinlĂ€nglich bekannt. Zu oft jedoch wird die Debatte ĂŒber „Political Correctness" nach dem Prinzip „Haltet den Dieb!" gefĂŒhrt.

Typisch ist beispielsweise die Forderung, Betroffene und Zeug*innen diskriminierender Aussagen sollten nicht "empfindlich", "beleidigt", „verbissen" oder „humorlos" sein.

Mit diesem einfachen Kniff werden in der Debatte pauschal auch TĂ€ter*innen zu Opfern, Opfer zu TĂ€ter*innen umgedeutet: "Hör gefĂ€lligst weg, wenn dir nicht passt, was ich sage! Aber schrĂ€nke gefĂ€lligst nicht meine Freiheit ein, dich 'verĂ€chtlich' zu machen! Kriminalisiere meine Meinung nicht als 'Diskriminierung'! Und ĂŒberhaupt: haben wir keine echten Probleme?"

Die Wahrnehmung der Genannten oder Gemeinten wird als pedantisch, als unzulĂ€ssig, als absurd abgestempelt. Eine Diskussion darĂŒber, was an der einen oder anderen Äußerung tatsĂ€chlich problematisch sein könnte, wieso eine BeschĂ€ftigung damit relevant ist, wird im Keim erstickt.

Schon bloße Nachfragen werden als belehrend, anmaßend und ĂŒbergriffig empfunden. Hier zeigen sich das sehr einseitig ausgeprĂ€gte Unrechtsbewusstsein und die „Empfindlichkeit" vieler Meinungsmutiger.

GrundsĂ€tzlich kann und darf Vieles gesagt werden. Ob deswegen Alles davon gesagt werden sollte oder muss, ist höchst diskussionswĂŒrdig. Das ist weniger eine Frage der "Political Correctness" als eine Frage des gegenseitigen Respekts und der Debattenkultur.

Wer sich diskriminiert fĂŒhlt, weil die eigenen Äußerungen auf Kritik stoßen, sollte sich mit dieser Kritik und ihren Argumenten sachlich auseinandersetzen. Am Ende könnte dies zum Vorteil Aller sein. Und helfen, sich den echten Problemen zu widmen.

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