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Die G20-Agenda hat kein solides Fundament, wenn Staatschefs nicht stärker in Bildung investieren

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Globalisierung zum Nutzen aller gestalten - das ist das Ziel der deutschen Bundesregierung für den anstehenden G20-Gipfel in Hamburg. Gemeinsam werden die Staats- und Regierungschefs diskutieren, wie man nachhaltiges Wachstum in Afrika nach vorne bringen, die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit von Frauen stärken und Arbeitsplätze für eine rasant wachsende Jugendgeneration schaffen kann. Investitionen und Infrastruktur sind die zugehörigen Schlagworte.

Diese Pläne sind großartig und ich unterstütze sie von ganzem Herzen. Jedoch weist die Liste der Themen eine entscheidende Lücke auf: Die G20 hat es versäumt, Investitionen in Bildung auf ihre Agenda zu setzen. Ohne besseren Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung für alle Kinder ist es schwer vorstellbar, wie die G20-Agenda realisiert werden kann.

Die Lernkrise in den Ländern südlich der Sahara ist gewaltig: Bis 2030, dem Zieljahr der globalen Nachhaltigkeitsziele, wird dort nur eines von zehn Kindern grundlegende Fertigkeiten auf Sekundarschulniveau erwerben. Die überwiegende Mehrheit, neun von zehn Kindern, wird kaum die Grundschule abschließen. Auch in Ländern mit mittlerem Einkommen, in denen die meisten Menschen weltweit leben, wird voraussichtlich nur die Hälfte der Jugendlichen bis 2030 einen weiterführenden Schulabschluss erreichen.


Engagement für Bildung: Im Januar besuchte Rihanna Schulen in Malawi. Video: Evan Rogers

Gleichzeitig werden weltweit Milliarden von Arbeitsplätzen mit niedrigen Qualifikationsanforderungen aufgrund von Automatisierung verloren gehen, und Arbeitgeber künftig deutlich höhere Anforderungen an die Fertigkeiten ihrer Mitarbeiter haben. Und in einer zunehmend unsicheren Welt wissen wir auch, dass die gebildeten Bevölkerungsgruppen belastbarer und eher in der Lage sind, sich von möglichen Krisen zu erholen. Die Fähigkeit zu lesen, sich zu informieren und danach zu handeln, sind entscheidend wenn es darum geht, Regionen und Länder wieder aufzubauen, die von Konflikten, den Folgen des Klimawandels und Naturkatastrophen betroffen sind.

Ohne mehr Investitionen in gerechte und gute Bildung für alle steht die G20-Agenda auf nicht auf solidem Fundament. Durch Wirtschaftswachstum, das durch umfangreiche Investitionen in Infrastruktur angetrieben wird, ohne dass gleichzeitig ein faires Bildungssystem aufgebaut wird, werden Millionen Menschen im Stich gelassen. Ungleichheit, Enttäuschung und Instabilität werden noch verstärkt.

Dennoch sind die Entwicklungshilfegelder für Bildung der wichtigsten Geberländer rückläufig. Eine Analyse des UNESCO-Weltbildungsberichts zeigt, dass der Anteil für Bildung innerhalb der weltweiten Entwicklungshilfe in den vergangenen sechs Jahren gesunken ist, obwohl die Gelder für Entwicklung derweil um 24 Prozent gestiegen sind. Auch kommt das Geld nicht den Ländern und den Kindern zu Gute, die es am dringendsten benötigen. Tatsächlich ist die Entwicklungshilfe für Bildung in Afrika erheblich gesunken.

Wenn es den Staats- und Regierungschefs der G20 ernst damit ist, nachhaltiges Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen voranzubringen, Flucht und Migration einzudämmen und langfristige Stabilität zu fördern, sind Investitionen in Bildung unerlässlich.

Und die Investitionen müssen gerecht sein. Es muss also sichergestellt werden, dass die Ärmsten die gleichen Bildungschancen bekommen wie wohlhabendere Gruppen und dass Mädchen unterstützt werden, ihre Schullaufbahn zu Ende zu bringen. Es bedeutet auch, dass ausgegrenzte Kinder und Kinder mit Behinderungen in ein funktionierendes, inklusives Bildungssystems miteinbezogen werden, für das die Regierung verantwortlich ist.

Für Länder mit niedrigem Einkommen sind gut ausgebildete und qualifizierte Arbeitskräfte grundlegend, um für Investitionen attraktiv zu sein und Arbeitsplätze mit lokalen Kräften besetzen zu können. Länder mit mittlerem Einkommen müssen sich um die Bildung ihrer ärmsten Bevölkerungsgruppen kümmern, um die Wirtschaft anzukurbeln und langfristige Stabilität zu gewährleisten. Für eine langfristig planbare Zusammenarbeit haben reiche Länder ein Interesse daran, stabile Partner aufzubauen, deren Bevölkerung es gut geht.

Jetzt ist Zeit für Bildung - davon bin ich überzeugt. Ich war begeistert, dass die prominente Botschafterin der Globalen Bildungsparternschaft, die Pop-Ikone Rihanna, sich kürzlich per Twitter an eine Reihe von Staatoberhäuptern gewendet und diese dazu aufgerufen hat, in Bildung zu investieren (#FundEducation).

Rihannas Tweets haben für viel Aufsehen gesorgt und Global Citizen wird diese Dynamik mit einem großen Konzert am Vorabend des G20 Gipfels in Hamburg fortsetzen. Gemeinsam mit vielen anderen, darunter Aktivistin und Sängerin Shakira, Kanadas Premierminister Justin Trudeau und Norwegens Premierministerin Erna Solberg, werde ich auf der Bühne stehen - nicht um zu singen, das verspreche ich Ihnen. Sondern um Geber- und Entwicklungsländer gleichermaßen dazu aufzurufen, mehr in Bildung zu investieren, insbesondere durch die Finanzierungskonferenz der Globalen Bildungspartnerschaft Anfang 2018, auf der 3,1 Milliarden US-Dollar aufgebracht werden sollen, damit 870 Millionen Kinder und Jugendliche in 89 Ländern zur Schule gehen und lernen können.

Man kann nur hoffen, dass die G20 nicht nur einander zuhören, sondern auch auf Rihanna und Millionen von jungen Menschen, deren Entwicklung nur gefördert werden kann, wenn die Ausgaben für Bildung massiv erhöht werden.

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Unterricht unter einem Baum in Malawi. Foto: GPE/Chantal Rigaud