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Statistik belegt: Kinder sind in Deutschland ein Armutsrisiko

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ALLEINERZIEHENDE
Statistik belegt: Kinder sind in Deutschland ein Armutsrisiko | dpa
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Die Zahl der Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten, die von Hartz IV leben, ist in den vergangenen Jahren gestiegen, obwohl insgesamt deutlich weniger Kinder als noch 2006 in Deutschland auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sind.

Wie aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, die der Huffington Post vorliegen, gab es im Jahresdurchschnitt 2015 etwa 886.000 Kinder unter 18 Jahren in Alleinerziehenden-Haushalten, die Anspruch auf Leistungen vom Jobcenter hatten.

2006 bezogen noch 879.000 Kinder von Alleinerziehenden die Grundsicherung. Im selben Zeitraum ist Gesamtzahl der Kinder, die einen Hartz-IV-Anspruch haben, um 277.000 oder 13 Prozent gesunken - von 2,1 Millionen im Jahr 2006 auf gut 1,8 Millionen im vergangenen Jahr.

Mehr zum Thema: Hohe Kinderarmut: Im Westen leben immer mehr Familien von Hartz IV

Die stellvertretende Fraktionschefin der Linken im Bundestag Sabine Zimmermann hatte die Daten beim Bundesarbeitsministerium angefragt. Sie sagte der Huffington Post, Alleinerziehende seien von den frauentypischen Problemen am Arbeitsmarkt besonders betroffen. „Für viele werden Teilzeit und Minijobs zur Armutsfalle. Darunter haben auch ihre Kinder völlig unverschuldet zu leiden".

Darum müsse das Kinderbetreuungsangebot auch in Randzeiten ausgebaut werden. „Die Kitaplatz-Garantie muss endlich flächendeckend in die Tat umgesetzt werden".

Zudem fordert sie, das Kindergeld nicht länger auf die Hartz-IV-Leistung anzurechnen und den allgemeinen Regelsatz auf 560 Euro im Monat anzuheben.

Ein Job allein reicht nicht

Tatsächlich belegen die Zahlen aus der Antwort des Arbeitsministeriums an die Linke, dass viele Alleinerziehende trotz Berufstätigkeit nicht ohne Hartz IV auskommen. So ist die Zahl der Erwerbstätigen, die in Alleinerziehenden-Haushalten von ergänzender Hartz IV-Leistung leben, über Jahre hinweg deutlich gestiegen.

Im Juni 2015 waren rund 233.400 Alleinerziehende sogenannte Aufstocker, die neben einer Erwerbstätigkeit noch Grundsicherungsleistungen vom Jobcenter erhalten. Das waren etwa 41.000 oder 21 Prozent alleinerziehende Aufstocker mehr als noch im Juni 2007.

Seit 2014 ist die Zahl der Aufstocker in Alleinerziehenden-Haushalten leicht rückläufig. Im Februar 2016 bezogen noch knapp 225.000 Alleinerziehende neben ihrem Einkommen die Grundsicherung.

Großfamilien härter betroffen

Von der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt, mehr sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und steigenden Löhnen profitieren offenbar Familien, in denen Partner mit Kindern zusammenleben, deutlich mehr als Alleinerziehende - vorausgesetzt, es wohnen nicht mehr als zwei Kinder im Haushalt.

Die Zahl der Aufstocker, die in Partner-Haushalten mit Kindern leben, hat sich über alle Haushaltsgrößen hinweg verringert - von 409.000 im Juni 2007 auf 342.000 im vergangenen Jahr (minus 16 Prozent). Der Rückgang fand jedoch überdurchschnittlich in Haushalten mit nur einem Kind (minus 28 Prozent) statt.

In geringerem Umfang verringerte sich auch die Zahl der Aufstocker in Partnerhaushalten mit zwei Kindern (minus 13 Prozent). Dagegen ist die Zahl der berufstätigen Hartz-IV-Empfänger, die mit Partner und drei oder mehr Kindern zusammenleben, sogar um sieben Prozent im Vergleich zu 2007 gestiegen.

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